Immer um die Wintersonnenwende herum, feierten die Menschen im antiken Rom die Saturnalien, ein ausgelassenes Fest mit viel Mummenschanz, bei dem die Hierarchie zwischen Herren und Dienern auf den Kopf gestellt wurde – manch Forscher sieht darin die Wurzeln unserer heutigen Fastnacht. Seit sechs Jahren feiert man nun auch im modernen Mainz wieder Saturnalien, und in diesem Jahr lädt die „Unsichtbare Römergarde“ unter dem Motto „Römer, Jokus und Gardist – ein jeder heute närrisch ist“ am 11.11. zum Fest. In dem stehen auch die Meenzer Schwellköppe im Mittelpunkt, ganz besonders: Onkel Theobald.

"Römer, Jokus und Gardist" lautet das Kampagnenmotto der Unsichtbaren Römergarde für 2027, hier das offizielle Plakat der URG. - Grafik: Unsichtbare Römergarde
„Römer, Jokus und Gardist“ lautet das Kampagnenmotto der Unsichtbaren Römergarde für 2027, hier das offizielle Plakat der URG. – Grafik: Unsichtbare Römergarde

Die Kampagne 2027 wirft ihre Narren voraus, und weil im kommenden Jahr gerade einmal ganze fünf Wochen für das närrische Treiben zur Verfügung stehen, verlegen die Mainzer Fastnachter ein Stück Narretei einfach schon ein paar Wochen vor: Rund um den 11.11. wird der Vorhang für die neue Kampagne schon einmal ein kräftiges Stück weit gelüftet. Gute Tradition sind dabei inzwischen schon die Mainzer Saturnalien, in diesem Jahr lädt die „Unsichtbare Römergarde“ bereits zum 6. Mal zur Fastnacht mit Römerbezug ein.

„Römer, Jokus und Gardist – ein jeder heute närrisch ist“ lautet das Kampagnenmotto 2027 der „Unsichtbaren Römergarde“, jener Fastnachtsgarde, in der sich Mainzer zusammengeschlossen haben, die das römische Erbe auch in der Fastnachtszeit stärker wieder ins Bewusstsein rufen wollen. Weil vieles, was die Römer in Mainz hinterließen, im Stadtbild unsichtbar ist, verfiel man auf die Idee mit der unsichtbaren Garde – Namensgeber war dabei ein Ausspruch eines der Gründungsmitglieder, der einmal im Angesicht der Lücken im Mainzer Rosenmontagszug ausrief: „Dort marschiert die Römergarde, unsichtbar!“

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Unsichtbare Römergarde zelebriert Fastnacht in Römer-Tradition

Inzwischen tritt die Römergarde Garde mit allerlei Aktionen sichtbar in Mainz hervor, sie organisiert die Närrische Nachtvorlesung und Aktionen im Römischen Bühnentheater – zuletzt das Römische Antiken Festival -, veranstaltet das Fest der Göttin Carna und jeweils am 11.11. eben auch die „Saturnalien“. Die erinnern an das antike Fest der Römer zu Ehren des Gottes Saturn, das jedes Jahr am 17. Dezember begann, und bei dem die Feiernden in Kostüme und fremde Rollen schlüpften, prunkvolle Prozessionen samt Wagen und geschmückten Schiffen veranstalteten, und die Hierarchien zwischen Herren und Sklaven auf den Kopf gestellt wurden.

Spitzzüngiger Blick auf die Politik mit Protokoller Gunther Raupach gibt's auch 2026. - Foto: gik
Spitzzüngiger Blick auf die Politik mit Protokoller Gunther Raupach gibt’s auch 2026. – Foto: gik

Das passt natürlich hervorragend zur Mainzer Fastnacht, deren politisch-literarischer Zweig traditionell den Oberen die Leviten liest, und das Volk den Politikern ihre Versäumnisse vorhält. Dem widmen sich auch die Mainzer Saturnalien in diesem Jahr wieder ausgiebig: Da wird Gunter Emrich als „Babyboomer“ spitzzüngig der Gesellschaft den Spiegel vorhalten, und Protokoller Gunther Raupach aufs Korn nehmen, was im noch laufenden Jahr alles so passiert ist – Material bieten die Politik und Weltgeschehen ja wahrlich genug.

Auch die Alternativen Bänkelsänger Claus Eckert und Wolfgang Heitz sind für ihre spitzzüngigen politischen Glossen in musikalischer Form bekannt, Christian König als „Oberamtsrat Irrtum“, Claudia Walenta als „Biggi Bimbes“ und Christian Vahl als „Janinuela“ nehmen eher die lokale Politikebene in den Fokus, während sich Christian Campe erneut den Widrigkeiten des Alltags stellt, dieses Mal als Kunde bei IKEA.

Musik-Hommage an Meenzer Schwellköpp – und Onkel Theobald

Um Schwung und Spaß muss sich dabei aber niemand sorgen, dafür sorgen in diesem Jahr erneut das Trio Aeterna, die Altrheinstromer und das (Mini-)Ballett der Mainzer Kleppergarde, dazu aber dürfen sich die Besucher auf die „Amigos del Sol“ freuen, die erstmals bei den Saturnalien dabei sind, und auf die famosen „Schobbesisters“, die Entdeckung der Kampagne 2026 bei der GCVrau. Neu dabei ist auch Benno Hochhaus als Stimmungssänger, der beim „Närrischen Braukessel“ des KCK eine schöne Hymne an die Meenzer Schwellköpp im Gepäck hatte.

Der Meenzer Schwellkopp "Onkel Theobald", per KI auf ein Rheinschiff gesetzt. - Grafik: Unsichtbare Römergarde
Der Meenzer Schwellkopp „Onkel Theobald“, per KI auf ein Rheinschiff gesetzt. – Grafik: Unsichtbare Römergarde

Das ist natürlich kein Zufall: Die überdimensionalen Pappmachéfiguren feiern in der Kampagne 2027 ihren 100. Geburtstag. Kreiert wurden sie 1927 vom Mainzer Bildhauer Ludwig Lipp, mehr als 30 Schwellköppe gibt es heute, sie zeigen satirisch überzeichnete typische Mainzer Charaktere wie die „Bawett“ und die „Blunz“, den „Hannebambel“ und das „Hennesje“ , den „Butze“ und den „Lackaff“. Die Meenzer Schwellköpp sind längst zu Symbolfiguren der Mainzer Fastnacht geworden, natürlich verneigt sich auch das Fastnachtsmotto 2027 vor ihnen mit dem Spruch „Die Schwellköpp in de Fassenacht/ gehör’n zu Meenz wie’s singt und lacht“.

Auch bei den Saturnalien soll das Jubiläum eine Rolle spielen, wie Christian Vahl, Generalfeldmarschall der Unsichtbaren Römergarde im Vorfeld verriet, dabei soll vor allem „Onkle Theobald“ im Mittelpunkt stehen. Der Zylinderträger ist mit 2,48 Metern der vermutlich längste der Meenzer Schwellköppe, „ein Schwellkopp mit Stil, Seemannsgarn und einem Zylinder, der mehr Geschichten kennt als die Stadtchronik“, wie es beim Schwellkopp Träscher Club heißt. Demnach ist „Onkel Theobald“ ein Schiffer, der in der Welt herumgekommen ist, aber seit Jahren in der Kapuzinergasse wohnt – das passt ja irgendwie zu den Römerschiffen, die ebenfalls in der Altstadt ihr Museums-Zuhause haben.

Freier Eintritt für alle mit Namen „Theobald“ bei den VI. Saturnalien

Die Unsichtbare Römergarde will jedenfalls jenen „Onkel Theobald“ ehren, und hat sich dabei ein besonderes Schmankerl ausgedacht: Alle Gäste, die mit Vor- oder Nachnamen „Theobald“ heißen, bekommen am 11.11. freien Eintritt zu den Saturnalien. Los geht’s um 18.11 Uhr, Einlass ist bereits um 17.15 Uhr, Ort des Geschehens ist erneut der „Grüne Kakadu“ am Mainzer Staatstheater, der reguläre Eintritt kostet 15,- Euro – Kartenreservierungen bitte per Email an kontakt@mainzer-kunstgalerie.de.

Die Präsidentin der Unsichtbaren Römergarde, Kathrin Dohle, wird gewohnt stimmgewaltig auf der Bühne stehen (Trio Aeterna mit Christian Vahl), und auch wieder durch das Programm führen. - Foto: gik
Die Präsidentin der Unsichtbaren Römergarde, Kathrin Dohle, wird gewohnt stimmgewaltig auf der Bühne stehen (Trio Aeterna mit Christian Vahl), und auch wieder durch das Programm führen. – Foto: gik

Der Erlös des Abends geht übrigens an den Verein „Rettet das Römische Mainz“, der gerade erst seine Spendenaktion zur Wiederaufstellung der Großen Mainzer Jupitersäule gestartet hat  – Spenden für dieses Projekt sind hochwillkommen. Die Akteure des Abends verzichten übrigens genau für diesen Zweck auch alle auf Honorare. Man freue sich zudem, wenn die Gäste „römisch-verkleidet“ zu den Saturnalien kämen, auch Pfeifen, Tröten, Tubae, Zimbeln und andere römische Instrumente seien zur Beifallserzeugung gerne willkommen, betonte Vahl.

„Zu den Feiern der Saturnalien gehörte Essen und Trinken elementar dazu, daher ist auch die bekannt gute Bewirtung im Grünen Kakadu für den Charakter der Veranstaltung wichtig“, wirbt Vahl zudem: „Das gesamte Programm kann man sich gut in einer römischen Villa vorstellen, in der die Zuschauer schmausend und trinkend, das Spektakel verfolgten“.

Info& auf Mainz&: Die VI. Mainzer Saturnalien finden am Mittwoch, den 11.11.26 um 18.11 Uhr im Staatstheater-Restaurant „Zum Grünen Kakadu“ im 1. OG am Gutenbergplatz in Mainz statt, Einlass ist um 17.15 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von 15,- Euro können bereits reserviert werden, Anmeldung und Kartenbestellung unter kontakt@mainzer-kunstgalerie.de – für Kurzentschlossene gibt es auch eine Abendkasse, falls noch Platz ist. Mehr zu den V. Mainzer Saturnalien könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen.

Das Rezept der Mainzer Fastnacht – Saturnalien 2025 feiern freies Narrenwort mit viel Klartext und echtem närrischen Mainzgefühl