Saisonstart in Rüdesheim, aber ohne Seilbahn – ja, wo gibt’s denn so was? Am 9. April nahmen Tourismusbetriebe und Rheinschiffslinien ihren Betrieb wieder auf, doch die beliebte Seilbahn schwebt noch immer nicht über den Weinbergen: Der Umbau der Talstation verzögert sich bis in den Mai hinein. Die Integration des neuen Aufzugs in das Gebäude ist doch schwieriger als gedacht. Einen Trost gibt es aber: Statt Gondeln fährt nun ein Bus-Shuttle von Rüdesheim hinauf zum Niederwalddenkmal, zumindest wochenends und an den Feiertagen.

Ein Traum: Mit der Gondel über das Rebenmeer schweben und dabei auf Rüdesheim blicken. - Foto: gik
Ein Traum: Mit der Gondel über das Rebenmeer schweben und dabei auf Rüdesheim blicken. – Foto: gik

Die Rüdesheimer Seilbahn ist Kult, und sie ist natürlich das Wahrzeichen des Weinorts Rüdesheim: Vor genau 68 Jahren, an Ostern des Jahres 1954, wurde die Seilbahn  hinauf zum Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdesheim feierlich eingeweiht. Die Bahn wurde als technisches Wunderwerk gefeiert, die Gondeln schwebten in neun Metern Höhe über die Reben unter ihnen, heute sind es 14 Meter. 85 Kabinen hat die Seilbahn heute, knapp 800 Personen kann sie pro Stunde befördern – in jede Richtung.

Pro Jahr fahren ungefähr 500.000 Menschen mit der Bahn, kein Wunder: Das Schweben über dem Rebenmeer der Rheingauer Weinberge hat eine ganz eigene Faszination, dazu führt die Fahrt hinauf auf historischen Boden: Das Niederwalddenkmal mit der Germania wurde als Erinnerung an den Sieg Deutschlands über Frankreich im Jahr 1971 und an die darauf folgende Einigung Deutschlands zu einem geeinten Staatswesen erinnern. Aber auch Karl der Große und der französische Kaiser Napoleon sollen schon auf diesen Höhen gestanden und weithin über den Rhein geblickt haben.

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Das Niederwaldenkmal mit der Germania auf der Anhöhe über Rüdesheim. - Foto: RÜD Tourismus AG Woody T. Herner
Das Niederwaldenkmal mit der Germania auf der Anhöhe über Rüdesheim. – Foto: RÜD Tourismus AG/ Woody T. Herner

Der Rhein markierte in jenen Zeiten oft die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich, heute ist er der verbindende Strom für Europas Völker im Westen – und für die modernen Besucher schlicht ein Augenschmaus. Der Ausblick vom Niederwalddenkmal mit seiner “Germania”-Statue ist einmalig und beliebt – nur muss man derzeit leider den Berg die meiste Zeit zu Fuß oder mit dem Auto erklimmen. Zum Saisonstart in Rüdesheim nämlich konnte ausgerechnet die Seilbahn ihren Betrieb nicht aufnehmen.

Die Talstation mit dem Gondelbahnhof der Seilbahn 2014. - Foto: gik
Die Talstation mit dem Gondelbahnhof der Seilbahn 2014. – Foto: gik

Grund ist der Umbau der Talstation: Schon zum 60. Geburtstag der Seilbahn im Jahr 2014 hegte man Pläne, die Talstation mit ihre großen Treppe endlich barrierefrei zu gestalten, ein Aufzug sollte deshalb her. Doch das erwies sich schwieriger als gedacht: Für den Neubau der Talstation gab es zahlreiche Prämissen. Vorgabe war etwa, dass der großzügige Vorplatz erhalten bleibt, zudem wollte man eine Architektur, “die sich harmonisch in die Altstadtbebauung einfügt.” Statt eines vorgesetzten Gebäudes für den Aufzug kam deshalb “nur die sehr aufwändige Integration der Anlage in das Gebäude in Frage”, hieß es Anfang März dieses Jahres.

Die Folge ist ein größerer Umbau der Talstation: Diese wird nun bis auf die schützenswerte Fassade und den Bahnhof für die Gondeln komplett zurückgebaut und neu erstellt. “Da sich die Arbeiten im Bestand schwieriger als gedacht gestalten, kann trotz größter Anstrengungen das ursprünglich avisierte Ziel, das Fahrgeschäft bereits an Ostern wieder aufzunehmen, nicht in die Tat umgesetzt werden”, teilte die Seilbahn Anfang März bedauernd mit. Nach Abstimmung mit allen Projektbeteiligten, Architekten, Fachplanern und ausführenden Firmen plane man nun, in der zweiten Mai-Hälfte wieder in Betrieb gehen zu können.

Die Seilbahn mit Rüdesheim im Hintergrund im Herbst. - Foto: gik
Die Seilbahn mit Rüdesheim im Hintergrund im Herbst. – Foto: gik

Damit findet die Saisoneröffnung ohne die beliebte Seilbahn statt, zumindest an den Feiertagen und den Wochenenden gibt es nun aber wenigstens ein bisschen Abhilfe: Ein Bus-Shuttle bringt nun die Menschen vom Busparkplatz Ringmauer hinauf zum Niederwald Denkmal. “Wir freuen uns, wenn unser Angebot rege genutzt wird. So können die Gäste auf sicherem Weg zu den beliebten Sehenswürdigkeiten gelangen und der geplante Ausflug zum Niederwald muss nicht ausfallen”, sagte Seilbahn-Geschäftsführer Rainer Orben.

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Besonders wichtig ist das natürlich für die Osterfeiertage, dann sind Rüdesheim und das Denkmal beliebte Ausflugsorte. Beliebt ist dazu auch die sogenannten “Ringtour”: Eine Rundwanderung von der Germania in den Weinort Assmanshausen, und von dort per Rheinschiff zurück nach Rüdesheim. In die Saison gestartet sind nämlich bereits alle übrigen Stationen der Tour: der Sessellift von und nach Assmannshausen, die Bingen-Rüdesheimer-Schifffahrtsgesellschaft, die Rössler Schifffahrts-Linie, die Köln Düsseldorfer und die Burg Rheinstein.

Beliebter Aussichtspunkt: Der Pavillon am Niederwalddenkmal mit der grandiosen Aussicht über den Rhein. - Foto: gik
Beliebter Aussichtspunkt: Der Pavillon am Niederwalddenkmal mit der grandiosen Aussicht über den Rhein. – Foto: gik

Die Bauarbeiten an der Rüdesheimer Seilbahn werden allerdings auch nach dem Ende des Umbaus der Talstation noch weitergehen: Im kommenden Winter soll mit der Gestaltung des Vorplatzes der dritte und letzte Bauabschnitt realisiert werden. Neu gestaltet werden im Zuge des Gesamtprojekts auch die Betriebs- und Sozialräume, das Foyer mit Zugangstreppen und Aufzug sowie die Gästetoiletten. Der Kassenbereich soll erweitert werden, sodass dann zwei Kassenplätze zur Verfügung stehen. In Phase Drei steht der Vorplatz mit Infoterminal und Fahrkartenautomat im Fokus.

Für das Projekt “Umbau der Talstation” ist eine Investitionssumme von rund vier Millionen Euro bereitgestellt. Dazu wird die Seilbahn künftig auch ökologischer: Beheizt werden soll das Gebäude nämlich künftig über eine Luft/Wasser-Wärmepumpe, die Stromerzeugung wiederum ist über eine auf dem Bahnsteigdach installierte Photovoltaikanlage geplant. Damit sei die Rüdesheimer Seilbahn “für die Zukunft gerüstet und umweltfreundlich im besten Sinne”, fügte Orben hinzu.

Info& auf Mainz&: Der Bus Shuttle von Rüdesheim zum Niederwalddenkmal fährt ab dem 9. April 2022 immer samstags, sonntags und an Feiertagen. Er wird in Kooperation mit der Busfirma Markert realisiert und verkehrt in der Zeit von 10.00 bis 18.00 Uhr im 20-Minuten-Takt. Haltestellen sind am Busparkplatz Ringmauer sowie am Niederwald Denkmal eingerichtet. Hier können auch die Fahrscheine erworben werden. Der Fahrpreis für die Einzelfahrt kostet EUR 5,-, Kinder von 5 bis 15 Jahren fahren für EUR 2,50. Kinderwagen werden ohne Aufpreis mitgenommen. Alle Infos zur Seilbahn Rüdesheim findet Ihr auch hier im Internet. Mehr zur Geschichte der Seilbahn haben wir hier bei Mainz& in unserem Portrait zum 60. Geburtstag erzählt:

Wo Elvis Presley niemals Gondel fuhr – 60 Jahre Seilbahn Rüdesheim – Reportage aus dem Jubiläumsjahr 2014

 

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