Paukenschlag für alle Narren am Dienstagabend: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wolle den Karneval pauschal absagen, eine Kampagne mitten in der Pandemie könne er sich nicht vorstellen, soll der Minister im Gesundheitsausschuss des Bundestags gesagt haben. Die Mainzer Narren protestierten umgehend: Fastnacht könne man gar nicht absagen – das gehöre zum Kalender wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Doch Tatsache ist auch: Immer mehr Mainzer Vereine sagen Feste, Empfänge und Sitzungen ab.

Sieht offenbar keine Chance für Karneval in Coronazeiten: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). - Screenshot: gik
Sieht offenbar keine Chance für Karneval in Coronazeiten: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). – Screenshot: gik

Angesichts erneut deutlich gestiegener Infektionen mit dem neuen Coronavirus, ist eine Debatte über die häufigsten Infektionsorte entbrannt – zurzeit sind das in Deutschland vor allem Feste. Familienfeiern, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, es sind gerade Großevents mit 60 und mehr Personen, an denen sich zuletzt vermehrt Coronainfektionen ausbreiteten, auch Jugendpartys gehörten zu Infektionsherden. Angesichts dessen brachte Spahn zuletzt auch wieder ein Verbot größerere Veranstaltungen ins Gespräch – am Dienstag sollen im Gesundheitsausschuss des deutschen Bundestags dazu dann auch die Sätze in Sachen Karneval gefallen sein.

„Ich war selbst Kinderprinz und komme aus einer Karnevalshochburg. Ich weiß also, wie wichtig Karneval für viele Millionen Deutsche ist“, zitierte Spiegel-Online den Minister unter Berufung auf einen Bericht der „Rheinischen Post“. Angesichts der Pandemie könne er sich aber „Karneval in diesem Winter schlicht nicht vorstellen“, soll Spahn weiter gesagt haben: „Das ist bitter, aber so ist es.“

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Die Mainzer Narren wollen Fastnacht nicht absagen - sondern mit kreativen Formaten feiern. - Foto: Michael Emrich beim GCV, Foto: gik
Die Mainzer Narren wollen Fastnacht nicht absagen – sondern mit kreativen Formaten feiern. – Foto: Michael Emrich beim GCV, Foto: gik

Prompt titelten die Medien bundesweit: „Spahn sagt Karneval ab“ – das aber brachte die Narren nun auf die Palme – hatten in Mainz doch gerade vor wenigen Wochen die vier großen Korporationen gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) medienwirksam betont: „Die Fastnacht findet statt!“ Man plane durchaus Rosenmontag und auch Sitzungen, wenn auch in völlig anderem Rahmen als sonst, hieß es da – es gebe viele kreative Ideen.

Tatsache ist allerdings aus: In den vergangenen zwei Wochen sagten viele Fastnachtsvereine und Garden ihre Veranstaltungen für 2021 ab. Freischützengarde, Kleppergarde, der Postsportverein und die Allerscheenste (um nur einige zu nennen) – sie alle entschieden, angesichts der Coronapandemie ihre Veranstaltungen zu streichen. Fastnacht lebe von Nähe, von Schunkeln und Miteinander, in Zeiten von Mundschutz und Abstands könne man sich das nicht vorstellen – selbst für Umzüge stehe man nicht zur Verfügung, teilte manch eine Garde mit.

Online statt analog: Mit modernen Formaten wollen Mainzer Narren die Fastnachtskampagne 2021 retten. - Foto: gik
Online statt analog: Mit modernen Formaten wollen Mainzer Narren die Fastnachtskampagne 2021 retten. – Foto: gik

„Fastnacht fällt nicht aus“, stellte hingegen am Dienstagabend die Mainzer Fastnachts-Genossenschaft auf ihrem Facebook-Account klar – das sei gar nicht möglich: „Fastnacht steht im Kalender, ebenso wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten“, schrieben die Narren weiter – und egal, was sei, die Kampagne beginne in Mainz wie immer am 01. Januar und gehe bis Aschermittwoch. Was genau in dieser Zeit aber möglich sein werde – das stehe auf einem anderen Blatt: „Großveranstaltungen und volle Säle sind recht sicher nicht möglich“, schreibt die Fastnacht eG weiter, „das heißt jedoch nicht, dass es nicht närrische Elemente geben kann mit denen wir unser Brauchtum pflegen.“

Fastnacht online gestreamt ins Wohnzimmer, spontaner Konfetti-Regen oder Gardisten in Uniform in der Stadt, all das „kann man heute weder entscheiden, noch final und umfassend ankündigen“, heißt es weiter: „Aber: Es wird Fastnacht in Mainz geben. Mit Vorsicht und Rücksicht.“

Die Meenzer Jägergarde hält an der Fastnachtskampagne 2021 fest - mit Maske. - Foto: Bernd Frank
Die Meenzer Jägergarde hält an der Fastnachtskampagne 2021 fest – mit Maske. – Foto: Bernd Frank

Und noch eine Garde betonte, man lasse sich nicht unterkriegen: „Wir kloppen die Kampagne nicht komplett in die Tonne“, teilte die Mainzer Jägergarde mit: „Wir haben jetzt so viele Facetten der Fastnacht kennenlernen dürfen, und sind der Meinung, dass Fastnacht das ist, was man daraus macht. Und irgendetwas werden „wir“ daraus machen. Deutlich kleiner, aber vielleicht auch ausgefallener.“ Wie das aussehen werde, wisse man noch nicht, schließlich habe niemand eine Glaskugel, wie die Lage Anfang kommenden Jahres aussehen werde.

„Manches kann man auch relativ kurzfristig organisieren, improvisieren liegt „uns““, resümierte die Jägergarde – Ideen habe man bereits auf der Vorstandssitzung diskutiert. „Wir freuen „uns“ trotz der Umstände auf die kommende Kampagne und die Herausforderung, die sie bedeuten wird“, schreibt die Jägergarde weiter – die kleinste Garde von Mainz hat es allerdings in Coronazeiten auch besonders leicht: Sie besteht aus genau einer Person – Präsident, Generalfeldmarschall, Gardist und Organisator Bernd Frank.

Info& auf Mainz&: Mehr dazu, wie die Mainzer Narren Fastnacht trotz Corona feiern wollen, lest Ihr hier bei Mainz&.

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