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Jahresarchive: 2019

Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert ist „Hochschullehrer des Jahres“: Wirken reicht „weit über den Hörsaal hinaus“

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Hohe Ehre für den Mainzer Sozialmediziner und „Obdachlosenarzt“ Gerhard Trabert: Der Deutsche Hochschulverband (DHV) hat den Mainzer Mediziner zum „Hochschullehrer des Jahres“ gekürt. Trabert sei „ein Hochschullehrer und Helfer, der sich mit Herz und Seele der Versorgung von Menschen in Notsituationen verschreibt“, begründete der Präsident des DHV, Professor Bernhard Kempen, die Wahl, sein Wirken reiche „weit über den Hörsaal hinaus“. Trabert helfe aber nicht nur individuell und persönlich mit seinem Verein „Armut und Gesundheit“, mit Ärztemobil und Ambulanz, sondern mache auch als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Fachartikel und Bücher „nachdrücklich auf die Kausalität von Armut und Gesundheit aufmerksam“.

Gerhard Trabert unterwegs mit seinem Arztmobil bei Obdachlosen, - Foto: Armut & Gesundheit
Gerhard Trabert unterwegs mit seinem Arztmobil bei Obdachlosen, – Foto: Armut & Gesundheit

Trabert studierte Medizin in Mainz und Sozialarbeit an der Fachhochschule Wiesbaden, vor 25 Jahren gründete er das Ärztemobil, eine rollenden Ambulanz, mit der Trabert pro Jahr rund 800 Patienten auf der Straße behandelt. Dieses „Mainzer Modell der gesundheitlichen Versorgung von wohnungslosen Menschen“ gilt als bundesweit vorbildlich und war nun auch einer der Gründe für die Auszeichnung als Hochschullehrer des Jahres. 2013 gründete Trabert zudem die „Ambulanz ohne Grenzen“, in der Ärzte,  Krankenschwestern, Krankenpfleger und Sozialarbeiter kostenfrei wohnungslose Menschen und Patienten ohne Versicherungsschutz behandeln. Seit 2009 ist Trabert zudem Professor für Sozialmedizin an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden.

Mit Trabert wird denn auch erstmals überhaupt ein Fachhochschullehrer als „Hochschullehrer des Jahres“ ausgezeichnet. Trabert sei „ein tatkräftiger Pionier der Sozialmedizin, der das Herz am rechten Fleck hat“, lobte DHV-Präsident Kempen. Durch sein vielfältiges Wirken habe er „das Ansehen der Wissenschaft in Deutschland gesteigert und sich um den Berufsstand der Hochschullehrer auch außerhalb des akademischen Umfelds verdient gemacht.“ Es gebe „kaum einen Wissenschaftler, der Lehre und Praxis, Wissenschaft und ihre Umsetzung besser verkörpern könnte als Herr Kollege Trabert.“

Vor allem würdigte der Verband, dass Traberts Wirken als Sozialmediziner weit über den Hörsaal hinausreiche: „Er hat seine Berufung darin gefunden, kranken und sozial benachteiligten Menschen ein Stück Würde zurückzugeben“, betonte Kempen. Daztu gehörten eben das Arztmobil mit der rollenden Ambulanz sowie die offene Ambulanz ohne Grenzen, aber auch seine Tätigkeit als Vorsitzenden des Vereins „Armut und Gesundheit“ sowie der 2003 gegründete Verein „Flüsterpost – Unterstützung für Kinder krebskranker Eltern“. Trabert habe sich auch als Verfasser von Kinderbüchern über den Umgang mit Krebs einen Namen gemacht und scheue sich in seinen Veröffentlichungen auch nicht,  „gesellschaftsstrukturelle Unrechtsmechanismen zu benennen und deren Abschaffung einzufordern.“

Der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert im kurdischen Kobane . - Foto: Trabert
Der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert im kurdischen Kobane . – Foto: Trabert

Trotz seiner vielfältigen Verpflichtungen nehme er sich regelmäßig noch Zeit für humanitäre Auslandseinsätze – etwa auf der Sea Watch zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer oder in Flüchtlingslagern in der Rojava-Region in Nordsyrien sowie in kurdischen Orten wie Kobane. Für dieses Wirken erhält Trabert nun den mit 10.000 Euro dotierten Preis, der ihm am 6. April 2020 im Rahmen der „Gala der Deutschen Wissenschaft“ in Berlin verliehen wird.

Info& auf Mainz&: Wir haben mehrfach über die Aktivitäten von Gerhard Trabert berichtet, zuletzt über die Situation im kurdischen Kobane und die dort von Trabert gegründete Diabetes-Ambulanz – dazu hier mehr. Einen Artikel zu den Hilfseinsätzen auf der Sea Watch im Mittelmeer findet Ihr hier. Die Pressemitteilung des Deutschen Hochschulverbandes samt früherer Preisträger findet Ihr hier im Internet.

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„Demokratie in Frage“ – Ex-Bundespräsident Gauck wird Stiftungsprofessor in Mainz 2020

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Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur bekommt 2020 einen besonders prominenten Vertreter: Niemand geringeres als der frühere Bundespräsident Joachim Gauck wird im kommenden Sommersemester die renommierte Gastprofessur an der Johannes Gutenberg Universität in Mainz ausfüllen. Gauck stelle seine Vorlesungsreihe unter den Titel „Demokratie in Frage“, im Kern werde es um die Frage nach der Zukunft des westlichen Modells der liberalen Demokratie gehen, teilte die Universität am Mittwoch mit. Gauck und andere renommierte Gäste werden diese Frage dienstagabends auf dem Campus verfolgen und diskutieren.

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck wird Stiftungsprofessor 2020 in Mainz.- Foto: Kugler-Denzel
Ex-Bundespräsident Joachim Gauck wird Stiftungsprofessor 2020 in Mainz.- Foto: Kugler/Denzel

Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur wurde im Jahr 2000 zum 600. Geburtstag des Buchdruck-Erfinders Johannes Gutenberg von der „Vereinigung der Freunde“ der Universität ins Leben gerufen. Physiker, Informatiker und Evolutionsbiologen haben seither grundlegende Erkenntnisse der Menschheit diskutiert, auch früherer Politiker wie Ex-Außenminister Dietrich Genscher, UN-Exekutiv-Direktor des Umweltprogramms Klaus Töpfer oder der Mainzer Kardinal Karl Lehmann waren bereits Inhaber der Gastprofessur. Nun also kommt Bundespräsident a.D. Joachim Gauck nach Mainz, sein Thema: Die aktuelle und höchst akute Bedrohung der liberalen Demokratie westlicher Prägung.

„Das Modell der liberalen Demokratie ist in die Krise geraten und wird von populistischen Bewegungen und autoritären Staats- und Regierungsformen bedrängt“, heißt es in der Ankündigung der Hochschule. Digitalisierung und Klimawandel stellten dazu die überkommenen repräsentativen Demokratien vor ganz neue, übergreifende Probleme. „Demokratie in Frage“ werde deshalb fragen, ob das westliche Modell der liberalen Demokratie auch im 21. Jahrhundert zukunftsfähig ist und wie es sich verändern muss.

„Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur verschreibt sich in diesem Jahr in besonderer Weise dem Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft“, sagte Universitäts-Präsident Georg Krausch. Für diesen Brückenschlag habe die Universität in Joachim Gauck „einen ausgezeichneten Ansprechpartner gefunden, der Meinungsbildungsprozesse befördern und Impulse in aktuellen politischen Debatten setzen kann.“ Die Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur werde 2020 einen großen Zuhörerkreis finden

Joachim Gauck als Bundespräsident zu Besuch am Hambacher Schloss. Foto: gik
Joachim Gauck als Bundespräsident zu Besuch am Hambacher Schloss. Foto: gik

und zu einem lebendigen Wissenschaftsstandort Mainz beitragen, betonte Krausch.

Gauck war in seinem Leben bereits Theologe, Politiker und Publizist. Bekannt wurde er als Pastor, der 1989 in der DDR die Friedensgebete beim Aufstand der Bürgerrechtsbewegung leitete. Gauck wurde führendes Mitglied der Bürgerbewegung Neues Forum und 1990 Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR, nach dem Fall der Mauer wurde er Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Am 18. März 2012 wurde Joachim Gauck von der Bundesversammlung zum 11. Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt, er verzichtetet aus Altersgründen auf eine Wiederwahl und beendete seine Amtszeit am 18. März 2017.

Gaucks Thema war stets die Freiheit, die Hoffnungen aber, er könne seine Amtszeit als Bundespräsident zur Versöhnung von Ost und West nutzen, erfüllten sich jedoch nicht so richtig. Auch in der zu seiner Amtszeit stattfindenden Flüchtlingskrise 2015 blieb Gauck eher blass. Impulse setzte er eher, als er 2014 mehr Verantwortung Deutschlands in der Welt forderte – und mit seiner Abschiedsrede 2017, als er mahnte, die Demokraten müssten die Republik in Zukunft deutlich stärker verteidigen, nach innen wie nach außen. Gauck sei „eine Persönlichkeit, die durch ihre Leistungen um die Demokratie und das Eintreten für Toleranz, für Freiheit und für die Verantwortung, die Freiheit mit sich bringt, Deutschland und die gesellschaftlichen Debatten entscheidend mitgeprägt hat und mitprägt“, heißt es von Seiten der Universität. Zu seinen Schriften zählen „Freiheit: Ein Plädoyer“ (2012) sowie das 2019 erschienene „Toleranz: einfach schwer“.

Info& auf Mainz&: Mehr zur Johannes Gutenberg-Stiftungsprofessur und zur Nominierung von Joachim Gauck findet Ihr hier im Internet.

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Streik an Mainzer Uniklinik in letzter Minute abgewendet – CDU beantragt Sondersitzung zweier Ausschüsse

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Der Großstreik an der Mainzer Universitätsmedizin ist buchstäblich in letzter Minute abgewendet worden. In einer Vollversammlung stimmte am Mittwochabend die Mehrheit der Teamdelegierten der Gewerkschaft Verdi für eine Aussetzung des Streiks. Offenbar gelang es in letzter Minute, sich auf die von der Gewerkschaft geforderten Sollzahlen für die Besetzung von Pflegediensten und anderen Schichten in dem Großklinikum geeinigt. Details wollen Verdi und die Leitung der Mainzer Universitätsmedizin am Donnerstag bekanntgeben. Die Verhandlungen sollen zudem kommende Woche weiter gehen – an der Mainzer Uniklinik wird intensiv um bessere Bedingungen für die Pflege gerungen.

Als Problembezirk sieht die Gewerkschaft Ver.di die Mainzer Universitätsmedizin. - Foto: Plakat Ver.di
Als Problembezirk sieht die Gewerkschaft Ver.di die Mainzer Universitätsmedizin. – Foto: Plakat Ver.di

Die Gewerkschaft Ver.di will an der Mainzer Uniklinik einen Tarifvertrag „Entlastung“ durchsetzen, dabei geht es um deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen vor allem für die Pflegekräfte auf den Stationen. Die Not ist in der Tat groß: Seit Jahren klagen Beschäftigte an der Mainzer Uniklinik über zu hohe Arbeitsbelastung im Alltag. Am Dienstag schilderten Pflegekräfte im Gesundheitsausschuss des Mainzer Landtags dramatische Fälle: Da sei der Tod einer chronisch kranke Patientin erst mit erheblichem Zeitverzug bemerkt worden – wegen Personalmangels. Und eine depressive Patientin habe einen Suizidversuch unternommen, weil sie die gestressten Pflegekräfte nicht weiter mit ihren Problemen habe belasten wollen, berichteten Pflegende im Ausschuss.

Mit rund 7.980 Beschäftigten ist die Mainzer Universitätsmedizin das größte Krankenhaus in Rheinland-Pfalz, 2018 wurden hier 70.000 stationäre und mehr als 530.000 ambulante Patientenbehandlungen durchgeführt. 1.491 Betten gibt es, rund 3.400 Studierenden werden pro Jahr ausgebildet – die Mainzer Unimedizin ist die einzige Uniklinik in Rheinland-Pfalz. Doch das Großklinikum ist seit Jahren deutlich unterfinanziert, erst kürzlich machten Chefärzte in einem Brandbrief auf die dramatisch schlechte Lage des Klinikums mit unter anderem maroden Gebäuden aufmerksam.

2019 feierte die Universitätsmedizin ihr zehnjähriges Bestehen, und musste gleichzeitig das schlechteste Jahresergebnis ihrer Geschichte vorlegen: 2018 fuhr man mit minus 59,7 Millionen Euro ein Rekorddefizit ein – noch einmal deutlich schlechter als im Jahr 2017, als die Unimedizin ein Minus von 33,1 Millionen Euro einfuhr. Dringliche Gebäudesanierungen, eine Reihe notwendiger Rückstellungen sowie gestiegene Personal- und Materialkosten machte die Universitätsmedizin für das neue Rekordminus verantwortlich. Gleichzeiti stieg der Umsatz aus der Betriebsleistung stieg von 737,390 auf 775,525 Millionen Euro, 59,3 Millionen Drittmittel konnten eingeworben werden – es reichte alles nicht.

Die Mainzer Universitätsmedizin von oben. - Foto: gik
Der Mainzer Universitätsmedizin drohte am Donnerstag ein Großstreik, er wurde vorerst abgewendet. – Foto: gik

Vergangene Woche stand nun die dritte Verhandlungsrunde für einen speziellen Tarifvertrag an: Mit dem Tarifvertrag „Entlastung“ will die Gewerkschaft Ver.di die Arbeitsbedingungen besonders der Pflegenden in der Klinik verbessern. Ver.di fordert dafür die Festlegung von Mindestsollzahlen für alle Schichtarten und Bereiche. Wenn diese Sollzahlen unterschritten sind und damit eine zusätzliche Belastung für die Kollegen entstanden ist, soll es einen Belastungsausgleich geben.

Unter den Beschäftigten hatte die Gewerkschaft damit großen Rückhalt: Am Dienstag übergaben Bedienstete der Unimedizin im Landtag eine Petition mit den Fotos von 1.273 Beschäftigten, zwei Drittel der pflegenden Kollegen forderten damit den Tarifvertrag „Entlastung“, „um unseren professionellen Ansprüchen und unserer Gesundheit gerecht zu werden.“ Man fordere bessere Bedingungen für die Beschäftigten, um „eine menschenwürdige und sichere Versorgung für unsere Patienten zu gewährleisten. Mehr von uns ist besser für alle!“ Die Gewerkschaft verband ihre Forderungen in dieser Woche aber schließlich auch mit einem Ultimatum: Bewege sich die Uniklinik nicht, werde am Donnerstag ab 6.00 Uhr zum  Streik aufgerufen.

Damit drohte der Mainzer Universitätsmedizin ein Ausstand in nie dagewesener Größe: 31 Stationen wären geschlossen worden, 837 von 1.491 Betten sollten leer bleiben – das wären mehr als 56 Prozent der belegbaren Betten gewesen. Bereits in den vergangenen Tagen wurden Patienten verlegt und Operationen verschoben, lediglich Not-Operationen hätten noch stattfinden sollen.

Krankenpfleger Stefan Heyde bei einer Demo "Pflege in Not". - Foto: privat
Seit Jahren wehren sich Pflegekräfte gegen die schlechten Arbeitsbedingungen ihres Berufes, wie hier bei einer Verdi-Demo. Foto: privat

Bei der Mainzer Universitätsmedizin wehrt man sich unterdessen gegen die Forderungen und wirft Ver.di vor, auf „blanke Eskalation“ zu setzen. Das von Ver.di propagierte Modell der Sollzahlen sei an anderen Unikliniken bereits gescheitert und habe dort zur Schließung von Stationen geführt – mit Folgen für Arbeitsplatzverluste und für die Patientenversorgung. „Im ersten Moment klingt es einfach, was Verhandlungsführer Frank Hutmacher den Mitarbeitern der Universitätsmedizin über Flugblätter und Aktionen als sinnhafte Lösung glauben machen möchte“, kritisierte der verhandlungsführer für die Unimedizin, Christian Elsner: Urlaubstage und Bettenschließungen für jeden „überlasteten“ Dienst klängen gut, die zusätzlichen Urlaubstage brächten aber nicht die erhoffte Erholung für die Mitarbeiter, sondern erzeugten große Unzufriedenheit.

Wegen des dann wieder entstehenden Personalmangels hätten nämlich an anderen Kliniken Betten geschlossen werden müssen, das seien aber zumeist dringend benötigte Betten für schwerkranke Patienten, warnte Elsner, und die Mainzer Unimedizin sei oft die letzte Behandlungsmöglichkeit für viele Patienten. Durch die Schließungen würden dann aber auch ungewollt Arbeitsplätze anderer Berufsgruppen wegfallen wie etwa Ambulanzen, Therapieberufe oder Transportdienste. „An anderen Uniklinik-Standorten in anderen Bundesländern ist Ver.di schon mit seinem Modell ins Trudeln geraten“, kritisierte Elsner: „Was Ver.di da fordert, ist nicht nur falsch, sondern gegen deren eigentliche Philosophie.“

Die aktuellen zusätzlichen Forderungen von Ver.di würden das Unternehmen erheblich belasten, warnt die Uniklinik weiter. Schließlich habe man gerade erst im Sommer 2019 den höchsten Tarifabschluss der Region im Bereich der Pflege abgeschlossen, trotz finanziell angespannter Lage. Der neue Tarifvertrag sehe für die Pflege am Bett monatliche Zulagen im Gegenwert von einem 14. Monatsgehalt sowie eine Tarifsteigerung bis 2020 um sieben Prozent vor. „Wenn nun zusätzliche Freizeitausgleiche und in der Konsequenz Bettenschließungen drohen, würde dies in der Folge für die Universitätsmedizin erhebliche Kapazitätseinbußen für die Behandlung von Patienten auch mit komplexen und schweren Erkrankungen bedeuten“, so die Klinik weiter. Damit verbunden wären erhebliche Umsatzverluste, die die angespannte finanzielle Lage noch zusätzlich belasten würden.

Die Mainzer Universitätsmedizin gilt als strukturell unterfinanziert. Foto: Unimedizin
Die Mainzer Universitätsmedizin gilt als strukturell unterfinanziert und schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen. – Foto: Unimedizin

Die CDU-Opposition im Land spricht denn auch bereits seit Jahren von einer strukturellen Unterfinanzierung der Mainzer Universitätsmedizin und macht dafür die Landesregierung verantwortlich: „Seit Jahren mangelt es an finanzieller Unterstützung durch die Landesregierung“, sagte CDU-Generalsekretär Gerd Schreiner erst Anfang November wieder: „Das Land lässt die Mainzer Unimedizin am ausgestreckten Arm verhungern.“ Schreiner hatte schon im Sommer 2018 einen Vier-Punkte-Plan zur Rettung der Uniklinik vorgeschlagen. Danach müsse das Land die Unimedizin nach hessischem Vorbild  entschulden, die jährlichen Investitionsmittel deutlich erhöhen und zugleich mehr Geld für Forschung und Lehre geben. Es brauche einen rückwirkenden Inflationsausgleich, denn seit den 1990er Jahren seien die Mittel der Unimedizin für Personalausgaben kaum noch gestiegen.

„Die dramatische Gesamtsituation des Flaggschiffs der rheinland-pfälzischen Krankenhauslandschaft ist einzig der jahrzehntelangen Untätigkeit der Landesregierung geschuldet“, kritisierte Schreiner nun. Hätte die Regierung die seit den 90er Jahren erfolgten Preissteigerungen mit passgenauen Erhöhungen der Landesleistungen ausgeglichen, „würde die Klinik heute schwarze Zahlen schreiben“, unterstrich er. Die Folge sind Defizite und Sanierungsstau in Millionenhöhe, nun kämen auch noch große Probleme in der Pflege hinzu – „hier müssen endlich funktionierende Konzepte her“, forderte er. Die CDU beantragte deshalb eine Sondersitzung der Ausschüsse für Wissenschaft und Gesundheit im Mainzer Landtag, man wolle „wissen, wie die Landesregierung Abhilfe schaffen will.“

An der Mainzer Unimedizin wird derweil erst einmal weiter verhandelt: Klinikum und Ver.di hatten sich ohnehin zum Verhandlungsauftakt auf einen Terminplan geeinigt, der bis zum 19. Dezember durchdekliniert war. Die Uniklinik hatte appelliert, diesen Zeitplan erst einmal abzuarbeiten. Man sei auf dem Weg, weitere Entlastungen für die Mitarbeiter umzusetzen, so werde seit Jahresbeginn jede qualifizierte Pflegekraft, die sich bewerbe, eingestellt. Die Verhandlungen für den Tarifvertrag „Entlastung“ sollen nun am 03. Dezember weitergehen.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Defizit und den Finanzierungsproblemen der Mainzer Universitätsmedizin hatten wir 2017 ausführlich aufgeschrieben, den Artikel dazu findet Ihr hier bei Mainz&. Informationen zur Mainzer Universitätsmedizin, auch aktuelle in Sachen Streik, gibt es hier im Internet.

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Weltweiter Klimastreik am 29.11. vor UN-Klimagipfel – Erste Klimastreikwoche an der Uni Mainz

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Am kommenden Freitag ist wieder einmal Klimastreik, doch es soll kein normaler Streiktag sein: Weltweit rufen erneut am 29. November Jugendliche, Wissenschaftler und Klimaschützer dazu auf, für einen Wandel in der Klimapolitik auf die Straße zu gehen. Anlass ist der UN-Klimagipfel, der vom 2. bis 13. Dezember in Madrid tagt, beim 4. weltweiten Klimastreiktag wollen deshalb noch einmal Hunderttausende klar machen: Die Uhr tickt, der Menschheit rennt die Zeit davon, die ihr noch bleibt, ein katastrophales Kippen der Klimakrise aufzuhalten. In Deutschland richtet sich der Protest vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung, in Mainz haben dazu „Students for Future“ eine ganze Klimastreikwoche organisiert, die bereits am Montag begann.

Aufruf zum vierten weltweiten Klimastreik am 29.11.2019, in Deutschland unter dem Motto #NeustartKlima. - Foto: Fridays for Future
Aufruf zum vierten weltweiten Klimastreik am 29.11.2019, in Deutschland unter dem Motto #NeustartKlima. – Foto: Fridays for Future

Im August gründete sich an der Johannes-Gutenberg-Universität die Gruppe „Students für Future“, in dieser Woche organisiert die Gruppe gleich ein ganzes Feuerwerk von Veranstaltungen im Vorfeld des 4. weltweiten Klimastreiks am Freitag. Knapp 40 Vorträge, Workshops und Veranstaltungen informieren die ganze Woche über über die Ozonschicht und das Insektensterben, über die Störungen des Klimas und die Folgen für Umwelt, Wirtschaft und nicht zuletzt die Demokratie. Mit drohenden Klimakämpfen wird sich ebenso beschäftigt wie mit Verschwörungstheorien und Umweltethik, es gibt Workshops zur Abfallvermeidung, eine Kleidertauschparty sowie einen veganen Kochkurs.

„Die vielfältigen Veranstaltungen laden ein zum öffentlichen Diskurs, sie reflektieren Themen von hoher gesellschaftlicher Relevanz wie Klimapolitik und Nachhaltigkeit, suchen Erklärungen und entwickeln Zukunftsperspektiven“, lobt gar Universitätspräsident Georg Krausch die erste Public Climate School. Er wünsche den Aktionen eine große Resonanz und viele Teilnehmer und betonte, er begrüße es sehr, dass die Studierenden Verantwortung in Politik und Gesellschaft übernähmen. Eine kleine „Grüne Messe“ bietet zudem die Möglichkeit, sich über Umweltschutzorganisationen und Aktivitäten in Mainz zu informieren.

Ein Highlight gibt es am Donnerstagabend um 18.30 Uhr mit einem Vortrag von Wissenschaftler und Bestsellerautor Harald Lesch zum Thema „Klimakrise – leicht erklärt“, der Vortrag wird bundesweit als Live-Stream an teilnehmenden Hochschulen übertragen. Am Freitag dann startet um 10.30 Uhr von der Universität aus der Walk of Climate in die Innenstadt, wo um 12.00 Uhr die zentrale Kundgebung zum Weltklimastreik auf dem Ernst-Ludwig-Platz stattfindet. Nach einer Startkundgebung setzt sich von dort ein Demonstrationszug über Rheinallee, Kaiserstraße und Große Bleiche wieder zurück zum Ernst-Ludwig-Platz zur Abschlusskundgebung in Bewegung.

Im September gingen bei #AllefürsKlima auch in Mainz 10.000 auf die Straßen. - Foto: gik
Im September gingen bei #AllefürsKlima auch in Mainz 10.000 auf die Straßen. – Foto: gik

Zu dem Protestmarsch ruft auch dieses Mal wieder ein breites Bündnis aus Umweltschutzorganisationen, Wissenschaft und Kirchen auf, allen voran natürlich die Protestbewegung „Fridays for Future“. Die weltweiten Bemühungen, die Pariser Klimaziele einzuhalten, seien seit dem letzten weltweiten Klimastreik am 20. September „kein nennenswertes Stück gewachsen“, während die Bundesregierung „diese Ziele wissentlich verspielt und parallel quasi aus Wind- und Solarenergie aussteigt“, kritisiert die Bewegung. Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung touchiere die Ziele von Paris nicht einmal, „das ständige Aussitzen der Wirklichkeit muss ein Ende haben“, kritisieren die Jugendlichen: „Deshalb fordern wir: Neustart Klima!“

#NeustartKlima lautet denn auch das Motto für diesen Freitag, die Organisatoren reden dabei auch gegen ein um sich greifende Ermüdung an: „Die Zeit rennt uns davon während die Bundesregierung das zelebriert, was sie am besten kann: Wegschauen und Nichtstun“, kritisiert Maurice Conrad, einer der Hauptorganisatoren von Fridays for Future in Mainz. Der politische Imperativ habe sich leider immer noch nicht gewandelt. „Deshalb müssen wir noch lauter, größer und unbequemer sein als bisher“, kündigt Conrad an: „Weder mit dem Planeten noch mit der Natur lassen sich Kompromisse verhandeln.“ Deshalb sei es „jetzt umso wichtiger, dass wir nicht aufhören für eine lebenswerte und klimagerechte Zukunft auf die Straße zu gehen“, ergänzt Theresa Germke, Hauptorganisatorin der Demo #NeustartKlima am Freitag in Mainz.

Die Scientists for Future mit den "Warming Stripes" bei #AllefürsKlima. - Foto: gik
Die Scientists for Future mit den „Warming Stripes“ bei #AllefürsKlima im September in Mainz. – Foto: gik

Daneben rufen auch Fluglärm-Gegner zum Protest für ein besseres Klima auf, und verknüpfen das mit ihrer Aktion „Deutschland fliegt nicht“, mit der für Februar 2020 zu einer flugfreien Woche in ganz Deutschland aufgerufen wird. Das breite Bündnis setzt sich aber auch mit Umwelt-, Entwicklungs-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden fort, die gemeinsam zum Protest aufrufen: „Die Bundesregierung begründet ihr klimapolitisches Versagen damit, den Menschen keinen konsequenten Klimaschutz zumuten zu können“, heißt es in dem Aufruf: „Billige Ausreden für schwache Maßnahmen lassen wir nicht gelten: Klimaschutz und Sozialpolitik dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden!“

Das Bündnis wolle zeigen, dass Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit unteilbar zusammengehörten. „Eine sozial-ökologische Wende ist eine riesige Chance für eine gerechtere Gesellschaft – hier und weltweit!“ Klima und CO2-Emissionen sind übrigens auch wieder Thema in den Mensen an der Mainzer Uni: Das Studierendenwerk Mainz bietet während der Klimastreikwoche mit Unterstützung des Ökologie-Referats des AStA täglich ein besonders klimafreundliches Gericht an. Es werde über die anfallenden CO2-Emissionen verschiedener Gerichte und Zutaten aufgeklärt, so könnten sich die Kunden selbst ein Bild davon machen, wie stark sich ihre Wahl beim täglichen Mensaessen auf das Klima auswirke, heißt es in der Mitteilung.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Klimastreik am Freitag, den 29.11.2019, unter dem Motto #NeustartKlima findet Ihr hier im Internet, Das ganze Programm der Streikwoche „Public Climate School“ an der Mainzer Universität steht genau hier im Netz. Unseren Bericht vom Klimastreiktag im September lest Ihr hier bei Mainz&, da hieß das Motto: Wähler for Future suchen Politiker mit Mut…

 

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45. Mainzer Weihnachtsmarkt öffnet Budentüren am Dom – Neue TruckBlocs für die Sicherheit

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Das war er, der Mainzer Weihnachtsmarkt 2014! - Foto: gik

Am Donnerstag ist es so weit: Zu Füßen des Mainzer Doms öffnet der 45. Mainzer Weihnachtsmarkt seine Tore und Türchen. Auf den Mainzer Domplätzen leuchten dann wieder Kerzen und Lämpchen, machen sich Glühweinduft und Kartoffelpuffergeruch breit, strahlt der Lichterhimmel über Buden und Gassen. Der 45. Mainzer Weihnachtsmarkt belässt weitgehend alles beim Alten, das Erfolgsrezept heißt Atmosphäre – Zehntausende werden wieder kommen. Neu sind hingegen mobile Zufahrtssperren für die Sicherheit: Am Höfchen wurden am Montag die neuen TruckBlocs installiert.

Klassiker am Dom: Der Mainzer Weihnachtsmarkt gehört zu den schönsten der Republik. - Foto: gik
Klassiker am Dom: Der Mainzer Weihnachtsmarkt gehört zu den schönsten der Republik. – Foto: gik

Der Mainzer Weihnachtsmarkt läute „eine der schönsten Zeiten ein, wenn der Lichterglanz erstrahlt, wir Freunde treffen, und man auf die Pyramide zugeht“, schwärmte die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) bei der Vorstellung des Programms. Ab Donnerstag lädt der Mainzer Budenzauber wieder dazu ein, hochwertigen Glühwein zu genießen und regionale Speisen, durch die Verkaufsstände zu schlendern, und weihnachtlicher Musik zu lauschen. 98 Buden zählt der Weihnachtsmarkt erneut, nur eine davon ist neu: Ein Stand mit hochwertigen Lederwaren verstärkt in diesem Jahr das Angebot.

Ansonsten setzt der 45. Mainzer Weihnachtsmarkt auf Altbewährtes und Vertrautes: Da sind die beiden Kartoffelpufferstände und die Suppenküchen, die Künstlerwerkstatt und die beiden Bühnen. Das Fässerdorf auf dem unteren Markt lädt zum Verweilen am Holzfeuer oder zum Kuscheln in den Holzfässern, die große Holzkrippe lädt zum Staunen, ebenso der große Lichterhimmel, der seit zwei Jahren aus LED-Leuchten besteht. 33 Buden bieten Kunsthandwerk und Geschenke, zehn Häuschen noch einmal speziell Weihnachtsdekoration wie Weihnachtskugeln und anderen Baumschmuck, Karten für Weihnachtswünsche, Nußknacker und Räucherfiguren.

Die andere Hälfte der Buden widmet sich kulinarischen Freunde: Da gibt es wieder den beliebten Flammlachs und die Schweinebräterei, heiße Fleischwurst, Dinneles und Flammkuchen. Die Abteilung Süßes ist von Churros über Crèpes bis hin zu Maronen, Bio-Chocolaterie und allerlei Weihnachtsbäckerei-Leckereien breit vertreten. Rund ein Dutzend Glühweinstände versorgen die Luft mit dem unverwechselbaren Glühweinduft, und die Gaumen der Genießer mit allerlei Spezialitäten. Vom klassischen roten Glühwein reicht die Palette über Spätburgunderglühweine bis hin zu allerlei Rosé- und Weißweinkreationen – wir werden uns auch in diesem Jahr durchprobieren, versprochen!

Budenzauber, weihnachtslich geschmückte Gassen und Lichterglanz - der Mainzer Weihnachtsmarkt. - Foto: gik
Budenzauber, weihnachtslich geschmückte Gassen und Lichterglanz – der Mainzer Weihnachtsmarkt. – Foto: gik

Zehntausende Besucher werden auch in diesem Jahr einen der schönsten Weihnachtsmärkte der Republik besuchen, da steht die Sicherheit ganz oben auf der Agenda. Erneut wird es auf dem Markt eine Live-Videoüberwachung über eine Sicherheitszentrale geben, dazu wurden am Montag neue Sperren für die Zufahrt vom Höfchen aus aufgebaut. In den vergangenen Jahren sollten hier ja große Betonblocks verhindern, dass Kriminelle mit einem schweren Wagen in die feiernde Menge rasen können.

Im Rahmen eines neuen Sicherheitskonzeptes für die Feste der Stadt wurde dafür aber nach einer neuen Lösung gesucht: „Die Experten sagen, dass die Betonblöcke auseinanderbrechen können, wenn da jemand mit einem Lkw mit großer Geschwindigkeit auftrifft“, erklärte Matz nun – es bestehe die Gefahr, dass umherfliegende Splitter Menschen gefährden könnten oder die Blöcke gar in die Menge geschoben werden könnten. Nun sollen neue Sperren aus Rampen und Pollern für eine höhere Sicherheitsstufe sorgen: Die neuen TruckBlocs wurden am Montag in der Ludwigsstraße installiert. Drei mobile Sperren aus 27 Einzelteilen wurden eigens für diesen Weihnachtsmarkt gemietet, 200.000 Euro kostet das die Stadt. „Wenn die Stadt sich für den Kauf entscheidet, kann das angerechnet werden“, betonte Matz.

Holzverkleidete Betonklötze sperrten in den Vorjahren die Zufahrt zum Weihnachtsmarkt vom Höfchen aus, sie werden nun durch neue TruckBlocs ersetzt. - Foto: gik
Holzverkleidete Betonklötze sperrten in den Vorjahren die Zufahrt zum Weihnachtsmarkt vom Höfchen aus, sie werden nun durch neue TruckBlocs ersetzt. – Foto: gik

Die neuen Sperren könnten Teil eines umfassenden neuen Sicherheitskonzeptes der Stadt werden, das derzeit in Erarbeitung ist. Gelenkbusse sollen die Elemente gut umfahren können, die aber gleichzeitig verhindern, dass jemand mit hoher Geschwindigkeit frontal in den Markt rasen kann. Das Höfchen sie der einzige Bereich, von dem aus überhaupt so eine Gefahr ausgehen könne, betonte Matz. Die anderen, engeren Zufahrtsstraßen werden erneut durch Müllwagen oder andere schwere Fahrzeuge abgeriegelt. Auch Polizeistreifen auf dem Markt werden natürlich für Sicherheit sorgen – das Landeskriminalamt (LKA) warnte pünktlich zum Start der Weihnachtsmarktsaison eindringlich vor Taschendieben.

Laut Polizeilicher Kriminalstatistik wurden im Jahr 2018 in Rheinland-Pfalz insgesamt 2.737 Taschendiebstähle angezeigt, 2017 waren es 2.957 Fälle. Trotz des Rückgangs machten die Diebe im Jahr 2018 noch 804.328 Euro Beute, warnt das LKA, und die meisten Fälle von Taschendiebstählen blieben unaufgeklärt, da die Tat von den Opfern häufig nicht gleich bemerkt werde. Die Täter träten meist in Gruppen auf und agierten arbeitsteilig nach
dem Motto: „Anrempeln, drücken, abdecken, ziehen, Beute übergeben.“ Bestohlen
werden überwiegend Frauen und ältere Menschen. Misstrauisch werden solltet Ihr auch, wenn Euch jemand mitten auf dem Markt bittet, eine Münze zu wechseln, oder mit einem Stadtplan vor Euch wedelt. Taschen sollten unbedingt geschlossen gehalten werden, Portemonnaies in Rucksäcken sind überhaupt keine gute Idee im Gedränge – sie können leicht aufgeschlitzt werden.

Vorsicht, Taschendiebe! Die Mainzer Polizei wird auch in diesem Jahr ein wachsames Auge auf Taschen und Langfinger haben. - Foto: gik
Vorsicht, Taschendiebe! Die Mainzer Polizei wird auch in diesem Jahr ein wachsames Auge auf Taschen und Langfinger haben. – Foto: gik

Wer Geld und Handy gut gesichert unter der Kleidung trägt, kann sorgenfrei Staunen und Genießen – die große Pyramide am Eingang zum Höfchen mit ihren mainzerischen Figuren etwa, oder den lichterumglänzten Dom. Auf dem Weihnachtsmarkt wird übrigens schon seit Jahren viel für Klima und mobilitätsbenachteiligte Menschen getan. So gibt es schon seit 30 Jahren Keramiktassen auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt, dazu seit einigen Jahren echtes Geschirr statt Plastik. An praktisch allen Ständen gibt es Hilfen für Rollstuhlfahrer, an einigen Buden sogar Speisekarten in Braille-Schrift – die Stadt ruft dazu auf, dass sich hier noch mehr Budenbesitzer anschließen. Absenkbare Tische sollen in diesem Jahr zudem Rollifahrern und kleinen Menschen das Essen erleichtern.

Ein reiches Programm von Bläsern über A-Capella-Show bis hin zu Nikolausbesuch und Gospelkonzert bieten wieder die beiden Bühnen, immer wenn Ihr das „Jingle“ auf dem Markt hört, wisst Ihr: Es beginnt wieder ein besonderes Event. Auf dem ganzen Weihnachtsmarkt gibt es übrigens wieder ein kostenfreies Wlan, bei den „M-Hotspots“ müsst Ihr nur die Nutzungsbedingungen akzeptieren, uns los geht’s. Eine Registrierung oder Anmeldung ist nicht nötig.

Unverändert sind indes die Öffnungszeiten geblieben: Auch in diesem Jahr schließt der Mainzer Weihnachtsmarkt weiter unter der Woche schon um 20.30 Uhr, am Freitag und Samstag um 21.00 Uhr. Damit halten Stadt und Betreiber trotz wiederholter Wünsche nach längerem Genießen am Abend an den vergleichsweise frühen Schließzeiten fest. „Die Öffnungszeiten sind gut so, wie sie sind“, betonte Schausteller-Sprecher Sascha Barth, „wir sind schließlich eine Solidargemeinschaft.“ Immerhin öffne der Weihnachtsmarkt bereits morgens um 11.00 Uhr, für die Verkaufsstände sei die Hauptzeit zwischen 11.00 und 18.00 Uhr.

Bei einer Umfrage 2018 hätten auch die Glühweinstände gesagt, „es ist gut, wie es ist“, sagte Barth: „Wir haben ein tolles Publikum, eine tolle Stimmung, das wollen wir behalten.“ Der Weihnachtsmarkt solle „eben nicht in ein Saufgelage ausarten“, fügte er hinzu.

Info& auf Mainz&: Der 45. Mainzer Weihnachtsmarkt wird am Donnerstag, den 28. November 2019 eröffnet, offiziell wird der Startschuss um 17.00 Uhr vor der Gotthardkapelle an der Krippe gegeben. Bis zum 23. Dezember geht dann der Budenzauber, und zwar immer von 11.00 Uhr bis 20.30 Uhr, Freitags und Samstags bis 21.00 Uhr. Am 23.12. ist um 19.00 Uhr Schluss. Alle Informationen, ein Plan des Weihnachtsmarktes sowie das gesamte Programm findet Ihr hier bei der Stadt Mainz.

 

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2020 Fastnachtsparty auf den Domplätzen – Mainzer Fastnacht eG mit neuem Programm zur Straßenfastnacht

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Die Mainzer Fastnacht eG will 2020 mit neuen Projekten die Mainzer Fastnacht beleben und vor allem auch die Straßenfastnacht für Liebhaber der traditionellen Fastnacht attraktiver machen. Dazu wird es in der kommenden Kampagne erstmals an den Fastnachtstagen eine eigene Fastnachtsparty auf den Domplätzen geben, geplant sind unter anderem ein Männerballett-Wettbewerb und ein gemeinsames Fastnachtssingen. Der Schwerpunkt soll auf der traditionellen Fastnacht liegen, so soll ein zusätzliches Angebot zur Partymeile zwischen Schillerplatz und Höfchen geschaffen werden. Im Januar findet zudem eine Dankeschön-Sitzung für die Rettungskräfte beim Brand der Mainzer Rheingoldhalle statt. Und der Jugendmaskenzug wird wieder mit einem bunten Programm begleitet.

Jugendmaskenzug 2019: Die spinnen, die Ferienplaner, fanden die Gallier aus Mainz. - Foto: gik
Jugendmaskenzug 2019: Die spinnen, die Ferienplaner, fanden die Gallier aus Mainz. – Foto: gik

Die Dachorganisation der Mainzer Fastnachtsvereine hatte bereits 2019 rund um den Jugendmaskenzug ein buntes Fastnachtsprogramm auf die Beine gestellt. Grund war die Verlegung des Kinder- und Jugendumzuges von seinem traditionell angestammten Termin am Fastnachtssamstag zwei Wochen nach vorne – die neuen Winterferien machten es nötig. In Mainz ist die Kritik an den neuen Skiferien nie abgerissen, weil sich Schulen und Kindergärten nicht in der Lage sahen, am Jugendmaskenzug in den Ferien teilzunehmen, stand der größte Kinder- und Jugendumzug Europas nach 60 Jahren sogar beinahe vor dem Aus. 2019 kamen denn auch nur rund 20.000 Zuschauer zu dem Umzug in die Innenstadt, 2018 waren es noch mehr als doppelt so viele gewesen.

Auch 2020 findet der Jugendmaskenzug erneut zwei Wochen vor dem Fastnachtswochenende, am 8. Februar, statt. Die Mainzer Fastnacht eG will erneut mit einem attraktiven Rahmenprogramm die Besucher in die Stadt locken. Von 11.11 Uhr bis 17.33 Uhr werde es wieder ein Fastnachtsprogramm rund um die Bühne auf dem Gutenbergplatz geben, sagte der Chef der Mainzer Fastnacht eG, Klaus Hafner, gegenüber Mainz&. Das Vorprogramm solle helfen, „dass möglichst viele Leute in die Stadt kommen, um den Kindern und Jugendlichen ein tolles Kulisse zu bieten.“ 2019 habe man sehr positive Rückmeldungen für das Programm bekommen, auch 2020 solle es für einen gelungenen Samstag im Zeichen der Fastnacht sorgen. „Wir sehen uns zur Förderung der Jugend verpflichtet, das ist unsere Zukunft“, betonte Hafner.

Rosenmontagszug auf dem Domplatz in Mainz - 2020 soll es hier einen großen zusätzlichen Fastnachtsparty-Hotspot geben. - Foto: gik
Rosenmontagszug auf dem Domplatz in Mainz – 2020 soll es hier rund um den Dom einen großen zusätzlichen Fastnachtsparty-Hotspot geben. – Foto: gik

Am Fastnachtswochenende selbst wird die Mainzer Fastnacht eG dann erstmals mit einem eigenen Programm die Mainzer Domplätze bespielen. Los gehe es am Fastnachtsdonnerstag, der Weiberfastnacht, mit einem Männerballett-Wettbewerb. „Wir finden das witzig und glauben, dass das gut ankommt“, sagte Hafner. Am Fastnachtssamstag werde es unter anderem abends ein gemeinsames Fastnachtssingen mit traditionellen Lieder geben. „Es wird eine App geben, auf der man auf dem Handy die Texte der Lieder aufrufen kann“, sagte Hafner.

Ziel der Aktion sei es, die traditionelle Fastnacht zu stärken und auch, den Feierbetrieb in der Innenstadt mehr zu entzerren. „Darum haben uns Stadt und Polizei gebeten“, sagte Hafner gegenüber Mainz&, denn auf der Meile der Rosenmondnacht gehe es doch in den Stoßzeiten sehr gedrängt zu. „Wir wollen mit unserem Programm die Leute ansprechen, die die traditionelle Fastnacht feiern wollen“, sagte Hafner: „Für die Jugend gibt es genug Partymeilen, wir wollen einen zusätzlichen Hotspot anbieten, wo man fastnachtlich-traditionell feiern kann.“

An allen Fastnachtstagen werde es ein Musikprogramm mit DJ geben, auch am Rosenmontag nach dem Zug werde auf den Domplätzen gefeiert. Der Fastnachtsdienstag soll im Zeichen der Familien stehen, rund um die traditionelle Kappenfahrt, bei der die letzten Süßigkeiten unters Narrenvolk gestreut werden, laden die Mainzer Schausteller zum Familientag auf ihren Fahrgeschäften und die Fastnacht eG zum musikalischen Fastnachtsausklang bis 18.00 Uhr.

Am 14. Januar findet zudem im Forstersaal des Mainzer Schlosses die Dankeschön-Sitzung der Mainzer Fastnacht für die Rettungskräfte statt, die beim Brand der Mainzer Rheingoldhalle im Mai die Halle retten halfen. Der fastnachtlich-bunte Abend sei wirklich nur für die Rettungskräfte gedacht und werde von Jürgen Wiesmann moderierte, sagte Hafner, im freien Verkauf seien die Karten nicht zu haben.

Info& auf Mainz&: Die Mainzer Fastnacht eG, die Dachorganisation der Mainzer Fastnachtsvereine, bietet Informationen rund um die fünfte Jahreszeit in Mainz, hier findet Ihr sie im Internet. Unseren Bericht vom Jugendmaskenzug 2019 findet Ihr hier bei Mainz&.

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Mietspiegel 2019: Mieten seit 2014 um 13,6 Prozent gestiegen – Auch mittlere Einkommen haben Schwierigkeiten

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Die Explosion der Mietpreise ist in den vergangenen fünf Jahren praktisch umgebremst weiter gegangen: Seit Oktober 2014 sind die Mieten von Wohnungen in der Landeshauptstadt durchschnittlich um rund 13,6 Prozent gestiegen. Das stellt nun der neue Mietspiegel 2019 fest, wie die Stadt Mainz am Donnerstagabend mitteilte. Damit seien die Wohnungsmieten im Schnitt pro Jahr um 3,9 Prozent gestiegen – in den fünf Jahren davor waren es „nur“ 2,5 Prozent pro Jahr und insgesamt 10 Prozent. Mainz gehöre damit zu den zehn teuersten Mietstädten Deutschlands. Nicht nur Niedrigverdiener, sondern auch Haushalte mit mittlerem Einkommen hätten Probleme, eine bezahlbare Bleibe zu finden, heißt es in dem Papier explizit.

Wohnen in Mainz wird immer teurer, hier ein Blick von oben auf die Mainzer Neustadt. - Foto: gik
Wohnen in Mainz wird immer teurer, hier ein Blick von oben auf die Mainzer Neustadt. – Foto: gik

Damit bescheinigt der Mietspiegel der Mainzer Stadtverwaltung ganz offiziell: Es gibt deutlich zu wenig günstigen Wohnraum im Stadtgebiet. Bereits vor vier Jahren, bei der Vorlage des Mietspiegels 2015 hatten die Marktanalysten eine drastische Preisexplosion von 10 Prozent in den vier Jahren von 2010 bis 2014 festgestellt, nun kommt es noch dramatischer: 13,6 Prozent betrug die Steigerung in den Jahren 2014 bis 2018. Selbst diese Zahl dürfte noch am unteren Ende der realen Entwicklung liegen: Der Mietspiegel gilt nur bei Mieterhöhungen im Bestand, Neuvermietungen sind an die Regeln der ortsüblichen Vergleichsmiete, wie sie im Mietspiegel festgelegt wird, nicht gebunden.

Mainz hat bereits seit 40 Jahren einen sogenannten qualifizierten Mietspiegel und sei damit eine der ersten Kommunen gewesen, die dieses Instrument zur Darstellung der ortsüblichen Vergleichsmieten verfügte, betont die Stadt: „Vorrangiges Ziel des Mietspiegels ist es, den Mietvertragsparteien ein Instrument zur einvernehmlichen Regelung der Miete an die Hand zu geben und damit erheblich zur Stärkung der Rechtssicherheit und des Rechtsfriedens in der Stadt beizutragen.“ Die Mietspiegel für Mainz hätten immer eine hohe Akzeptanz gefunden und seien ein wichtiges Instrument vor Gericht, im privaten Wohnungsmarkt sowie auch für viele städtische Ämter.

Der heutige Mainzer Mietspiegel wurde 2015 völlig neu erstellt und 2017 zuletzt aktualisiert, für den Mietspiegel 2019 wurden nun wieder neue Zahlen auf der Basis repräsentativer Befragungen bei Mietern und Vermietern erhoben. 25.000 zufällig ausgewählte Mieter sowie die Vermieter von 4,100 Wohnungen wurden zwischen 1. Oktober 2018 und Ende Januar 2019 angeschrieben und gebeten, an der Befragung teilzunehmen. Der Rücklauf war allerdings recht gering: Insgesamt konnten 3.473
auswertbare Interviews durchgeführt werden, von denen 2.968 für den Mietspiegel verwertbar waren. Erstellt wurde die Studie vom Hamburger Unternehmen F+B, Forschung und Beratung.

Blick vom Turm der Christuskirche über die Mainzer Neustadt Richtung Zollhafen. - Foto: gik
Blick vom Turm der Christuskirche über die Mainzer Neustadt Richtung Zollhafen. – Foto: gik

Wesentliche Ausfallgründe seien vor allem die hohe Zahl von Eigentümern in selbst genutzten Wohnungen gewesen, heißt es weiter – die Zahl der Eigentumswohnungen hat in Mainz deutlich zugenommen, damit werden diese Wohnungen aber dem Mietmarkt entzogen. Nicht einfließen durften auch Befragungen, wenn die Miethöhe seit mindestens vier Jahren unverändert war, ebenso bei möblierten Wohnungen oder Studentenwohnheimen. Auch Wohnungen in Einf- und Zweifamilienhäusern fließen nicht in den Mietspiegel ein. Die Bereitschaft, Auskünfte zu erteilen, sei insgesamt geringer gewesen als bei früheren Befragungen, heißt es weiter.

Mainz sei in den vergangenen fünf Jahren um 10.000 Einwohner gewachsen, das schlage sich auch im Wohnungsmarkt nieder, so die Macher des Mietspiegels weiter. In Mainz fehlten weiterhin geförderte Wohnungen, es mangele aber auch an Wohnungen, die preislich über dem förderfähigen Niveau, aber unterhalb des durchschnittlichen Mietniveaus liegen, so die Analyse. Damit dürfte sich auch der Bau der hochpreisigen Wohnugnen in gebieten wie dem Winterhafen oder dem Mainzer Zollhafen negativ auf die Mietpreisentwicklung in Mainz niederschlagen. „Der angespannte Wohnungsmarkt entfaltet eine höhere Dynamik“, heißt es im Mietspiegel, „Neuvertragsmieten sind häufig sehr hoch.“

„Für uns heißt das: Wir brauchen ein deutliches Plus an bezahlbarem oder gefördertem Wohnraum“, sagte Sozialdezernenten Eckart Lensch (SPD), sah zugleich aber die Stadt dabei auf einem guten Weg: In vielen Stadtteilen würden Wohnflächen neu entwickelt, allen voran das Heiligkreuz-Viertel, das Projekt „Wohnen am Hartenbergpark“ sowie in der nördlichen Neustadt. Allerdings ergaben jüngste Marktbeobachtungen, dass auch im Heiligkreuzviertel die bisher angebotenen Wohnungen preislich im deutlich gehobenen Sektor liegen.

Modell des neuen Heiligkreuzareals in Mainz - hier sollen in den kommenden Jahren 2000 Wohnungen entstehen. - Foto: gik
Modell des neuen Heiligkreuzareals in Mainz – hier sollen in den kommenden Jahren 2000 Wohnungen entstehen, ein Drittel davon günstiger Wohnraum. – Foto: gik

Lensch betonte, auf insgesamt 24 Flächen, die kurz- und mittelfristig für den Wohnungsbau in Mainz zur Verfügung stünden, ergebe sich ein Gesamtpotenzial von etwa
5.500 weiteren Wohnungen bis zum Jahr 2025. Das Institut der Wirtschaft in Köln bilanzierte in einer im Juli 2019 vorgelegten Studie, Mainz habe in den Jahren 2016 bis 2018 nur 72 Prozent der Wohnungen gebaut, die pro Jahr eigentlich nötig gewesen wären, um den Bedarf zu decken: Statt 1.381 pro Jahr benötigten Wohnungen seien nur 992 pro Jahr gebaut worden.

Gleichzeitig wohne aber jeder Zweite in Deutschland zu Miete, konstatierte das Institut im November  – seit sieben Jahren stagniere die Wohneigentumsquote bei um die 45 Prozent, das sei so niedrig wie in kaum einen anderen europäischen Land. Kein Wunder: In Mainz sind Eigentumshäuser kaum noch zu haben, geschweige denn zu erschwinglichen Preisen. Zuletzt lagen die Mindestpreise für Einfamilienhäuser in Mainz nicht unter 300.000 Euro.

Info& auf Mainz&: Der neue Mietspiegel 2019 geht nun erst einmal in die städtischen Gremien, am 18. Dezember 2019 wird er im Stadtrat beraten und beschlossen. Den bislang noch aktuellen Mainzer Mietspiegel 2017 findet Ihr hier bei der Stadt Mainz, unseren bericht vom Mietspiegel 2015 – auch mit Durchschnittsmieten – lest Ihr hier bei Mainz&.

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Mainz bekommt 135.000 Euro Ausgleich für Fluglärm aus Hessen für Umgestaltung Rheinufer Laubenheim

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Mainz leidet ja in erheblichem Maße unter dem Fluglärm vom Frankfurter Flughafen, einen Ausgleich gab es dafür aber nicht – bisher: Nun erhält Mainz erstmals vom Land Hessen eine Ausgleichszahlung wie sie in Hessen besonders stark vom Fluglärm belastete Kommunen schon länger bekommen. Mainz erhalte 135.000 Euro nach dem Regionallastenausgleichsgesetz, teilte das Hessische Verkehrsministerium am Mittwoch mit. Das Geld soll in die Umgestaltung des Rheinufers in Laubenheim fließen, an der ehemaligen Nato-Rampe soll ein Naherholungsgebiet mit Kinderspielplatz, Grillplätzen, Bouleplatz und saisonalem Weinausschank entstehen.

Die alte Natorampe am Rheinufer bei Mainz-Laubenheim. - Foto: Bischoff und Partner
Die alte Natorampe am Rheinufer bei Mainz-Laubenheim. – Foto: Bischoff und Partner

In Hessen bekommen besonders stark vom Fluglärm belastetet Kommunen schon länger Ausgleichszahlungen, pro Jahr stellt das Land Hessen hierfür 4,5 Millionen Euro für Städte und Gemeinden im Umfeld des Frankfurter Flughafens bereit. Das Geld stammt aus den Dividendeneinnahmen des Landes für dessen Fraport-Aktien. Die Mittel werden nach einem festen Schlüssel verteilt, der sich daran orientiert, wie stark eine Kommune von Fluglärm belastet ist und wie viele ihrer Einwohner betroffen sind, so die Erläuterungen aus dem Ministerium. Verwendet werden können die Mittel unter anderem für Kinder- und Jugendbetreuung, zur Schalldämmung oder zur Aufwertung von Freizeiteinrichtungen.

Seit 2017 gilt diese Regelung auch für die Stadt Mainz, dafür sei eigens ein Vertrag mit der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt abgeschlossen worden, sagte eine Sprecherin des Ministeriums auf Mainz&-Anfrage. Danach stehen Mainz für die Jahre 2017 bis 2021 jeweils 45.000 Euro zu, in diesem Jahr werden die Gelder von Mainz nun erstmals abgerufen. Das Ergebnis: Der Stadt fließen 135.000 Euro zu, und die sollen für die Umgestaltung des Laubenheimer Rheinufers verwendet werden.

An dem Rheinufer um die ehemalige Nato-Rampe herum plant die Stadt seit 2016 eine naturnähere Gestaltung des Rheinufers und zudem einen Freizeitpark. Im Norden des zukünftigen Naherholungsgebiets sollen demnach ein Kinderspielplatz, ein Gelände „Freies Spiel“, ein Boule-Platz sowie Fahrrad- und Autoparkplätze und ein saisonaler Weinausschank entstehen. Im Südteil sind am Rheinufer die Ufersteine entfernt worden, weitere Renaturierungsmaßnahmen sind geplant, heißt es in Planungsunterlagen der Stadt. Der ehemalige Campingplatz wurde vor ein paar Jahren geschlossen, er wird nun zurückgebaut.

Plan für den Freizeitpark am Rheinufer in Mainz-Laubenheim - Karte: Jestaedt, Screenshot: gik:
Plan für den Freizeitpark am Rheinufer in Mainz-Laubenheim – Karte: Jestaedt, Screenshot: gik

Die Pläne für das Gelände sind zweigeteilt: Im nördlichen Bereich soll eine auentypische Landschaft entwickelt werden mit extensiven Grünlandflächen, Druckwassersenken, Röhrichtgesellschaften und lockeren Gehölzinseln, wie es bei der Stadt heißt. Die Entwicklung lokaler Biotope soll hier gefördert, unerwünschte Arten sollen zurückgedrängt werden. Gehölze, Hecken und Silberweiden sollen hier der Natur Räume zur Entfaltung und zum Schutz seltener Arten zurückgeben. Auch naturnahe Sand- und Kiesufer sollen hier wieder entstehen, dem Rheinufer sein ursprüngliches Gesicht zurückgegeben werden.

Südlich der Natorampe soll zudem eine Art Freizeitpark entstehen, hier plant die Stadt Flächen für Boule, Tischtennis und Beachvolleyball, Grillmöglichkeiten, Kinderspielflächen und einen Bewegungsgarten – und dazu einen „saisonalen Ausschank“ in Form eines Weinausschanks oder Biergartens. Auch eine Bootsanlegestelle für Paddler ist in der Überlegung. Die geplanten Einzelmaßnahmen müssten nun „in nachfolgenden Arbeitsschritten konkretisiert werden“, heißt es auf der Homepage der Stadt Mainz. Für den Planungsraum Nord sei der nächste Schritt die Erstellung eines dem Naturraum gerecht werdenden Verkehrskonzeptes.

Noch südlich davon plane das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mannheim die Realisierung eines Modellprojekts Ufer- und Auenrenaturierung Laubenheim. Die vorgesehenen Renaturierungsmaßnahmen seien ein eigenständiges Projekt zur Gewässer- und Auenentwicklung des Laubenheimer Rheinufers. Die Stadt Mainz und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd seien als Kooperationspartner eingebunden.

Info& auf Mainz&: Alle Infos zu dem Projekt findet Ihr hier auf der Homepage der Stadt Mainz.

 

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„Gefahr im Verzug“: Fassadengitter am Mainzer Rathaus müssen sofort demontiert werden

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Die Fassadengitter am Mainzer Rathaus sind so unsicher, dass sie auf der Stelle abgebaut werden müssen – das teilte die Stadtverwaltung am späten Dienstagnachmittag mit. Bei einer Begehung des Rathauses habe sich „der Verdacht ergeben, dass die Fassadengitter am Rathaus nicht mehr standsicher sind“, teilte die Verwaltung mit. Ein darauf in Auftrag gegebenes Gutachten habe ergeben: Die Konstruktion der Gitter weise „erhebliche Mängel“ auf – es sei „Gefahr im Verzug“. Bereits am Mittwoch werde deshalb mit der Demontage der Gitter begonnen. Damit ist ein prägender Teil der Rathausfassade nicht mehr verkehrssicher.

Das Mainzer Rathaus mit den für seine Gestaltung typischen Gittern, die nun abgebaut werden müssen. - Foto: gik
Das Mainzer Rathaus mit den für seine Gestaltung typischen Gittern, die nun abgebaut werden müssen. – Foto: gik

Bereits am Samstag hatte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) während des laufenden Umzugs der Stadtverwaltung aus dem Mainzer Rathaus durchblicken lassen, die Aufhängung der Gitter sei so marode, dass man sie demontieren müsse. Bekannt war das der Verwaltung da allerdings schon eine ganze Woche lang: Am 11. November sei der Verwaltung das Gutachten zur Beurteilung der Standsicherheit der „Verschattungsgitter“ am Rathaus Mainz vorgelegt worden, teilte die Stadt am Dienstag, den 19. November mit.

Das Gutachten sei in Auftrag gegeben worden, weil bei einer Begehung des Rathauses erhebliche Zweifel aufgekommen waren, ob die Verankerung der Gitter in der Fassade noch sicher sei – Ebling hatte dazu gesagt, die Gitter „wackelten“ in ihrer Verankerung, bei starkem Wind könne das eine Gefahr darstellen. Das Gutachten kam nun zu dem Schluss: „Aufgrund erheblicher Mängel ist die Konstruktion nicht standsicher. Eine Ertüchtigung vor Ort ist ausgeschlossen“, so schreibt es die Stadtverwaltung in ihrer Pressemitteilung. Somit sei „Gefahr im Verzug.“

Daher werde nun „unverzüglich die Demontage aller Sonnenschutzgitter am Rathausgebäude vorgenommen“, das sei die einzige Möglichkeit, die Gefahr umgehend zu beseitigen. Die Demontage der Verschattungsgitter sollte am Mittwochmorgen beginnen, die Baustelle auf der Rheinuferseite eingerichtete werden, die Demontage selbst in Höhe der Hausdruckerei starten. Für die derzeit noch im Rathaus arbeitenden Personen bestehe keinerlei Gefahr, betonte die Stadt: „Sie können Ihren Arbeiten im Gebäude in gewohnter Weise nachgehen.“

Marode Stellen im Keller des Mainzer Rathauses am Übergang zur Tiefgarage. - Foto: gik
Marode Stellen im Keller des Mainzer Rathauses am Übergang zur Tiefgarage. – Foto: gik

Das Mainzer Rathaus wird derzeit leergeräumt, seit Ende vergangener Woche läuft der Umzug der Stadtverwaltung in das neue Stadthaus an der Großen Bleiche. Der zweite Teil des Umzugs steht am kommenden Wochenende an. Das vom dänischen Architekten Arne Jacobsen erbaute Rathaus am Rhein ist stark marode und dringend sanierungsbedürftig, der Umbau soll im kommenden Jahr beginnen – die Details sind allerdings noch unklar. Der Bau weist erhebliche Probleme wie Wasser im Keller, ein undichtes Dach und eine marode Fassade auf. Seit Januar 2018 sichern zudem bereits Fangnetze die Fassade für den Fall herabfallender Fassadensteine – schon im Herbst 2017 hatte ein Architekt gewarnt, der Beton unter den Fassadensteinen sei korrodiert, alle Fensterverankerungen seien marode.

Der Experte hatte Mehrkosten von 3,9 Millionen Euro für den Austausch der Natursteinfassade sowie von 3,3 Millionen Euro für die Sanierung der Gitterfassade veranschlagt. Über die Rathaussanierung wird seit vielen Jahren in Mainz heftig gestritten, zuletzt hatten die Freien Wähler erneut gefordert, mit einem Bürgerentscheid zu klären, ob die Mainzer die Sanierung des denkmalgeschützten Baus wirklich wollten. Die CDU-Opposition argwöhnt, die Sanierung werde erheblich teurer als versprochen – Experten schätzten die Kosten auf 150 Millionen Euro statt der versprochenen 75 Millionen Euro.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Bauzustand des Mainzer Rathauses aus Expertensicht lest Ihr hier bei Mainz&, alles zum Umzug der Stadtverwaltung und wie es mit dem Rathaus weiter geht, steht hier bei Mainz&.

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Deutscher Kleinkunstpreis 2020 an Sebastian Puffpaff, Suchtpotenzial, Alfons, Fritz und Gerburg Jahnke

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Sie sind der Oskar des deutschen Kabaretts: Jedes Jahr im Herbst verleiht das Mainzer Unterhaus die goldene Glocke – den Deutschen Kleinkunstpreis, einen der renommiertesten Preise der Kabarettszene. In diesem Jahr hat die Jury erneut wahre Meister ihrer Zunft ausgezeichnet: Der Deutsche Kleinkunstpreis in der Sparte „Kabarett“ geht an den süffisant-bissigen Sebastian Pufpaff, in der Sparte Chanson wird das Duo „Suchtpotenzial“ ausgezeichnet und im Bereich Kleinkunst der ewig näselnde Schein-Franzose Alfons mit seinem Puschelmikrofon. Der Förderpreis der Stadt Mainz geht an Christoph Fritz – und der Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz geht an die Grande Dame des Kabaretts: an Gerburg Jahnke.

Porträt Sebastian Puffpaff - Foto Manuel Berninger
Träger des Deutschen Kleinkunstpreises 2020, Sparte Kabarett: Sebastian Puffpaff – Foto Manuel Berninger

Den Deutschen Kleinkunstpreis gibt es seit 1972, erster Preisträger war der legendäre Hanns Dieter Hüsch, dessen berühmte Kabarett-Glocke zum Wahrzeichen des Unterhauses und dann auch zum Symbol des Deutschen Kleinkunstpreises wurde. Es sei der älteste deutsche Preis, der in den Sparten Kabarett, Chanson/Lied/Musik und Kleinkunst verliehen wird, betont das Unterhaus. Die drei Preise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert, dazu stiftet die Stadt Mainz den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis für Nachwuchskünstler. Seit 2008 wird zudem der Ehrenpreis vergeben, den das Land Rheinland-Pfalz stiftet, auch er ist mit 5.000 Euro dotiert.

2019 bekam den Kabarett-Hauptpreis Christian Ehring, im kommenden Jahr geht die Glocke an den hintersinnig-gemeinen Sebastian Pufpaff. Der sei „ein Meister der Widersprüche, der sich vom Teleshopping bis auf die große Kabarettbühne gespielt hat“, so das Urteil der Jury: „Als gut gelaunter Zyniker beleuchtet er die Welt am liebsten von ihrer dunklen Seite und zwingt sein Publikum aus der moralischen Komfortzone.“ Statt einfacher Wahrheiten biete Pufpaff Perspektivwechsel, er blase Klischees auf bis zur Selbstzerstörung und löse die komplexesten Probleme mit einer Pointe. „Er ist der Kabarettist, den diese Zeit verdient“, bilanzierte die Jury.

Auch die Sparte Chanson geht an zwei Performerinnen mit Haltung: „Suchtpotenzial“, das sind Julia Gámez-Martin und Ariane Müller, und die beiden Damen, so die Jury „singen dem Sexismus den Kampf an, rappen gegen den Paygap, jammern übers Gendern und rocken die Emanzipation. Ihre Songs sind Botschaften mit Haltung, provokant getextet, leidenschaftlich dargeboten und brillant komponiert. Geballte Frauenpower mit Sinn und Selbstironie – dank Suchtpotenzial wird Feminismus Rock’n’roll.“

Kult-Künstler: Der Deutsch-Franzose Emmanuel Peterfalvi als "Alfons". - Foto: Guido Werner
Kult-Künstler: Der Deutsch-Franzose Emmanuel Peterfalvi als „Alfons“. – Foto: Guido Werner

In der Sparte Kleinkunst kommt einer zu Ehren, der eigentlich schon ein Urgestein des Kabarett ist: Den etwas schmuddelig daherkommenden, vertrottelten „Alfons“ gibt es gefühlt schon seit Jahrzehnten, tatsächlich erfand der Deutsch-Franzose Emmanuel Peterfalvi seine Kunstfigur bereits Mitte der 1990er Jahre. Seine Markenzeichen: Eine orangefarbene Trainingsjacke, ein übergroßes Puschelmikrofon – und absurde-hintersinnige Fragen an Passanten. „Mit Alfons zeichnet die Jury einen Künstler aus, der der Gesellschaft als medialer Eulenspiegel unterhaltsam wie entlarvend den Spiegel vorhält“, urteilt denn auch die Jury.

Seine Kunstfigur lasse Peterfalvi „entwaffnend die Herzen seines Publikums zufliegen“, zugleich „erforscht er mit kindlicher Neugier auch die abgelegensten Gefilde des deutschen Wesens. Mit sympathischem, selbstironischem Kokettieren nimmt Alfons dabei stets die Schärfe aus der Würze und serviert dennoch ein pikantes kabarettistisches Savoir-Vivre.“ Eine große Auszeichnung für einen Altmeister mit langem Atem.

Der Förderpreis der Stadt Mainz hingegen geht an einen echten Newcomer aus Österreich:  Christoph Fritz wird für sein Erstlingswerk „Das jüngste Gesicht“ ausgezeichnet. „Seine zurückhaltende, jugendliche Erscheinung lässt Naivität vermuten. Zerschmettert werden die äußeren Eindrücke jedoch durch die Wucht, mit der seine tabulosen, mit knallharten Pointen gespickten Texte daherkommen“, befand die Jury. Laufend werde „durch die Diskrepanz zwischen Sein und Schein kleine bis mittlere Explosionen in den Gedanken seiner Zuschauer ausgelöst, die letztlich nur mit Humor zu verarbeiten sind.“

First Lady des deutschen Kabareets: Gerburg Jahnke bekommt den Ehrenpreis des Unterhauses. - Foto: Harald Hoffmann
First Lady des deutschen Kabareets: Gerburg Jahnke bekommt den Ehrenpreis des Unterhauses. – Foto: Harald Hoffmann

Mit dem Ehrenpreis schließlich wird eine ganz Große der deutschen Kabarettszene geehrt, die „First Lady“ schlechthin. In den 1980er Jahren war sie der burschikose Part des legendären Duos „Missfits“ und hob so mit ihrer Partnerin Stephanie Überall das Frauenkabarett auf die Bühnen der Szene. Mit den „Missfits“ habe Jahnke „eine neue Form des weiblichen Humors etabliert: rotzfrech, emanzipiert, klug, witzig und mit Haltung“, befand die Jury: „Seitdem ist sie prägend für ganze Generationen junger Künstlerinnen.“

„Ob mit Sendungen wie „Ladies‘ Night“ oder ihrer aktuellen Bühnenshow „Frau Jahnke hat eingeladen“: Gerburg Jahnke befördert charmant und nachhaltig Künstlerinnen dorthin, wo auch sie seit über 30 Jahren zu Recht steht: auf die deutschsprachigen Bühnen und in die Herzen der Zuschauer“, lobte die Jury. 2005 trennten sich die „Missfits“, Jahnke bleib aber dem Kabarett treu, moderierte von 2007 bis 2018 die „Ladies Night“ im WDR, die erste Frauen-Kabarettsendung im deutschen Fernsehen. Ihr Humor: immer hintergründig-bissig, aufspießend und aufdeckend – und im besten Sinne von weiblicher Sicht geprägt.

Die Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises findet am 1. März 2020 im Mainzer unterhaus statt. Sie wird – wie immer – von Urban Priol moderiert, der selbst Preisträger in der Kategorie Kabarett im Jahr 2000 war.

Info& auf Mainz&: Mehr zu den Preisträgern des Jahres 2019 des Deutschen Kleinkunstpreises könnt Ihr hier noch einmal bei Mainz& nachlesen, ein Porträt des Unterhauses selbst zu seinem 50. Geburtstag findet ihr hier bei Mainz&. Die Preisverleihung am 1. März 2020 wird von 3sat am 8. März um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Das Mainzer Forum-Theater Unterhaus selbst samt aktuellem Programm und natürlich Karten für alle Aufführungen gibt es hier im Internet.

 

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