Werbung&
15. April 2026
17.1 C
Mainz
Start 2019

Jahresarchive: 2019

Der neue Trend heißt „Drinkability“ – 5. Mainzer Craft Beer Messe lockt mit 320 Biersorten und Bier-Sommlier

0

Zum fünften Mal trifft sich am kommenden Wochenende in der Halle 45 in Mainz das Who is Who der deutschen Craft Beere Szene. 50 Aussteller, 324 Biere jenseits der Masse – die Craft Beer Messe ist längst zum Anlaufpunkt für Liebhaber individueller, handgemachter Biere geworden. „Wir wollen Bier jenseits der Masse in den Fokus rücken“, sagte Messechef Sebastian Kreuser von der Ram Regio Messegesellschaft: „Das Konzept funktioniert.“ Neu sind in diesem Jahr Live-Tastings mit Bier-Sommelier Meinhard Wicht zu verschiedenen Themen, und natürlich das aktuelle Messebier: „Entdeckung“ heißt die Kreation, mit der ausgerechnet ein Brite den Hobbybrauer-Wettbewerb gewann.

Keith Moore mit seiner "Entdeckung", einem Leichtbier, für die Craft Beer Messe Mainz 2019. - Foto: gik
Und der Sieger des Hobbybrauerwettbewerbs 2019 ist: Keith Moore mit seiner „Entdeckung“, einem Leichtbier, für die Craft Beer Messe Mainz 2019. – Foto: gik

Keith Moore hatte Sehnsucht, der gebürtige Brite vermisste etwas aus seiner Heimat – ein Leichtbier einer Brauerei aus London. Seit 2002 lebt Moore im Frankfurter Raum, seine Heimat ist heute Langen, der Informatiker arbeitet am Frankfurter Flughafen., 2012 schenkte ihm seine Frau einen Gutschein für ein Privatbrauer-Seminar – es war der Beginn einer neuen Leidenschaft: Mit seinem Leichtbier „Entdeckung“ gewann Moore jetzt schon zum zweiten Mal den Hobbybrauer-Wettbewerb der Mainzer Craft Beer Messe.

Mehr als 300 verschiedene Biere gibt es am Freitag und Samstag in der Halle 45 zu verkosten, rund 50 Aussteller präsentieren ihre Kreationen. Da gibt es Honigbier von der Loreley, Mate Bier der Marke „Unverhopft“, Feisty Gbier aus Berlin oder Bier aus artgerechter Haltung vom Atelier der Braukünste. Mad Callista heißt das Lager-Bier von Kraftwerk, es gibt Biere aus Hawaii, Belgien und Wiesbaden. Natürlich sind auch die Mainzer Lokalmatadore Kuehn Kunz Rosen und Eulchen Bier dabei.

Der Bierabsatz in Deutschland ist seit Jahren rückläufig, gleichzeitig verbuchen kleine, kreative Brauereien Wachstumsraten bis in den zweistelligen Bereich“, sagt Kreuser – und das aus gutem Grund: Der Trend hin zum individuellen Bier sei ungebrochen, und auch der Bierkonsument lege immer größeren Wert auf Qualität, Regionalität und Individualität. „Der Biertrinker mag’s gern aromatisch“, weiß Kreuser, „das macht die Craft Beer Messe aus, dass man die Vielfalt erleben kann.“

Die 5. Mainzer Craft Beer Messe lädt am Wochenende 22.-23.11.2019 in die Halle 45. - Foto: Ram Regio
Die 5. Mainzer Craft Beer Messe lädt am Wochenende 22.-23.11.2019 in die Halle 45. – Foto: Ram Regio

70 Prozent der präsentierten Biere seien sogar nach dem deutschen Reinheitsgebot entstanden, sagt Kreuser. Der Trend geht wieder ein bisschen weg von allzu kreativen Experimenten mit Gewürzen oder verrückten Zutaten. Auch Moores Leichtbier hält sich ans Reinheitsgebot, ein Zufall, sagt der Brite: Zwei verschiedene Hopfensorten, Simcoe und Amarillo, verband er mit Weizen und karamelligem Malz zu einem Bier, das eine Brücke schlage zwischen einem Lager Bier und dem typisch britischen warmen Real Ale.

Mit ganz normalen Küchenutensilien braute Moore vor Jahren sein erstes Bier, 2016 gewann er den Hobbybrauer-Wettbewerb der Craft Beer Messe schon einmal – mit einem Black India Pale Ale. Ein dunkles, herbes Bier mit viel Hopfen und dunklem Malz, fruchtig und kräftig, war es damals, dieses Mal überzeugte Moore die Jury bei der Blindverkostung mit seiner leichten Kreation, und setzte sich damit gegen 39 Mitbewerber durch.

Probieren, Fachsimpeln, Biete entdecken - auf der Craft Beer Messe in Mainz. - Foto: RAM Regio
Probieren, Fachsimpeln, Biete entdecken – auf der Craft Beer Messe in Mainz. – Foto: RAM Regio

3.500 Flaschen gibt es jetzt von seiner „Entdeckung“, der Geschmack kommt sehr frisch daher, mit ein bisschen Citrus und tatsächlich einem Hauch von Nadelwald. „Es ist ein Bier, von dem man ein bisschen mehr trinken kann“, sagt Moore. Traditionelle Stile wie Pils oder Helles seien in diesem Jahr im Trend, sagt Kreuser, auch würden deutlich alkoholärmere Biere immer beliebter. „Das Schlagwort heißt ‚Drinkability'“, erklärt er, „und führt gerade dazu, dass deutlich mehr Biere auf den Markt kommen, die einen nicht nach 2-3 Gläsern gleich vom Barhocker kippen lassen.“

Eine ganz neue Spezialität gibt es aber auch vom Mainzer Rheinhessenbräu: Die kleine Ebersheimer Privatbrauerei gewann im Sommer mit ihrem „Wet Callista“ die BestBrewChallenge von Palatia Malz. Am 23. April maischten 227 Brauer in aller Welt zeitgleich ihr Wettbewerbsbier ein. Zum 120. Geburtstag der Palatia Malz sollte ein Festbier mit einem festgelegten Anteil des Malzes BEST Caramel Munich II gebraut werden. Auch Rheinhessen-Bräu aus Mainz-Ebersheim machte mit, das „Wet Callista“ wurde live vor Publikum am „Tags des Bieres“ in der Ebersheimer Brauerei angesetzt.

Keith Moore auf der Mainzer Craft Beer Messe 2016 - da hatte er den Hobbybrauer-Wettbewerb mit einem Pale Ale gewonnen. - Foto: gik
Keith Moore auf der Mainzer Craft Beer Messe 2016 – da hatte er den Hobbybrauer-Wettbewerb mit einem Pale Ale gewonnen. – Foto: gik

Nach Gärung, entsprechender Lagerzeit und Abfüllung verkosteten acht professionelle Biersommeliers im Sommer die 103 eingereichten Proben. Das „Wet Callista“ aus Mainz-Ebersheim erreichte 46,1 von 50 möglichen Punkten und gewann damit klar den Wettbewerb. Das „kupferfarbene Festbier mit intensivem Malzaroma“ enthalte Noten von Biskuit und Karmell und bringe zudem eine feine fruchtige Hopfennote mit, lobte die Jury.

Probieren können sich die Besucher am Freitag und Samstag durch alle diese Kreationen, ein eigen kreiertes Probenglas gibt es für 5,- Euro. Bezahlt wird an den Ständen mit Bier-Coins. Neu in diesem Jahr sind Live-Tastings mit Bier-Sommelier Meinhard Wicht und der Brausportgruppe Rhein-Main, ein Hobbybrauermarkt bietet das nötige Equipment für alle Brauereifans. Daziwschen gibt es Mineralwasser umsonst so viel man will, ein Kaffeestand sorgt für die nötige Geschmacksdistanz zwischendurch. An den Esssenständen bieten Pulled Pork, Flammkuchen, Käsespätzle, Burger und Pommes die notwendige Grundlage fürs Tasting.

Rund 200 verschiedenen Biere kann man zudem im Messeshop erwerben – und notfalls am Folgetag mit dem Pkw abholen. „Craft Beer ist immer noch ein Genussthema, kein Saufthema“, betont Kreuser, „die Leute kommen zum Probieren, Fachsimpeln und Spaß am Bier.“

Info& auf Mainz&: Die 5. Mainzer Craft Beer Messe findet am 22. und 23.11.2019 in der Halle 45 in Mainz-Mombach statt, Öffnungszeien: Freitag 15.00–22.00 Uhr und Samstag 14.00-22.00 Uhr. Der Eintritt kostet 12,- Euro pro Messetag und gilt als Fahrkarte im ÖPNV, und zwar in Mainz-Wiesbaden sowie im gesamten RNN-Gebiet. Die Tickets kann man einfach im Internet kaufen und zuhause ausdrucken, Tickets und alle Infos hier im Internet.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Mainzer Rathaus zieht um – 7.250 Kartons und 360 Mitarbeiter wechseln ins Stadthaus an der Großen Bleiche

0

Es ist eine wahre Herkulesarbeit, schließlich passiert es nicht alle Tage, dass ein ganzes Rathaus umzieht – aber genau das geschieht gerade in Mainz: Seit dem vergangenen Wochenende ziehen 360 Mitarbeiter und rund 7.250 Umzugskartons aus dem Arne-Jacobsen-Bau am Rhein aus. An diesem Montag nahm die Stadtverwaltung in dem neuen Bürogebäude an der Großen Bleiche die Arbeit auf, „Stadthaus“ heißt der neue Verwaltungssitz. „Ein Rathaus ist das nicht“, betonte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), dafür fehle der Sitz des Rates. Das alte Rathaus wird nun erst einmal bis zu seiner Sanierung leer stehen, auch gibt es neue Probleme: Die Gitter wackeln erheblich.

Das neue Stadthaus in der Großen Bleiche in Mainz, die ehemalige West LB. - Foto: gik
Das neue Stadthaus in der Großen Bleiche in Mainz, die ehemalige West LB. – Foto: gik

Ende 2018 kaufte die Stadt Mainz das leerstehende Bürogebäude der Westdeutschen Landesbank an der Großen Bleiche für rund 30 Millionen Euro. 7,6 Millionen Euro gebe das Land Rheinland-Pfalz hinzu, sagte Ebling am Samstag, und freute sich: Das neue Bürogebäude sei „in hohem Maße funktional“, Raumzuschnitte und Technik modern und auf Büronutzung zugeschnitten, auch könne man die Fenster mal öffnen. „Das Gebäude ist in einem Topzustand“, schwärmte Ebling.

Vom eigentlichen Mainzer Rathaus kann das nicht gesagt werden: Der Bau des dänischen Architekten Arne Jacobsen aus dem Jahr 1974 ist stark sanierungsbedürftig: Wasser im Keller, Schimmel und Schadstoffe in den Wänden, ein undichtes Dach, die Steine drohen von der Fassade zu fallen – die Mängelliste ist lang. Inzwischen gebe es auch noch ein Problem mit den Gittern an der Rathausfassade, sagte Ebling am Samstag: „Die Gitter wackeln, wir können nicht ausschließen, dass wir sie vorab abmontieren müssen“, sagte der Stadtchef, die Gefahr könne bei starkem Wind zu groß werden, dass die Gitter aus der Verankerung rutschten.

Der Stadtrat beschloss deshalb im Februar 2018 die Sanierung des Arne Jacobsen-Baus, 75 Millionen Euro stellte der Stadtrat dafür bisher bereit – ob das reicht, daran gibt es Zweifel. Die Inhalte des Bauantrags würden derzeit abgestimmt, mit dem Denkmalschutz gebe es noch Redebedarf, sagte Ebling. Er gehe aber davon aus, „dass wir im ersten Quartal 2020 den Bauantrag stellen.“ Bis dahin werde das Rathaus erst einmal leer stehen „ab dem neuen Jahr geben wir das Gebäude auf“, sagte Ebling: „Wir sind darüber froh, das Gebäude ist unendlich teuer im Unterhalt.“ Im ersten Schritt würden alle denkmalgeschützten Elemente im Rathaus, die mit dem Konzept Jacobsens in Verbindung stünden, abmontiert – so etwa auch Lampen und Türzargen. Das Mobiliar werde ebenso eingelagert wie der Ratsaal – zwei Monate werde es brauchen, das alte Rathaus zu Entrümpeln.

Umzug Mainzer Rathaus, neues Büro im neuen Stadthaus. - Foto: gik
Umzug Mainzer Rathaus: Möbel, Stühle und viele Kisten im neuen Stadthaus. – Foto: gik

Einzelne Möbelstücke wie Tische und Stühle schafften aber auch den Sprung in die neue Behausung: Rund 11.000 Quadratmeter Nutzfläche stehen in dem neuen Stadthaus an der Großen Bleiche zur Verfügung, ein Teil der modernen Büromöbel wurde hier auch einfach übernommen. 13 Firmen seien im Einsatz, von der Schreinerei bis zur Technikabteilung, um den Umzug zu stemmen, sagte Michael Ebling: „Die Mitarbeiter haben hier Großes geleistet.“ Im Rathaus wurden in den vergangenen Wochen denn auch kräftig Kisten gepackt, am Freitag startete die große Umzugsmaschinerie. Mit Hilfe zweier Umzugsunternehmen wechselten 7.250 Kartons, dazu zahlreiche Tische, Stühle und Computer die Arbeitsheimat.

Der Umzug erfolgt an zwei Wochenenden, Teil zwei mit Hauptbuchhaltung, Stadtkasse und diversen Stabsstellen und Abteilungen erfolgt am kommenden Wochenende, dem 22. und 23. November. Das neue Haus bietet allerdings auch etwa 2.000 Quadratmeter weniger Platz als das Rathaus, die Ortsverwaltung Altstadt sowie das Revisionsamt und das Amt für Statistik und Wahlen ziehen deshalb in Räume im Fort Malakoff um. Emailadressen und Telefonnummern der Mitarbeiter ändern sich aber nicht, versichert die Stadt. Nicht betroffen vom Umzug ist natürlich das Stadthaus in der Kaiserstraße mit dem Bürgerservice – dort bleibt (vorerst) alles beim Alten.

Arne Jacobsen-Möbel im neuen Stadthaus mit Blick in die Innenstadt. - Foto: gik
Arne Jacobsen-Möbel im neuen Stadthaus mit Blick in die Innenstadt. – Foto: gik

Rund 100.000 Euro hat der Umzug ins neue Gebäude gekostet, weitere 17.000 Euro die Einlagerung der denkmalgeschützten Jacobsen-Möbel. „Wir freuen uns jetzt, alles hat gut geklappt“, sagte Ebling. Doch bei aller Freude über das neue Bürogebäude, „das hier ist kein Rathaus, hier fehlt der Sitz des Rates, das können wir hier nicht abbilden“, betonte Ebling. Der Ratssaal nämlich hat in dem neuen Gebäude keinen Platz, der Stadtrat wird deshalb ab Mittwoch im Interimsplenarsaal des Landes Rheinland-Pfalz tagen – direkt gegenüber, im Landesmuseum auf der anderen Straßenseite.  „Ein zentraler Ort für Sitzungen und politische Diskussionen, das wird dieses Haus nicht bieten können“, betonte Ebling: „Ein Rathaus, der gebaute Bürgerstolz, das ist es eben nicht.“

Info& auf Mainz&: Der Rathausumzug dauert noch bis einschließlich 23. November, wegen Umzugs ist die Ortsverwaltung Altstadt vom 21. bis 26. November 2019 geschlossen. E-Mail-Adressen und Telefonnummern der vom Umzug betroffenen Verwaltungseinheiten ändern sich nicht, auch die Postfach-Adresse (Postfach 3820, 55028 Mainz) bleibt erhalten. Das Stadthaus an der Kaiserstraße mit dem Bürgerservice und den dort ansässigen Ämtern ist vom Umzug nicht betroffen.

 

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Abgeordnete fordern Ultrafeinstaub-Messungen auch für Rheinhessen – Brief an MP Dreyer

0

Der Fluglärm in Mainz und Rheinhessen ist 2018 deutlich gestiegen, das bestätigt nun auch der Monitoringbericht zur Lärmobergrenze des Landes Hessen. Dem Bericht zufolge gab es 2018 im Vergleich zu 2017 genau 7,3 Prozent mehr Flugbewegungen in den verkehrsreichen Monaten Mai bis Oktober. Mehr Fluglärm bedeute aber auch mehr Ultrafeinstaub aus der Luft, betonten nun die Landtagsabgeordneten Nina Klinkel und Johannes Klomann (beide SPD) – und forderten Ultrafeinstaubmessungen auch in Rheinhessen. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium hatte die noch vor wenigen Wochen abgelehnt. Die Mainzer Initiative gegen Fluglärm hat sich deshalb in einem Brief an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gewandt.

Fluglärm-Messstation im hessischen Raunheim. - Foto: gik
Fluglärm-Messstation im hessischen Raunheim. – Foto: gik

Ultrafeinstaub sind mikroskopisch winzige Rußpartikel, die bei Verbrennungsprozessen vor allem in Motoren, in Fabriken und in Kaminen entstehen. Die ultrafeinen Partikel (UFP) gelten als hochgradig gesundheitsgefährdend und das schon in kleinsten Mengen, weil sie über die Lunge sofort in die Blutbahn und in die Gefäße hinein gelangen und dort unmittelbar zu Entzündungen führen können. Erst im August 2019 hatte das Hessische Landesamt für Umwelt offiziell eingeräumt, dass diese ultrafeinen Partikel in erheblichen Mengen unmittelbar von Flugzeugtriebwerken ausgestoßen werden –  die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) hatte daraufhin UFP-Messungen auch für Mainz gefordert.

„Wir müssen wissen, inwieweit die Landeshauptstadt betroffen ist“, sagte Eder im August gegenüber Mainz&: „Ich will als Mainzer Umweltdezernentin wissen: was kommt nach Rheinland-Pfalz?“ Doch die Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) lehnte erneut eigene Ultrafeinstaub-Messungen ab – obwohl die bereits Ende 2017 schon einmal eingeplant waren. Man werde erst den Abschlussbericht der Ufoplan-Studie des Umweltbundesamtes abwarten, dies sei „ein wichtiger Schritt“ zur Klärung noch offener Fragen, sagte Höfken. Auch müssten erst standardisierte Messverfahren zur Erhebung von Ultrafeinstäuben durch die EU-Kommission definiert und europaweit eingeführt werden.

Das 2016 gestartete Projekt Ufoplan sollte methodische Berechnungsverfahren für eine mögliche Ausdehnung von UFP-Partikeln im Umfeld von Flughäfen entwickeln. Auf der Frankfurter Expertenanhörung räumten die Verfasser der Studie allerdings ein, das Modell habe noch erhebliche Unsicherheiten und passe mit den realen Messungen nicht richtig zusammen. Die Ergebnisse von Ufoplan hatten eigentlich bereits Ende 2018 vorliegen sollen, der Abschlussbericht wurde aber immer wieder verschoben.

Experten widersprachen auf einer Ultrafeinstaub-Tagung Ende August in Frankfurt der Darstellung, es gebe noch keine standardisierten Messverfahren für UFP-Messungen: „Wir haben Erfahrung aus zehn Jahren, es gibt etablierte Messtechnik und ein großes Messnetzwerk“, betonte etwa der renommierte Leipziger Messtechnik-Experte Professor Alfred Wiedensohler. Rheinland-Pfalz fehle in dem Netzwerk bislang völlig, sagte Eder am Rande der Tagung Mainz&, solche Erkenntnisse seien aber auch für die Umgebung der Flughäfen von Spangdahlen und Ramstein wichtig.

In der Schweiz habe man bereits seit 2008 valide Messverfahren zu UFP entwickelt, in den vergangenen drei Jahren sogar erste Grenzwerte für Triebwerke, berichtete Theo Rindlisbacher vom Bundesamt für zivile Luftfahrt. Hessen kündigte im August an, die eigenen Messungen zu Ultrafeinstaub rund um den Frankfurter Flughafen ausweiten zu wollen – Rheinland-Pfalz winkte dennoch ab.

Die Ingenieure Wolfgang Schwämmlein (links) und Joachim Alt von der Mainzer Initiative gegen Fluglärm mit ihren Ergebnissen zu Ultrafeinstaub rund um den Frankfurter Flughafen. - Foto: gik
Die Ingenieure Wolfgang Schwämmlein (links) und Joachim Alt von der Mainzer Initiative gegen Fluglärm mit ihren Ergebnissen zu Ultrafeinstaub rund um den Frankfurter Flughafen. – Foto: gik

Nun fordern die Landtagsabgeordneten Klinkel und Klomann erneut eigene UFP-Messungen auch in Mainz und Rheinhessen. „Die Messergebnisse des laufenden Jahres zeigen, dass vor allem der Flughafen Frankfurt für jede Menge Ultrafeinstaub verantwortlich ist“, betonten die Abgeordneten nun. Bundesweit gebe es aber nur 17 Messstationen, fünf davon um den Flughafen der Mainmetropole. „Diese Stationen sind wichtig, sie geben uns wichtige Daten die die Forschung, die in diesem Bereich noch an vielen offenen Fragen arbeitet, so dringend braucht“, sagten Klinkel und Klomann.

„Wir müssen die Forschungslücke schließen – dass das Land Hessen kein Interesse hat bei uns zu messen, liegt auf der Hand“, betonten Klinkel und Klomann: „Also sind wir in der Pflicht!“ Eine entsprechende Anfrage an das rheinland-pfälzische Umweltministerium laufe. So müsse etwa geklärt werden, ob die Ultrafeinstaubwolke, die nach Angaben des hessischen Landesamtes rund um den Flughafen bis zu einer Distanz von acht Kilometern reiche, noch weiter trage. Die Mainzer Fluglärm-Experten Joachim Alt und Wolfgang Schwämmlein hatten schon 2015 UFP-Konzentration von 16.000 Partikeln im Mainzer Stadtgebiet gemessen – das Vierfache der normalen Konzentration. Alt und Schwämmlein warnen seither vor Gefahren durch Ultrafeinstaub aus dem Flugverkehr, ihre bisherigen Befunde wurden gerade durch die Expertenanhörung in Frankfurt umfangreich bestätigt.

Karte des Frankfurter Flughafens mit Messstationen. - Foto: HLNUG
Wie weit dehnt sich Ultrafeinstaub rund um den Frankfurter Flughafen aus – und inwiefern kommt er aus den Flugzeugen? Abgeordnete fordern nun Messungen auch in Rheinhessen. – Foto: HLNUG

Mehr Fluglärm bedeute auch mehr Ultrafeinstaub, sagten Klinkel und Klomann – und die Zunahme des Flugverkehrs habe die Fraport gerade offiziell bestätigt. Die neuesten Daten stammen aus dem Monitoringbericht des Hessische  Verkehrsministeriums zur Lärmobergrenze am Frankfurter Flughafen. Der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hatte die sogenannte Lärmobergrenze vor zwei Jahren, im November 2017 eingeführt – sie erlaubt eine weitere deutliche Steigerung des Lärms. Nun wurde der zweite Monitoringbericht dazu erstellt und auf der Homepage des Hessischen Verkehrsministeriums veröffentlicht.

Demnach ist die Zahl der Flugbewegungen 2018 im Vergleich zu 2017 um 7,3 Prozent gestiegen, und zwar in den verkehrsreichen Monaten Mai bis Oktober. Der Bericht bezieht nächtliche Flugbewegungen nicht mit ein. Mit einem Lärm von 60 Dezibel werden nun schon 7.176 Hektar überzogen, 2017 waren das noch 6.911 Hektar. 55 Dezibel laut ist es inzwischen auf 17.582 Hektar rund um den Flughafen, 2017 waren das noch 16.955 Hektar. Im Monitoringbericht heißt es dazu, beide Flächen blieben damit deutlich unter den Flächen, die für die Lärmobergrenze geschützt werden – dort ist eine maximale Größe von 8.815 Hektar für die 60 Dezibel angegeben, für 55 Dezibel gilt eine Fläche von 22.193 Hektar als Obergrenze. Damit stieg die Größe der verlärmten Flächen um 3,9 beziehungsweise 3,7 Prozent.

Un der Monitoringbericht prognostiziert weiteren Lärmzuwachs: Auf der Grundlage des tatsächlichen Wachstums der Flugbewegungen in den ersten vier Monaten des Jahres 2019, werde die verlärmte Fläche bei 60 Dezibel voraussichtlich in diesem Jahr auf 7.328 Hektar anwachsen, die mit 55 Dezibel Dauerschallpegel verlärmte Fläche dann auch 17.985 Hektar. Die Lärmobergrenze bleibe damit bis zum Jahr 2021 „voraussichtlich eingehalten“, heißt es indem Bericht weiter.

Grafik Lärmobergrenze: Gebiet der Verlärmung mit 55 Dezibel 2017. - Grafik: HLNUG
Grafik Lärmobergrenze: Gebiet der Verlärmung mit 55 Dezibel 2017. – Grafik: HLNUG

Damit bestätige sogar der Flughafen-Betreiber Fraport offiziell, dass der Fluglärm rund um den Frankfurter Flughafen deutlich gestiegen sei, betonten Klinkel und Klomann: „Auch vor Ort haben wir jetzt die messbare Bestätigung, dass es kein subjektive Empfindung ist, sondern ein Fakt!“ Auch die Verbandsgemeinde Nieder-Olm meldete sich dazu zu Wort: „Wenn es sogar nach Fraport-Daten rund um den Flughafen lauter geworden ist, ist auch Rheinhessen nicht verschont geblieben“, betonte der Fluglärmbeauftragte der Gemeinde, Hans-Olaf Hagedorn.

Die Lärmsteigerung werde auch durch die Daten des Deutschen Fluglärmdienstes (DFLD) in Ober-Olm unterstrichen: Nach deren Daten sei der Jahres-Durchschnitts-Dauerschallpegel von 51,1 Dezibel in 2017 auf 52,9 Dezibel in 2018 angestiegen. Die Werte lägen damit „weit über den 2018 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heraus gegebenen Leitlinien für Umgebungslärm“, zu dem auch der Fluglärm gehöre, betonte Hagedorn. Die Leitlinien empfehlen den Fluglärm tagsüber auf einen Durchschnittswert von 45 Dezibel und nachts auf 40 Dezibel zu reduzieren, was darüber liegt wird als gesundheitsschädlich bewertet.

„Der Fluglärm über der Verbandsgemeinde muss durch eine Verringerung der Starts und Landungen reduziert werden“, forderte auch der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nieder-Olm, Ralph Spiegler (SPD): „Kurzstreckenflüge gehören auf die Bahn. Die Anreize für Billigflieger müssen zurück genommen werden.“

Flugspuren und Fluglärm über der Rhein-Main-Region rund um den Frankfurter Flughafen im Jahr 2018, sichtbar gemacht durch den Deutschen Fluglärmdienst. Man sieht: Der Schwerpunkt der besonders lauten Regionen (Rot und Lila) hat sich deutlich verschoben – nach Westen. – Grafik: DFLD, Screenshot: gik
Flugspuren und Fluglärm über der Rhein-Main-Region rund um den Frankfurter Flughafen im Jahr 2018, sichtbar gemacht durch den Deutschen Fluglärmdienst. Man sieht: Der Schwerpunkt der besonders lauten Regionen (Rot und Lila) hat sich deutlich verschoben – nach Westen. – Grafik: DFLD, Screenshot: gik

Unterdessen fordert die Mainzer Initiative gegen Fluglärm – jetzt: Initiative Klima-, Umwelt- und Lärmschutz im Luftverkehr – ein Eingreifen von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) persönlich. Man habe sich mit einem Schreiben an Dreyer gewandt, „d16en Sachverhalt dargelegt und in angemessenem Ton bis Mitte November 2019 um Mitteilung gebeten, ob das Land Rheinland-Pfalz eigene Messungen in Mainz und Rheinhessen durchführen wird“, teilte die Initiative auf ihrer Homepage mit. Dreyer obliege die Gesamtverantwortung für die Gesundheit der Menschen in Rheinhessen, betont die Bürgerinitiative.

Die bisherige Ablehnung Höfkens kritisieren die Fluglärmgegner als „vorgeschobene Begründung“: Höfken wolle „offensichtlich aus parteitaktischen Gründen nicht mit eigenen Messungen die Messungen ihrer hessischen Parteifreunde konterkarieren“, kritisierten sie. In Hessen versuche man, die Messergebnisse herunterzuspielen, „andere, und vor allem eine erhebliche Gesundheitsgefahr nachweisende Messergebnisse aus Rheinhessen würden da nur stören und für Ärger sorgen.“

Info& auf Mainz&: Mehr zum Problem mit Ultrafeinstaub sowie den Bericht des hessischen Umweltamtes findet Ihr hier auf Mainz&. Die Aussagen Eders sowie weitere Informationen zu Ufoplan findet Ihr in diesem Mainz&-Artikel, die Angaben der Mainzer BI gegen Fluglärm auf dieser Internetseite. Die Initiative Klima-, Umwelt- und Lärmschutz im Luftverkehr lädt zudem am 27.11.2019 um 19.00 Uhr zu einer Informationsveranstaltung unter anderem zum Thema „Ultrafeinstaub“ ins Hotel INNDependence, Gleiwitzer Str. 4, in Mainz.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Altstadt-CDU fordert schnelles Konzept für günstiges Anwohner-Parken in Parkhäusern

0

Die CDU Mainz-Altstadt schlägt zur Entlastung der schwierigen Parksituation für Anwohner in der Mainzer Altstadt ein Konzept für vergünstigtes Parken vor: Die städtische Gesellschaft Parken in Mainz GmbH (pmg) solle vergünstigte Abstellmöglichkeiten in den Parkhäusern der Innenstadt anbieten, schlug die CDU nun im Ortsbeirat vor. Wenn Anwohner günstig in Parkhäusern parken könnten, entlaste das die Altstadt vom Parkdruck, Parksuchverkehr und Schadstoffaufkommen könnten gesenkt werden, argumentierte CDU-Verkehrsexperte Thomas Gerster. „Gerade mit Blick auf die kommende Weihnachtsmarkt-Saison wäre es für die Leid geplagten Anwohner hilfreich, wenn Sie schon in diesem Zeitraum einen günstigen Parkplatz in einem pmg-Parkhaus anmieten könnten“, sagte Gerster.

Parkhaus Rathaus und Rheingoldhalle in Mainz. - Foto: gik
Parkhaus Rathaus und Rheingoldhalle in Mainz. – Foto: gik

Der Ortsbeirat Mainz-Altstadt hatte vergangene Woche einen entsprechenden Antrag der CDU einstimmig angenommen, die CDU setzt damit auch eine Idee des von ihr unterstützen parteilosen OB-Kandidaten Nino Haase um. Haase hatte im Wahlkampf vorgeschlagen, Anwohnern in der Innenstadt günstigen Parkraum zur Verfügung zu stellen, um die Straßen vor parkenden Autos zu entlasten. „Wir sind überzeugt, dass sich dieses Konzept durchsetzen kann“, sagte Gerster. Wenn die Anwohner dauerhaft günstige Parkplätze in Parkhäusern mieten könnten und sich so der Parkdruck auf der Straße mindere, könne man künftig tatsächlich darüber nachdenken, Parkplätze für andere Nutzungen, wie zum Beispiel Radwege umzuwidmen.

Gerster forderte nun die Stadtverwaltung auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um eine schnellstmögliche Umsetzung der Idee zu gewährleisten – gerade zur Weihnachtszeit könne das hilfreich sein. Die pmg sei aufgefordert, mit günstigen Angeboten für Anwohner für Entlastung beim Parkdruck in der Altstadt zu sorgen. Durch eine derartige Maßnahme könne auch die Schadstoffbilanz in der Altstadt „um ein Vielfaches gesenkt werden“, betonte Gerster: „Der Parksuchverkehr in der Mainzer Altstadt beträgt etwa 30 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens. Jede Maßnahme, die dazu beiträgt, überflüssigen Verkehr zu verhindern, sollte ergriffen werden.“

Auch eine umfassende Verbesserung des Parkleitsystems in Mainz schlägt die CDU vor: „Offensichtlich hat die derzeitige Variante mit für Fremde unverständlichen Symbolen sowie der Anzeige ‚frei‘ oder ‚besetzt‘ nicht zu einer Attraktivitätssteigerung der Parkhäuser geführt“, sagte Gerster: „Hier sollte schnellstmöglich ein System installiert werden, dass die Besucher schnell unter Angabe der verfügbaren Parkplätze in das richtige Parkhaus leitet.“

Info& auf Mainz&: Wir bemühen uns derzeit noch um Zahlen zur aktuellen Auslastung der Mainzer Parkhäuser, das reichen wir dann nach. Vor vier Jahren änderten die Stadt Mainz und die pmg das Parkkonzept in der Innenstadt grundlegend, alles dazu lest Ihr hier bei Mainz&.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

20. Mainzer Büchermesse am 16. und 17. November 2019 in der Akademie der Wissenschaften

0

Schon zum 20. Mal lädt die Landeshautpstadt Mainz zur Mainzer Büchermesse, der Treff für Autoren, Verlage und Leseratten findet am kommenden Wochenende, dem 16. und 17. November statt. Achtung: Die Büchermesse ist umgezogen, statt dem Mainzer Rathaus findet Ihr die Messe in diesem Jahr in der Akademie der Wissenschaften an der Geschwister-Scholl-Straße Richtung Mainz-Hechtsheim. Hier trifft sich das lokale Verlagswesen, die Buchwissenschaft, die Buchkunst, die Leseförderung und die Medien und zeigen – soe die Pressemitteilung der Stadt Mainz – „eindrücklich, dass die Verbindung von Mainz und Buch auch im 21. Jahrhundert eine einzigartige Vielfalt bietet, die Tradition und Moderne des Mediums Buch immer wieder neu vereint.“

Die seit 1999 stattfindende Büchermesse steht ganz im Zeichen der lokalen Stärken und bietet ein Wochenende lang eine Plattform für alle Aspekte rund um das Thema Buch: Buch- und Zeitschriftenverlage, Buchhandlungen, Bibliotheken, Museen, Stiftungen, Vereine, Künstlerinnen und Künstler, Medien und wissenschaftliche Einrichtungen aus Mainz und Umgebung stellen sich, ihre Tätigkeiten und Produkte vor und laden zum regen Austausch ein. Rund 36 Aussteller sind vertreten.

Am Samstag liest zudem die Mainzer Stadtschreiberin Eva Menasse um 15.00 Uhr in der Akademie der Wissenschaften im Saal der Geistesklasse aus ihren Werken. Weitere Lesungen: Matthias Dietz-Lenssen liest aus seinem neuen Buch über das Leben des Mainzer Erzbischofs Willigs. Die Autorin Sarah Beicht liest aus ihrem Erzählband „Ein Kreis aus Salz“ und Ingo Bartsch erzählt in seinem bitterbösen Altenheim-Roman „Opakalypse“ über urkomische und unhaltsame Zustände im Altersheim.

Info& auf Mainz&: Alles zum Programm, zur Anfahrt und den Details der Mainzer Büchermesse findet Ihr hier bei der Stadt Mainz. Öffnungszeiten: Samstag: 11.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag: 11.00 bis 18.00 Uhr. Eintritt frei!

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Hessen führt 2020 Seniorenticket ein: Ein Ticket, ein Land, ein Euro – Auch Mainzer können Ticket kaufen

0

Nach dem Schülerticket führt das Land Hessen nun zum 1. Januar 2020 auch ein Seniorenticket ein. Damit können Menschen über 65 Jahren ein Flatrate-Ticket für 365 Euro erwerben, mit dem sie in ganz Hessen alle Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen, S-Bahnen sowie alle Regionalzüge werktags ab 9.00 Uhr morgens und an Wochenenden und Feiertagen ganztägig nutzen können. „Auch für alle über 65 gilt jetzt: Ein Ticket, ein Land, 1 Euro am Tag“, sagte Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zum Verkaufsstart am 11. November. Auch Senioren in Mainz können sich freuen: Im Gegensatz zum Schülerticket kann das Seniorenticket nämlich auch erwerben, wer seinen Wohnsitz nicht in Hessen hat.

Das Seniorenticket für ganz Hessen wird zum 1. Januar 2020 eingeführt. - Foto HMWEVW
Das Seniorenticket für ganz Hessen wird zum 1. Januar 2020 eingeführt. – Foto HMWEVW

Das Land Hessen hatte zum 1. August 2017 ein Schülerticket eingeführt, mit dem Schüler und Azubis ein Jahr lang zum Preis von 365 Euro den Öffentlichen Nahverkehr in ganz Hessen nutzen können. 425.000 Schüler nutzten im September 2019 bereits diese Möglichkeit, Nahverkehrsverbände meldeten erhebliche Steigerungsraten von stellenweise bis zu 240 Prozent. Selbst im Rhein-Main-Gebiet verzeichnete der RMV 40 Prozent mehr verkaufte Schülertickets, das Rezept funktioniere sehr gut, schwärmte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat zum Einjährigen. Das Ticket kann aber nur erwerben, wer seinen Wohnsitz in Hessen hat, obwohl man mit dem Schülerticket auch den ÖPNV in Mainz nutzen darf – Mainz& berichtetet im April 2019, wie ein Schüler in Mainz das zu ändern versuchte.

Nun führt das Land Hessen zum 1. Januar 2020 ein 365-Euro-Ticket auch für Senioren über 65 Jahre ein. Und im Gegensatz zum Schülerticket kann das Seniorenticket auch von Menschen erworben werden, die außerhalb Hessens ihren Wohnsitz haben. „Jeder, der über 65 Jahre alt ist, kann und den ÖPNV in Hessen nutzen möchte, kann das kaufen – egal, wo er wohnt“, sagte eine Sprecherin des hessischen Verkehrsministeriums auf Mainz&-Anfrage: „Wir freuen uns über jeden, der viel mit dem ÖPNV fährt und das Auto stehen lässt.“

Hessens Verkehrsminister Al-Wazir hatte Anfang November mitgeteilt, das neue Flatrate-Ticket richte sich an insgesamt 1,3 Millionen Senioren in Hessen. Das Bundesland seit vor zwei Jahren mit dem Schülerticket erfolgreich zum Vorreiter in ganz Deutschland geworden, er sei sich sicher, dass auch das Seniorenticket Hessen ein Verkaufsschlager werde. „Wenn wir die Verkehrswende schaffen wollen, müssen wir den Menschen gute Angebote machen, damit sie vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen“, betonte Al-Wazir. Dazu brauche es ein gutes Angebot an Bussen und Bahnen, aber auch möglichst einfache und niedrigschwellige Fahrkartenangebote. „Mit dem neuen Seniorenticket kommen wir unserer langfristigen Vision eines kostengünstigen Bürgertickets für alle Hessen wieder einen Schritt näher“, betonte der Minister zudem.

S-Bahn auf der Eisenbahnbrücke Nord bei Mainz. - Foto: gik
Mit dem ÖPNV für 365 Euro durch Hessen, das können ab dem 1. Januar 2020 auch Senioren aus Mainz. – Foto: gik

Für das Schülerticket stellt Hessen den Verkehrsverbünden pro Jahr bis zu 20 Millionen Euro bereit, das Seniorenticket dagegen wird vom Land schon nicht mehr bezuschusst. Man rechen damit, dass sich das Ticket selbst refinanziere, sagte die Sprecherin weiter – Hessen gebe ohnehin schon mehr als 750 Millionen Euro pro Jahr an die Verkehrsverbünde. Das Seniorenticket gilt derweil in ganz Hessen, also im Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) ebenso wie im hessischen Teil des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN). Es gilt aber eben auch im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) – und hier kommt Mainz ins Spiel: Mit dem Seniorenticket kann man damit auch Busse und Bahnen in Mainz nutzen.

Das neue Seniorenticket soll denn auch im RMV die bisherigen Fahrkarten für Senioren komplett ersetzen. Für den RMV sei das Seniorenticket „eine logische Fortsetzung“ der bisherigen Seniorenangebote, sagte Ringat: „Die 65-plus-Fahrkarten kommen im RMV extrem gut an“. Allein von 2016 auf 2018 seien die Verkaufszahlen in diesem Segment um 70 Prozent gestiegen. „Ich gehe davon aus, dass das Seniorenticket diese Erfolgsgeschichte fortführt, denn es ist nicht nur günstig, sondern auch einfach in der Nutzung: Wer ein Seniorenticket hat, muss nicht darüber nachdenken, wo die nächste Tarifgrenze ist, weil es im gesamten Bundesland gilt“, betonte Ringat. Und auch für den RMV sei das Seniorenticket „ein Riesenschritt“: Zusammen mit Schülerticket, Studitickets und Jobtickets biete der RMV damit ab 1. Januar der Hälfte aller Einwohner im RMV-Gebiet Zugang zu einem günstigen Flatrate-Angebot.

Info& auf Mainz&: Der RMV baut zudem zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember sein SA-Bahn-Angebot aus, wie genau, könnt Ihr auf der RMV-Internetseite nachlesen. Dort findet Ihr auch die Informationen zum Hessischen Seniorenticket, eine Übersichtskarte über die Gültigkeit in Hessen sowie weitere Infos gibt’s auch hier beim hessischen Verkehrsministerium. Unseren Bericht zum  Hessischen Schülerticket und wie ein Mainzer Schüler für die Einführung eines Schülertickets auch in Rheinland-Pfalz kämpfte – bislang allerdings vergeblich – findet Ihr hier bei Mainz&. Anmerkung&: Ausgelöst wurde unser Artikel durch einen Hinweis des Ex-Ortsvorstehers von Mainz-Ebersheim, Matthias Gill (Grüne) – vielen Dank dafür! Beim RMV wurde nämlich zunächst nicht klar, ob das Seniorenticket nur für Menschen mit Wohnsitz in Hessen gilt, oder eben auch für Senioren außerhalb Hessens – selbst das hessische Verkehrsministerium musste da erst mal nachforschen.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

Es ist Erkanbald – Abschlussbericht zum Sarkophag in der Johanniskirche bestätigt Identität als Erzbischof

0

Im Juni öffneten Wissenschaftler einen 1.000 Jahre alten Sarkophag in der Mainzer Johanniskirche, die Vermutung schon damals: Die prominente Grablege könnte dem verschollenen Mainzer Erzbischof Erkanbald gehören. Jetzt steht fest: Er ist es wirklich. In dem Sandstein-Sarkophag im Mittelschiff von St. Johannis liegt tatsächlich Erkanbald, Erzbischof von Mainz in den Jahren 1011 bis 1021, Nachfolger des legendären Willigis. Der Bischof war gekleidet in Seidengewänder, er trug Ziegenleder-Sandalen und Beinlinge aus Wolle. Seine Identität gab jedoch ein ganz unverkennbarer Stück Preis: ein Pallium, eine Art Gürtel aus Wolle, verliehen vom Papst persönlich, und untrügliches Zeichen dafür – hier liegt ein Erzbischof begraben.

Pressekonferenz zur Vorstellung des Abschlussberichts der Erforschung des Sarkophags von Erkanbald im Alten Dom zu Mainz. - Foto: gik
Pressekonferenz zur Vorstellung des Abschlussberichts der Erforschung des Sarkophags von Erkanbald im Alten Dom zu Mainz. – Foto: gik

„Wir haben freudige, überraschende Nachrichten: Er ist es“, sagte Dekan Andreas Klodt am Donnerstag in der Johanniskirche in Mainz. Seit der spektakulären Sarkophagöffnung im Juni hatten die Forscher die Lösung des Rätsels offen gelassen: Wer liegt in dem 1000 Jahre alten Steinsarkophag in der Johanniskirche? Dabei war schon damals klar: In dem prominent im Mittelschiff vor dem früheren Altar begrabenen Sarkophag konnte nur eine hochstehende Persönlichkeit liegen. Schnell lag die Vermutung nahe: Es muss Erkanbald sein, jener Erzbischof, der Nachfolger des legendären Domerbauers Willigis war, ein Erzbischof, über den man eher wenig weiß – und dessen Grab bislang noch fehlte.

Ende 2018 hatten die Archäologen den steinernen Sarkophag aus dem 11. Jahrhundert bei Ausgrabungsarbeiten in der Johanniskirche frei gelegt, am 4. Juni dann wurde der steinerne Sarkophag zum ersten Mal seit 1000 Jahren wieder geöffnet. Die Spannung war enorm, die ersten Ausblicke jedoch ernüchternd: Eine braune Masse zeigte sich dem Auge, für Laien waren kaum Details zu erkennen. Das Skelett des Verstorbenen war beinahe völlig zerfallen, Reste der Kleidung bis zur Unkenntlichkeit verschmolzen. Und doch machten Experten auf den ersten Bildern erste Details aus, die auf die Identität hinwiesen: lederne Schuhe, goldverzierte Borten – und Ansätze eines Palliums, jenes Gürtels, der das Würdezeichen eines Erzbischofs ist.

„Wir haben hier wirklich das Grab von Erkanbald geöffnet“

Heute, fast sechs Monate danach, bestätigen die Untersuchungen der Überreste, was damals nur Vermutung war: „Alles lässt den Schluss zu: Wir haben hier wirklich das Grab von Erkanbald geöffnet, wir haben wirklich die sterblichen Reste Erkanbalds vor uns“, sagte Grabungsleiter Guido Faccani am Donnerstag. Das Problem der Forscher: Im Grab des Toten fand sich nichts, was den Erzbischof eindeutig identifiziert hätte. Kein Becher, kein Bischofsring, kein Plättchen mit seinem Namen darauf wie sonst durchaus üblich – Erkanbald bekam keine wertvollen Gegenstände mit in sein Grab. „Wir sind mitten in einem Indizienprozess“, sagte Faccani deshalb, „eigentlich können wir die Person bis heute nicht eindeutig identifizieren.“

Der Sarkophag von Erzbischof Erkanbald kurz nach seiner Öffnung im Juni 2019. - Foto: gik
Der Sarkophag von Erzbischof Erkanbald kurz nach seiner Öffnung im Juni 2019. – Foto: gik

Dennoch reichen die Funde aus, um die Person eindeutig zuzuordnen: In dem Grab liege ein Mann von 40 bis 60 Jahren, etwa 1,82 Meter groß und 70 Kilo schwer, sagte die Anthropologin Carola Berszin. Damit war Erkanbald ausgesprochen groß für seine Zeit, ein Riese fast schon, in jedem Fall eine imposante Erscheinung.

Das Skelett weise degenerative Veränderungen und Wohlstandskrankheiten auf, sagte Berszin, so zeigten etwa die Fußskelette Anzeichen von Fußgicht, auch litt er wohl an Morbus Bechterew, einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Ansonsten aber herrscht noch immer viel Ungewissheit über Gesundheitszustand und Todesursache des Erzbischofs: „Die Überraschung war groß, dass dieses Skelett. nicht so gut erhalten war“, sagte Berszin.

Kostbare Kleidung, Priestergewand aus Seide, Goldborte

Erkanbalds Leiche war mit Ätzkalk überschüttet worden, im Mittelalter geschah das, um eine schnellere Verwesung zu erreichen – oder um Leichengestank zu übertönen. Damit könnte der Erzbischof auch an einer ansteckenden Krankheit gestorben sein, Kalk war ein übliches Mittel, um die Lebenden vor giftigen Dämpfen aus dem Grab zu schützen, wie man damals glaubte. Ob Erkanbald an so etwas starb, „das wüsste ich auch gerne“, sagte Berszin – eine DNA-Analyse mit Material aus Erkanbalds Ohrknöchelchen, dem Felsenbein, laufe derzeit noch in Bozen. Die Hoffnung der Expertin ist, dass diese Analyse nähere Auskunft geben könnte.

Der Inhalt des Sarkophags des mittelalterlichen Erzbischofs Erkanbald war auf den ersten Blick schwer zu deuten. - Foto: gik
Der Inhalt des Sarkophags des mittelalterlichen Erzbischofs Erkanbald war auf den ersten Blick schwer zu deuten. – Foto: gik

Fest steht indes: Der Tote trug kostbare Kleidung. Eine Dalmatik, ein Untergewand aus Seide, langärmelig und mit Tiermotiven verziert, konnte die Textil-Restauratorin Anja Bayer identifizieren. „Es war ein hochwertiger, feiner Stoff, an der Seite geschlitzt“, berichtete Faccani, auch diese Tunicella sei ein Zeichen dafür, dass hier ein Bischof begraben liege. Darüber war der Tote mit einer Kasel bekleidet, einem Priestergewand aus blau eingefärbter Seide. Eine ganz ähnliche Glockenkasel – nur in Goldfarbe – ist von Erkanbalds Vorgänger Willigis erhalten und im Mainzer Dommuseum zu sehen, eine Art glockenförmiger Mantel – Erkanbald wurde mit seiner in Blau bestattet.

Am oberen Rand dieser Kasel befand sich eine Goldborte – der Fund dieses Schmuckbandes war zunächst eine Überraschung in dem frisch geöffneten Grab. Die Borte schien auf eine Bischofsmitra hinzuweisen, tatsächlich aber gehörte sie zur Kasel und war im Fall von Erkanbald mit Holz verstärkt. „Der Holzstab diente dazu, den Nacken versteift hochzustellen“, erklärte Faccani den Fund. Erkanbald sei diese Goldborte „offenbar wie eine Kapuze über den Kopf hochgezogen worden“, deshalb die ungewöhnliche Lage im Grab.

Verzierte Schuhe, ein Pallium und viele Rätsel: Wer war Erkanbald?

An den Beinen trug der Tote Beinlinge aus Wolle, eine Art Stoffbänder, die um die Waden gewickelt wurden und im Fall Erkanbalds schön gemustert waren. An den Füßen trug der Bischof sandalenartige, verzierte Schuhe aus edlem Ziegenleder, „das sind ganz klar Pontifikalschuhe, die ein Bischof nur zu besonderen Gelegenheiten anzog“, sagte Faccani. Der „Knaller“ bei der Kleidung sei aber ein dünner, gürtelartiger Gegenstand gewesen: „Das Pallium ist das Ehrenzeichen eines Erzbischofs, das er direkt vom Papst bekommen hat“, erklärte Faccani – in diesem Grab ein dünnes Wollband mit eingestickten Kreuzen darauf, das auf dem Toten liege. Dieses Palladium machte den Forschern klar: „Wir stehen einem Erzbischof gegenüber.“

Der wieder verschlossene Sarkophag Erkanbalds in der Johanniskirche heute. - Foto: gik
Der wieder verschlossene Sarkophag Erkanbalds in der Johanniskirche heute. – Foto: gik

Mit Hilfe der C14-Methode konnten Forscher um den Kölner Kernphysiker Alfred Dewald die Kleidungsstücke und Schuhe auf die Zeit zwischen 980 bis 1020 datieren, also genau in die Lebensspanne von Erkanbald. Über den Erzbischof selbst ist nur wenig bekannt: Sein Geburtsdatum ist ungewiss, er soll einer Grafenfamilie aus dem Raum Hildesheim-Braunschweig entstammen.

Klar ist: Erkanbald wurde 997 im Alter von etwa 30 Jahren zum Abt des Klosters Fulda gewählt, einem der wichtigsten Klöster und Machtzentren der damaligen Zeit. Erkanbald sei ein Anhänger Kaiser Heinrichs II. gewesen und habe an dessen Krönung zum König im Jahr 1002 in Mainz teilgenommen, berichtete Faccani – in eben jenem Dom zu Mainz, in dem er heute begraben liegt.

 

„Mainz ist jetzt die Stadt der zwei Dome“: Es ist der Alte Dom

Mit der Identifizierung des Sarkophags als Grab von Erkanbald müsse nämlich auch ein Stück Mainzer Stadtgeschichte ein Stück weit neu geschrieben werden, sagte der Mainzer Dekan Klodt: „Mainz am Rhein ist jetzt die Stadt der zwei Dome.“ Mit Erkanbalds Grab stehe nämlich auch fest, dass die heutige evangelische Johanniskirche tatsächlich der Alte Dom von Mainz sei, die Vorgängerkirche des Willigis-Doms. In der Regel bleibe aber der Alte Dom nicht stehen, wenn ein neuer gebaut werde, betonte Klodt: „Zwei Dome einen Steinwurf voneinander entfernt, das soll den Mainzern erst einmal einer nachmachen.“

Die Johanniskirche in früheren Zeiten. - Foto: gik
Die Johanniskirche in früheren Zeiten. – Foto: gik

Der Alte Dom blieb vermutlich auch deswegen als wichtige Stiftskirche erhalten, weil der Willigis-Dom am Vorabend seiner Weihe im Jahr 1009 erst einmal abbrannte und zu Lebzeiten Erkanbalds eine Bauruine war und blieb. Erst Erkanbalds Nach-Nachfolger Erzbischof Bardo vollendete den Dom St. Martin, der 1036 geweiht wurde.

Erkanbalds Nachfolger wurden denn auch im neuen Dom bestattet, ein Vorgänger Willigis hingegen in der Kirche St. Stephan oberhalb der Mainzer Altstadt. Erkanbald sei der erste gewesen, der sich „mitten in der Stadt in seiner Amtskirche bestatten ließ“, sagte Faccani nun – Erkanbald habe damit eine neue Tradition bischöflicher Bestattungen begründet.

Gebrauchter Sarkophag, Bestattung verkehrt herum

Bei allen Ergebnissen gibt der Tote aber noch immer Rätsel auf: Ungelöst ist weiter, warum Erkanbald in einem gebrauchten Sarkophag bestattet wurde, der auch noch verkehrt herum eingebaut wurde – als man den Fehler entdeckte, wurde der Sarkophag eilig von Innen neu behauen, seitlich der Füße „Eckpolster“ abgeschlagen, auf denen eigentlich der Kopf des Verstorbenen hätte liegen sollen. Kurz gesagt: Erkanbald ruht verkehrt herum in seinem Sarg, warum man sich nicht die Zeit nahm, den Fehler zu korrigieren, ist bislang ein Rätsel. Ein Expertensymposium im Juni 2020 soll deshalb weitere Ergebnisse diskutieren, im Januar 2020 werden zudem die Ergebnisse der DNA-Proben erwartet.

Die Mainzer Johanniskirche und der Dom St. Martin liegen unmittelbar nebeneinander - beides sind Bischofsdome. - Foto: gik
Die Mainzer Johanniskirche und der Dom St. Martin liegen unmittelbar nebeneinander – beides sind Bischofsdome. – Foto: gik

„Es bleibt spannend, es gibt noch weiter Neues“, sagte Klodt denn auch. Erkanbald indes ruht weiter in seinem wieder verschlossenen Sarkophag, und das werde auch so bleiben, betonte Klodt: „Er wird demnächst hier 1000 Jahre ruhen, und wenn es nach mir geht, wird er auch weitere 1000 Jahre in Frieden hier ruhen.“

Der Sarg werde an Ort und Stelle bleiben, und wahrscheinlich in Zukunft für die Nachwelt sichtbar bleiben. „Natürlich werden wir ihn zeigen müssen“, sagte Klodt gegenüber Mainz&: „Das ist ein Ort, der Geschichte atmet, und wir haben nun noch einmal eine ganz andere Verantwortung, diesen Ort hier zu einem Ort der Öffentlichkeit zu machen.“

Info& auf Mainz&: Mainz& war bei der Öffnung des Sarkophags am 4. Juni live dabei, unseren Bericht von dem Tag findet Ihr hier, einen zweiten Bericht über die ersten Forschungsergebnisse des Erkanbald-Grabes findet Ihr hier.

 

- Werbung -
Werben auf Mainz&

„E-Zigaretten sind eine Einstiegsdroge“ – Mainzer Studie um Kardiologe Münzel warnt vor Dampfern

0

E-Zigaretten galten seit ihrer Einführung vor rund zehn Jahren als kluge Alternative zur Entwöhnung des Zigarettenrauchens, nun warnt der Mainzer Kardiologe Thomas Münzel: „E-Zigaretten sind eine Einstiegsdroge, es gibt keinen Evidenzbeleg dafür, dass E-Zigaretten weniger schädlich sind oder beim Aufhören von Rauchen helfen.“ Im Gegenteil: Die Daten legten nahe, dass E-Zigaretten sogar abhängiger machten als Zigaretten, und dass E-Zigaretten Gefäße schädigen, oxidativen Stress auslösen und langfristig Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen können. Münzel legte am Mittwoch zwei Studien vor, die in Zusammenarbeit mit der renommierten amerikanische Harvard University entstanden und vor drei und zwei Jahren gestartet wurden.

Raucher dampft mit E-Zigarette. - Peter Pulkowski Unimedizin Mainz
Der Rauch aus E-Zigaretten ist beileibe nicht so unschädlich wie bisher propagiert. – Peter Pulkowski Unimedizin Mainz

In den Studien erforschte ein Team unter der Leitung Münzels die Auswirkungen der elektronischen Nikotinverdampfer auf menschliche Gefäße. E-Zigaretten gibt es seit etwa zehn Jahren, bei den sogenannten Vaporizern werden Stoffe wie Nikotin zum Verdampfen gebracht, der Verbrennungsprozess entfällt. In den vergangenen Jahren wurden E-Zigaretten deshalb als weniger schädlich angepriesen als das reguläre Zigarettenrauchen, Ärzte empfahlen das Dampfen sogar als Entwöhnungsstrategie gegen das Rauchen.

Der Mainzer Kardiologe Münzel widerspricht nun vehement: Studien zeigten, dass gerade Jugendliche vermehrt zu E-Zigaretten griffen, wer aber vorher gedampft habe, werde dreimal häufiger zum Raucher als Nicht-Dampfer. Eine jüngste Studie habe sogar gezeigt, dass E-Zigaretten sogar abhängiger machten als Zigaretten, das belegten auch eigene Untersuchungen, sagte Münzel. Grund sei der konzentrierte Nikotingehalt in den E-Zigaretten. „Der Suchtgehalt des Nikotin ist so hoch, sie kommen kaum davon los“, sagte Münzel.

Eine Studie habe klar gezeigt: „Nach einem Jahr dampfen noch 80 Prozent derjenigen, die sich mit den E-Zigaretten das Rauchen abgewöhnen wollten“, sagte Münzel, „aber nur neun Prozent klebten an Nikotinpflastern.“ Die Daten legten gar nahe, dass Raucher, die auf E-Zigaretten umstiegen, langfristig abhängig blieben.

Erforschten das Dampfen mit E-Zigaretten: Der Mainzer Kardiologe, Professor, Thomas Münzel, und der Leiter der molekularen Kardiologie in Mainz, Professor Andreas Daiber. - Foto: gik
Erforschten das Dampfen mit E-Zigaretten: Der Mainzer Kardiologe, Professor, Thomas Münzel, und der Leiter der molekularen Kardiologie in Mainz, Professor Andreas Daiber. – Foto: gik

Das sogenannte Dampfen liegt voll im Trend: 3,7 Millionen Menschen nutzten 2017 in Deutschland E-Zigaretten, das waren bereits zwölfmal so viele wie 2010. Bei einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben 2018 insgesamt 4,2 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, in den vergangenen 30 Tagen E-Zigaretten geraucht zu haben, bei jungen Erwachsenen waren es 6,6 Prozent. 2012 waren es noch 2,6 Prozent der Jugendlichen beziehungsweise 3,9 Prozent der jungen Erwachsenen gewesen.

Doch der Mythos von der unschädlichen E-Zigarette ist offenbar nicht mehr zu halten: Zwar stecke erst einmal in E-Zigaretten weniger Gift, der E-Zigarettendampf an sich ist nicht so schädlich wie der Rauch von Zigaretten. So entstehen in Verbrennungsmechanismus beim Zigarettenrauch etwa acht bis zehnfach höhere Giftkonzentrationen als im E-Dampf. Doch die neuesten Studien in Mainz zeigten: „Im Dampf ist weniger Gift, aber  dafür wird er besser resorbiert“, sagte Professor Andreas Daiber, Leiter der molekularen Kardiologie des Mainzer Zentrums für Kardiologie: „Das gleicht sich wahrscheinlich aus.“

Und so warnte Münzel nun: Auch E-Zigaretten seien durchaus gesundheitsgefährdend: „Unsere Daten deuten darauf hin, dass E-Zigaretten keine gesunde Alternative sind.“ Der Kardiologe stellte am Mittwoch zwei Studien vor, die in Mainz in den vergangenen drei Jahren erstellt wurden und nun im renommierten European Heart Journal erschienen. Untersucht wurden dabei nur die regulärem Inhaltsstoffe von E-Zigaretten, also Propylengykoll und Glyzerin mit und ohne Nikotin, nicht aber die aromatischen Zusätze, die derzeit in den USA so stark in der Kritik sind: Als Auslöser für die dortigen Todesfälle sei klar das Vitamin E-Acetat identifiziert worden, sagte Münzel.

Nach Dampf von E-Zigaretten: Zelltod im Reagenzglas. Mainzer Studie. - Foto: gik
Nach Dampf von E-Zigaretten: Zelltod im Reagenzglas. Mainzer Studie. – Foto: gik

Bei den Mainzer Studien wurden nur die regulären Inhaltsstoffe der Dampfer untersucht, in Zusammenarbeit mit dem Mainzer Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie sowie der Bostoner Harvard Universität. Bei der 2016 gestarteten Studie wurde bei 20 gesunden Rauchern die Wirkung von E-Zigarettendämpfen auf die Durchblutung der Brachialarterie im Oberarm untersucht, und zwar kurz bevor sie eine E-Zigarette dampften und 15 Minuten danach. Ein entscheidendes Ergebnis: Schon der Konsum einer E-Zigarette war ausreichend, damit sich die Herzfrequenz erhöhte und die Arterien versteiften.

„Bei den Rauchern war die Endothelfunktion eingeschränkt – ein wichtiger Befund, der sich auf die Funktionalität der Blutgefäße auswirkt“, erklärte Münzel. Das Endothel kleidet die Arterien von innen aus, es ermöglicht, dass sich die Blutgefäße im gesunden Maß erweitern und verengen. Zudem schützt es durch die Auskleidung das Gewebe vor toxischen Substanzen, es reguliert Entzündungs- und Blutgerinnungsprozesse und verhindert den Prozess der Gefäßverkalkung – auch bekannt als Arteriosklerose (korrekt eigentlich: Atherosklerose). Ist das System gestört und liegt eine Endothel-Dysfunktion vor, kann sich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickeln, betonte Münzel.

Bei einer zweiten, 2017 gestarteten Studie wurden 150 Mäuse sechsmal täglich 20 Minuten lang E-Zigarettendampf ausgesetzt, auch hier stellten die Forscher in Münzels Team fest: die Dämpfe lösten Schädigungen von Blutgefäßen sowie Schäden in Lunge und Gehirn aus. „Ein Kurzzeitgebrauch von E-Zigaretten kann den oxidativen Stress in Gefäßen, Lunge und Gehirn erhöhen“, betonte Münzel. Das könne langfristig zu Gefäßverkalkung, Herzinfarkt, und Schlaganfällen führen. „Wenn die Gefäße steifer werden, geht automatisch der Blutdruck nach“, erklärte Münzel die Wirkungen: „Wir glauben aufgrund unserer Untersuchung, dass es erhebliche Gesundheitsprobleme gibt.“ Weitere Langzeitstudien seien nun dringend erforderlich.

Münzel verwies auch darauf, dass weltweit inzwischen 20 Länder E-Zigaretten verboten haben, er selbst forderte indes kein Verbot der Dampfer: „Man kann nicht so weit gehen zu sagen, man muss die E-Zigarette verbieten“, sagte der Kardiologe: „Was für mich aber ein Skandal ist: dass Deutschland noch immer das einzige Land in Europa ist, wo man noch Zigarettenwerbung machen darf – das muss man wirklich überdenken.“

Info& auf Mainz&: Die gesamte Studie „Short-term e-cigarette vapour exposure causes vascular oxidative stress and dysfunction: evidence for a close connection to brain damage and a key role of the phagocytic NADPH oxidase (NOX-2)“ kann man im European Health Journal nachlesen, und zwar genau hier.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

„Seit 2011 haben wir die Fluglärmhölle“ – Zur 300. Montagsdemo kommen 1500 Fluglärmgegner – Aktion „Deutschland fliegt nicht“ gestartet

0

Acht Jahre, 300 Montagsdemos, ungezählte Aktionen – der Protest gegen Fluglärm und den ungebremsten Ausbau des Frankfurter Flughafens ist längst zu einem Phänomen geworden. Der Bau der Nordwestlandebahn am Frankfurter Flughafen 2011 löste eine bislang beispiellose Protestbewegung in der Bundesrepublik aus: Aus der ganzen Region treffen sich seither jeden Montag Protestierende im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Die Gesichter sind älter geworden, die Plakate professioneller – doch die Themen sind nicht weniger, sondern mehr geworden: Neben dem Lärm aus der Luft geht es längst auch um Gesundheit und Klima. Am Montag startete von hier die Aktion „Deutschland fliegt nicht“, die Wellen bis zum Times Square in New York schlagen wird. Unsere Reportage von der 300. Montagsdemo.

300. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen gegen Fluglärm und den Ausbau des Flughafens. - Foto: gik
300. Montagsdemo, und die sind immer noch da: Seit acht Jahren protestieren Anwohner am Frankfurter Flughafen gegen Fluglärm und den Ausbau des Flughafens. – Foto: gik

Sie sind laut, sie sind wütend, und sie sind immer noch hier: Rund 1.500 Fluglärmgegner stehen im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens, sie schwingen Rasseln und Trommeln, sie lassen Trillerpfeifen gellen, und sie schwenken Schilder. Seit 2011 stehen sie praktisch jeden Montag hier, es ist die 300. Montagsdemo gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens. „Dass wir nach acht Jahren noch hier stehen, hätten wir nicht erwartet“, sagt Thomas Scheffler, Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen, „aber wir müssen hier sein – damit das Bewusstsein über die Schädlichkeit des Flugverkehrs im Bewusstsein bleibt.“

Es war der 14. November 2011, als erstmals Hunderte empörter Anwohner aus der Region zum Protest an den Frankfurter Flughafen kamen, Auslöser damals: Der Bau der neuen Nordwestlandebahn. „Heute vor genau 2.368 Tagen haben wir begonnen, keiner hat geglaubt, wir würden so lange durchhalten“, ruft Wolfgang Heubner vom Bündnis der Bürgerinitiativen den Demonstranten im Terminal zu: „Fraport hat schon lange gehofft, dass wir in der Versenkung verschwinden, den Gefallen tun wir ihnen nicht.“

Der Offenbacher Joachim Stenger mit seinem Plakat zur 300. Montagsdemo. - Foto: gik
Der Offenbacher Joachim Stenger mit seinem Plakat zur 300. Montagsdemo. – Foto: gik

Joachim Stenger kommt aus Offenbach, der Pensionär hält ein Schild hoch, auf dem groß und rot die 300 prangt, unübersehbares Zeichen für acht Jahre Protest. Er sei Lehrer an einem Offenbacher Gymnasium gewesen, „direkt unter der Einflugschneise“, sagt er, da sei es „richtig laut“ gewesen. Wollte er ein Wort verstehen von seinem eigenen Unterricht, gab es auch bei größter Hitze nur eins: „Die Fenster mussten zu bleiben, da ging nix“, sagt Stenger, und schimpft: „Die 30 Millionen Umsteiger hier am Flughafen, die brauchen wir doch gar nicht.“

Von Anfang an wandten sich die Demonstranten nie gegen den Flughafen selbst, doch mit seinem immer weiter ungebremsten Wachstum, damit wollten sie sich nicht einfach abfinden. 50, 60, ja bis zu 70 Dezibel Lärm über den Köpfen, und das in Gegenden, wo Fluglärm früher ein Fremdwort war.  Hannelore Feicht kommt aus dem rheinhessischen Ober-Olm, 29 Kilometer Luftlinie ist sie vom Frankfurter Flughafen entfernt. „Seit 2011 haben wir die Fluglärmhölle“, sagt Feicht, „bei Ostwind ist draußen alles Tabu, ich gehe nicht mehr in den Garten, ich frühstücke draußen nicht mehr.“

Hannelore Feicht aus Ober-Olm mit ihrem Protest-Flugzeug. - Foto: gik
Hannelore Feicht aus Ober-Olm mit ihrem Protest-Flugzeug. – Foto: gik

Vier Flugrouten führten seit dem Bau der Nordwestlandebahn über ihre Köpfe, erzählt sie, zwei bei Ostwind, bei Westwind die Südumfliegung und die Nachtroute. „Es ist so laut, dass man morgens aus dem Schlaf gerissen wird, man zittert am ganzen Körper, man, kennt sich selbst nicht mehr“, erzählt sie: „Nacht dem Grundgesetz steht uns Ruhe zu, uns wird ständig Unrecht angetan.“ Über ihrem Kopf schwebt ein Pappmaché-Flugzeug mit dem Schild darunter: „Ich bin das klimaschädlichste Verkehrsmittel“. „Meine Enkel haben das für mich gebastelt“ erzählt Feicht stolz, auch die 73-Jährige gehört zu den Urgesteinen der Protestbewegung.

„300.000 Menschen in der Region leben unter einem Lärmteppich“, sagt auch Thomas Will (SPD), Landrat des Kreises Groß-Gerau, „die Region wird unbewohnbar, und dagegen müssen wir uns wehren.“ Will ist einer jener Politiker, die sich dem Kampf gegen den Lärm von oben verschrieben, als sie merkten: Der Fluglärm schränkt Gemeinden in ihrer Planungshoheit ein, er vertreibt Unternehmen und er treibt die Menschen in den Wahnsinn. Also kämpfen sie weiter für ein echtes Nachtflugverbot zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr morgens, für weniger Flüge und für weniger Schadstoffe in der Luft über ihren Köpfen.

Mainzerinnen gegen Fluglärm bei der 300. Montagsdemo. - Foto: gik
Mainzerinnen gegen Fluglärm bei der 300. Montagsdemo. – Foto: gik

„Wir haben viele Themen platziert“, sagt Jochen Schraut von der Mainzer BI gegen Fluglärm, „wären wir nicht hier, der Ausbau wäre längst maßlos vorangetrieben worden.“ Der mühsame Kampf, die lange Dauer, das mache auch mürbe, sagt der Familienvater, der zu den Gründern der Mainzer BI gehörte: „Ich wusste ja nicht, dass es acht Jahre werden, ich hätte schon gedacht, dass es schneller geht.“

„Diese 300. Montagsdemo ist ein Armutszeugnis für die Politik, die Fraport und die Luftfahrt“, schimpft auch Heubner, denn längst gehe es doch nicht mehr darum, Menschen und Länder miteinander zu verbinden. Längst stünden rein wirtschaftliche Interessen des Flughafenbetreibers Fraport im Vordergrund, sagt Heubner, und verweist auf die neue Billigfliegerstrategie: „Fraport hat die Prognosen nicht erreicht, deshalb hat man 21.000 überflüssige Flugbewegungen von Billigfliegern nach Frankfurt gelotst“, kritisiert er.

Der Protest habe sich verändert in den acht Jahren, sagt auch Thomas Scheffler, Sprecher des BI-Bündnisses: „Vor acht Jahren waren wir die Fluglärmgegner“, sagt Scheffler, „jetzt geht es auch um Gesundheit und Ultrafeinstaub, und um die gravierenden Auswirkungen auf das Klima.“ Längst hat sich der Kampf ausgedehnt auf die Folgen von Fluglärm und Luftverkehr, so änderte die Mainzer Initiative gegen Fluglärm im Juni ihren Namen in „Initiative Klima-, Umwelt- und Lärmschutz im Luftverkehr“. Das Thema Fliegen werde ja immer brisanter, sagt Vorsitzender Schraut: Ultrafeinstaub, die hohen Emissionen bei Starts und Landungen, diese Themen würden immer wichtiger. „Wir werden so lange weiter machen, wie das Thema brisant ist“, verspricht er.

Start der Aktion "Deutschland fliegt nicht" auf der 300. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. - Foto: gik
Start der Aktion „Deutschland fliegt nicht“ auf der 300. Montagsdemo am Frankfurter Flughafen. Auch Kabarettist Lars Reichow nahm mit Platz. – Foto: gik

Die neueste Kampagne legt deshalb nun auch den Fokus auf die Vermeidung von Kurzstreckenflügen: Seit Montag rufen die vereinten Bürgerinitiativen nun dazu auf, unnötige Flüge zu vermeiden. Im Februar 2020 soll gar ganz Deutschland am Boden bleiben und das Fliegen für eine Woche einstellen. Der Aufruf, für sieben Tage Flugabstinenz zu üben, geht auch an Unternehmen, Verbände, Institutionen und die Politik. „Wir wollen mit dem Motto zum Nachdenken anregen, freiwillig aufs Fliegen zu verzichten“, sagt Initiator Rolf Fritsch von der BI Gegenwind 2011.

Ein überdimensionales Nixtun-Sofa haben die Initiatoren bauen lassen, weil man von einem Sofa aus eben am besten nichts tue, sagt Fritsch: „Wir wollen vom Sofa aus die Welt verbessern.“ Das Fliegen sei nun einmal die umweltschädlichste aller Formen der Fortbewegung, deshalb helfe in diesem Fall Nichtstun am besten. In dem viele Menschen mitmachten und nicht flögen, könne effektiv mehr erreicht werden, als auf Verbote, Verordnungen und Gesetze zu warten. „Nachhaltig fliegen, heißt nicht fliegen“, betonte auch der Ko-Initiator, der Philosoph und Autor Hans-Peter Huppert schon im Vorfeld: Schon seit Konfuzius sei „Gemeinsam-Nix-Tun ein starkes, überparteiliches und erprobtes Instrument.“

D

Erfanden das Nixtun-Sofa: Hans-Peter Huppert und Rolf Fritsch (rechts) von der BI Gegenwind 2011, gemeinsame Initiatoren der Aktion "Deutschland fliegt nicht". - Foto: gik
Erfanden das Nixtun-Sofa: Hans-Peter Huppert und Rolf Fritsch (rechts) von der BI Gegenwind 2011, gemeinsame Initiatoren der Aktion „Deutschland fliegt nicht“. – Foto: gik

as Sofa allerdings wird nun dreieinhalb Monate auf Tour gehen durch Deutschland, fest gebuchte Stationen sind bereits in zwei Wochen ein Stopp an der Mainzer Uniklinik, die zu einer der am meisten unter Fluglärm leidenden Orte in Mainz gehört, sowie ein Rockkonzert in Mainz. Auch beim Turnfest in Cottbus und in Berlin vor dem Reichstag soll das Nixtun-Sofa für die Kampagne werben – und am New Yorker Times Square: Dort werden in wenigen Tagen Fotos vom Start der Aktion am Montag über die riesigen Bildschirme flimmern. „Wir senden heute ein Foto in die Welt“, rief Fritsch seinen Mitprotestierenden zu: „Deutschland fliegt nicht!“

Info& auf Mainz&: Mehr zur Aktion „Deutschland fliegt nicht“ lest Ihr hier bei Mainz&, die genauen Infos und Termine der Sofa-Tour sollten auf der Internetseite der Aktion hier zu finden sein. Die flugfreie Aktionswoche soll vom Montag, den 10. Februar 2020, bis Sonntag, den 16. Februar 2020, reichen und möglichst viele Menschen bewegen, auf ihre privaten und geschäftlichen Inlands-/Kurzstreckenflüge verzichten.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

„Es ist eine Riesenehre“ – Jacqueline I. und Heinrich II. sind das Prinzenpaar des MCC 2020 – Debüt am 11.11.

0

Nicht ganz pünktlich um 11.11 Uhr war es heute so weit: Das erste „Helau“ der neuen Kampagne schallte über den Schillerplatz, rund 6.000 kostümierte Narren schunkelten und feierten trotz Novermbergrau. „Jetzt darf man sich wieder als Narr fühlen“, rief der Präsident des Mainzer Carnevals-Vereins (MCV), Reinhard Urban, in die Menge – zumindest für diesen einen Tag war das der Fall. Am 11.11. lupfen die Narren traditionell den Vorhang für die neue Kampagne ein wenig, bevor die Weihnachtszeit die Regie übernimmt. So richtig beginnt die Fastnachtskampagne 2020 ja erst am 1. Januar, das Besondere in diesem Jahr: Mainz hat wieder ein Prinzenpaar!

Das Mainzer Prinzenpaar Jacqueline I. und Heinricht II. präsentieren sich am 11.11.2019 dem Narrenvolk auf dem Schillerplatz. - Foto: gik
Das Mainzer Prinzenpaar Jacqueline I. und Heinricht II. präsentieren sich am 11.11.2019 dem Narrenvolk auf dem Schillerplatz. – Foto: gik

Jacqueline Seuthe ist noch ziemlich nervös. „Es wird spannend und aufregend“, sagt die 23-Jährige, im schicken blauen Mantel und Narrenkappe auf dem Haupt steht sie auf dem Balkon des Osteiner Hofs in Mainz. Unten jubeln ihr Tausende Narren zu, Jacqueline staunt genauso wie der Mann an ihrer Seite: „“Es ist eine Riesenehre, Prinz zu sein“, sagt Heinrich Diefenbach – in der Kampagne 2020 sind Jacqueline I. und Heinrich II. das Prinzenpaar für Mainz. Am Montag hatten die beiden närrischen Majestäten ihren ersten Auftritt vor dem Narrenvolk, natürlich am 11.11., natürlich auf dem Schillerplatz. 6.000 Narren drängten sich unten, um den Start um 11.11 Uhr nicht zu verpassen, im Laufe des Tages tummelten sich nach Angaben der Mainzer Polizei insgesamt 10.000 Menschen beim Narrentreiben.

So richtig beginnt die Fastnachtskampagne 2020 ja erst am 1. Januar mit dem Neujahrsumzug der Garden, am 4. Januar steht dann die Inthronisierung von Jacqueline I. und Heinrich II. an. „Ich bin im MCC, seit ich ein kleiner Junge war“, erzählt Heinrich Diefenbach Junior, schon Vater und Großvater waren dem Verein verbunden, aktive Wagenbauer alle beide. Kein Wunder, dass der Junior heute auch beruflich mit vier Rädern zu tun hat: Der 3 x 11 Jahre alte Fastnachtsprinz arbeitet als Wirtschaftsingenieur bei einem großen Autokonzern in Stuttgart und betreibt in Mainz eine Oldtimerwerkstatt, wie er Mainz& verriet. Geboren ist Heinrich I. am Rosenmontag – wie sollte daraus kein Fastnachtsprinz werden?

Seine Prinzessin Jacqueline wurde an Silvester geboren, auch sie ist gebürtige Mainzerin und studiert derzeit in Leipzig Wirtschaftsmathematik. „Für die Kampagne werde ich aber in Mainz sein“, versichert sie: „Das wird eine spannende Kampagne.“ Schon als Kind war Jacqueline begeisterte Teilnehmerin des Jugendmaskenzuges, arbeitete auch schon am MCC-Clubmagazin „Konfetti“ mit. Prinzenpaare sind in Mainz ja keine ständige Tradition, nur zu besonderen Gelegenheiten werden närrische Majestäten gekürt. Zuletzt war das 2014 der Fall, als die Jocus-Garde ihr 125. Bestehen feierte.

Symbolfigur des MCC: Der Till auf der Reichstagskuppel, verkörpert von Friedrich Hofmann. - Foto: gik
Symbolfigur des MCC: Der Till auf der Reichstagskuppel, verkörpert von Friedrich Hofmann. – Foto: gik

In der Kampagne ist es nun der MCC, einer der vier großen Mainzer Fastnachtsvereine, der ein großes Jubiläum feiert: 11 x 11 Jahre alt wird der Club, gegründet wurde er zur Fastnachtskampagne 1899. „Wir sind aus der Wirtschaftsfastnacht hervorgegangen“, erzählte MCC-Vizepräsident Friedrich Hofmann Mainz&. In den 1890er Jahren traf sich der „Birnbaum Club“ im Gasthaus zum Birnbaum, man hielt Sitzungen ab, es gab Büttenreden – schon damals tat sich der Club als „Rednerschule“ hervor.

Doch der Birnbaum mit seinen 250 Plätzen wurde zu klein, so siedelten die Fastnachter 1898 in den Schöfferhof über – und fusionierten mit den dort tätigen „Humoristische Derke“, den „humoristischen Türken“ von Mainz. Der neue MCC verstand sich als Club der kleinen Leute, „es war der Club der Handwerker und kleinen Beamten“, erzählt Hofmann. Die Veranstaltungen waren preisgünstig, der MCC wurde schnell zum „roten Club“, als Gegengewicht zum „schwarzen Club“ – dem großen Mainzer Carnevals-Verein (MCV).

Sind schon gespannt auf die Kampagne: Das Prinzenpaar des MCC, Prinzessin Jacqueline I. und Prinz Heinrich II. – Foto: gik

Die Rednerschule blieb ein Markenzeichen des Clubs, seine Symbolfigur ist bis heute der Till, der seit dem Jahr 2000 auf der Reichstagskuppel Platz nimmt. „Man steigt den Mächtigen aufs Dach“, sagt Hofmann schmunzelnd, das sei schließlich die Aufgabe des Narren. Seit 25 Jahren verkörpert der 63-Jährige den feinsinnigen Narren mit den geschliffenen Reimen, 2020 wird Hofmanns letzte Kampagne in dieser Rolle sein – ein Jüngerer soll künftig in das Gewand des Narren schlüpfen.

Auf Jacqueline I. und Heinrich II. warten in der Kampagne nun rund 80 Auftritte. Worauf sie sich am meisten freuen, haben wir in unserem Mainz&-Interview gefragt: „Wir freuen uns auf die vielen lieben Menschen“, sagt der Prinz, und die Prinzessin ergänzt: „Und auf die Mainzer Lebensfreude.“ Wie gut das zu dem Motto der Fastnachtskampagne 2020 passt: „Humor ist Meenzer Lebensart, mit Herz und Toleranz gepaart.“

Info& auf Mainz&: Mehr zum Motto der Mainzer Fastnachtskampagne und zum dazu passenden Zugplakattche lest Ihr hier bei Mainz&. Der MCC feiert sein Gründungsjubiläum schon einmal am 5. Dezember, dem Jahrestag der Gründung, mit einem Fackelumzug. Jacqueline I. und Heinrich II. werden dann am, 4. Januar im Kurfüstlichen Schloss inthronisiert – ein erstes kleines Videointerview mit Mainz& findet Ihr hier auf unserer Facebook-Seite und hier in unserem Youtube-Kanal. Die offizielle Seite des MCC findet Ihr hier im Internet.

 

 

 

 

- Werbung -
Werben auf Mainz&
Mainz
Klarer Himmel
17.1 ° C
18.5 °
15.1 °
47 %
2.6kmh
0 %
Mi.
18 °
Do.
19 °
Fr.
20 °
Sa.
21 °
So.
15 °

Mainz& unterstützen

- Werbung -
Mainz& unterstützen