Ein Baum für jede Eheschließung – diesen Antrag stellte die Mainzer CDU am Mittwoch im Stadtrat. CDU-Fraktionsvorsitzender Ludwig Holle machte in seiner ersten Rede als neuer Oppositionschef klar: Die Verknüpfung war launig gemeint, der Anlass indes ein Ernster. Denn in Mainz sterben pro Jahr mehr Bäume, als neue gepflanzt werden – und rund 600 existierende Standorte für Straßenbäume sind derzeit: unbepflanzt. Gute Gründe für ein neues, kreatives Programm könnte man meinen, doch nein: Die Ampel-Koalition lehnte ab – allen voran die Grünen.

Der neue CDU-Fraktionsvorsitzenden Ludwig Holle bei seiner ersten Rede im Mainzer Stadtrat. Links unten Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne). - Foto: gik
Der neue CDU-Fraktionsvorsitzenden Ludwig Holle bei seiner ersten Rede im Mainzer Stadtrat. Links unten Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne). – Foto: gik

Es war der erste Antrag, den die CDU unter ihrem neuen Fraktionsvorsitzenden Ludwig Holle im Mainzer Stadtrat stellte, und der nutzte die Gelegenheit darzustellen, wofür seine Arbeit stehen soll: “Mir sind drei Dinge wichtig”, sagte Holle: “Wir müssen uns als Stadtrat den wichtigen Aufgaben stellen und Lösungen für die Zukunft finden, wir sollten uns Ziele setzen, die anspruchsvoll, aber erreichbar sind – und wir sollten versuchen, die Menschen mitzunehmen, sie richtig mitmachen zu lassen.”

Ausgerechnet das Thema Nachhaltigkeit, Klimawandel und mehr Grün hatte sich Holle als Thema seines ersten Antrags gewählt: Er wolle “bewusst das Thema Klima auf die Agenda setzen”, denn das sei eine große Herausforderung für die Zukunft der Stadt, betonte der Wirtschaftsingenieur aus der Mainzer Oberstadt. Das Thema Bäume habe er gewählt, “weil das nachhaltig ist, sichtbar und die Attraktivität der Stadt erhöht.”

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Es ist zudem kein neues Thema, sondern eines, bei dem die CDU-Opposition die Ampel-Koalition in Mainz schön öfter vor sich hergetrieben hat. Schon der Mainzer CDU-Chef Thomas Gerster hatte bei seiner Kandidatur zum Mainzer Umweltdezernenten im Juni 2021 als oberstes Ziele mehr “Bäume, Brunnen und Bächle” genannt. Unvergessen auch die Aktion von CDU-Kandidat Nino Haase im Oberbürgermeister-Wahlkampf im August 2019 einfach 50 Bäume auf den Gutenbergplatz vors Staatstheater stellte – und so auf Betonwüsten in der Innenstadt aufmerksam machte.

Ein Baum für jede Eheschließung

Aktion "Mehr Grün für die Stadt" im Mainzer OB-Wahlkampf 2019 von Nino Haase. - Foto: gik
Aktion “Mehr Grün für die Stadt” im Mainzer OB-Wahlkampf 2019 von Nino Haase. – Foto: gik

Nun also machte Holle eine neuen Vorstoß: “Die Verwaltung wird gebeten, für jede Eheschließung einen Baum im Stadtgebiet zu pflanzen”, lautete nun der Antrag der CDU, Holle erklärte dazu: Er habe eine Größe gesucht, anhand derer man Neupflanzungen von Bäumen greifbar und verbindlich machen könne. Eigentlich habe er überlegt, “wie wäre es mit “Für jedes Kind einen Baum” – aber dann wären wir bei mehr als 2.000 Bäumen  gewesen, und das wollte ich der Stadtverwaltung nicht zumuten”, erklärte der CDU-Fraktionschef.

So sei er auf die Verknüpfung mit Eheschließungen gekommen, das würde rund 750 Bäume mehr pro Jahr für Mainz bedeuten. “Auch das ist ein ehrgeiziges Ziel im Vergleich zu dem, was die Stadt zuletzt geschafft hat”, betonte Holle: “Es ist ein ehrgeiziges Ziel, aber ich glaube, wir können das schaffen.” Doch die Stadtverwaltung Mainz ist davon derzeit weit entfernt: 2021 wurden in Mainz insgesamt 421 Bäume gefällt, wie die Stadtverwaltung selbst im Februar im Stadtrat bekanntgab.

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600 Straßenbaumstandorte für Bäume derzeit nicht bepflanzt

Neu gepflanzt wurden 2021 indes nur 241 Bäume, ja: Der Umfang des jährlichen Nachpflanzprogramms liege derzeit bei rund 150 Stück, teilte die Stadtverwaltung weiter mit. Rund 600 bereits existierende Straßenbaumstandorte sind derzeit nicht mit Bäumen bepflanzt, dazu kommen 310 Plätze in Mainzer Grünanlagen, 120 im Umfeld von Schulen und rund 60 im Umfeld von Kitas. Trotzdem klagt die Stadtverwaltung regelmäßig, es sei ausgesprochen schwierig, neue Baumstandorte zu finden.

Plakat im Mainzer OB-Wahlkampf von 2019, damals vom unabhängigen CDU-Kandidaten Nino Haase. - Foto: gik
Plakat im Mainzer OB-Wahlkampf von 2019, damals vom unabhängigen CDU-Kandidaten Nino Haase. – Foto: gik

Genau so argumentierten am Mittwoch auch wieder die Grünen im Mainzer Stadtrat – und lehnten den Antrag der CDU ab: “Bäume sind ein Sympathieträger, leisten Schatten und Abkühlung”, sagte Fabian Ehmann für die Grünen. Um sie zu pflanzen sei aber “eines essentiell: wir brauchen das notwendige Personal in der Verwaltung.” Denn in der Stadt müsse “erst mal geguckt werden”, wo denn Gas- und Stromleitungen verliefen, damit die Wurzeln der Bäume nicht die Leitungen beschädigten.

Die Grünen hätten sich deshalb dafür eingesetzt, dass der Baumtrupp der Stadt ausgeweitet werde, betonte Ehmann – über den Antrag der CDU machte er sich gleichwohl lächerlich: Die Verknüpfung mit Eheschließungen sei doch “merkwürdig”, es gebe “auch Leute, die wollen einen Baum pflanzen, aber nicht heiraten.” Es werde “in der Verwaltung schon super viel gemacht, wir können den Antrag deshalb nicht mitgehen”, sagte Ehmann.

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600 bereits bestehende Baumstandorte in Mainz sind derzeit nicht nach-bepflanzt. - Foto: gik
600 bereits bestehende Baumstandorte in Mainz sind derzeit nicht nach-bepflanzt. – Foto: gik

Dabei hatte die CDU eigens in ihrem Antrag auch erwähnt, jedem Ehepaar solle die Möglichkeit eröffnet werden, die Baumpatenschaft für das neue Grün zu übernehmen oder sich mit einer Spende an der Pflanzung zu beteiligen. “Eine Patenschaft oder Spende kann beispielsweise durch ein Zertifikat, auf dem der Standort des Baumes vermerkt ist, oder eine Plakette kenntlich gemacht werden”, heißt es weiter: “Einen persönlichen Bezug zu einem Baum zu haben, gefällt vielen Menschen. Einen eigenen Baum zu pflanzen, ist in der Stadt jedoch häufig nicht möglich. Diese Aktion könnte eine gute Alternative sein.”

Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) musste indes einräumen: Wegen Trockenstress und Klimaproblemen “sterben uns die Bäume schneller weg, als wir nachpflanzen können.” Es gebe in Zukunft aber fünf Stellen mehr in der Baumkolonnen der Stadt, darunter sind vier Gärtner und ein Ingenieur. Die Stellen würden ab November 2022 besetzt, sagte Steinkrüger weiter, damit seien in Zukunft schnellere Nachpflanzung möglich.

Unterstützung für den CDU-Antrag kam lediglich von der ÖDP: “Wir stimmen dem Gedanken der Baumstiftung zu”, betonte Dagmar Wolf-Rammensee (ÖDP): “Der Gedanke schafft Sympathie, Stadtzugehörigkeit und Verantwortung.” Der Baum werde “für die Ehe stehen, für die Fürsorge und die Zukunft”, sagte Wolf-Rammensee weiter, und plädierte: “Lassen Sie uns kreativ mit diesem wunderbaren Antrag umgehen.” Sie plädierte vergeblich: Mit den Stimmen der Ampel-Fraktionen von Grünen, SPD und FDP wurde der Antrag abgelehnt.

Linke will Wanderbäume für Mainz

Im Sommer hatte die Stadt Mainz erstmals ein sogenanntes "Grünes Zimmer" vor dem Mainzer Hauptbahnhof aufgestellt. - Foto: Helix
Im Sommer hatte die Stadt Mainz erstmals ein sogenanntes “Grünes Zimmer” vor dem Mainzer Hauptbahnhof aufgestellt. – Foto: Helix

Auch in den darauf folgenden Debatten ließ das Thema Bäume den Stadtrat nicht los: Die Linke schlug in der Debatte für einen Hitzeaktionsplan Wanderbäume für Mainz vor. “Wir schlagen vor, dass mehr mobile Bäume und ‘Grüne Zimmer’ angeschafft werden”, sagte die Linken-Stadträtin Carmen Maurer. Sie habe das in diesem Sommer in Würzburg erlebt: “Dort standen in vielen Straßen Wanderbäume – der Temperaturunterschied war spürbar”, berichtete sie. Auf den Bänken im Schatten der Bäume haben sich immer wieder Menschen zur Abkühlung eingefunden. Deshalb wolle die Linke Wanderbäume auch für Mainz, “um kurzfristig und günstig dort Schatten schaffen zu können, wo er benötigt wird.”

Info& auf Mainz&: Mehr zum Thema Baumpatenschaften und mehr Bäume für Mainz im Mainzer OB-Wahlkampf 2019 könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Im Sommer hatte die Stadt Mainz erstmals ein sogenanntes “Grünes Zimmer” vor dem Mainzer Hauptbahnhof aufgestellt – mehr dazu hier bei Mainz&.

 

 

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