Und? Habt Ihr schon den Glühwein auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt vermisst? Das erste Adventswochenende ist da, doch statt Weihnachtsbudenzauber und Glühweinduft in der Innenstadt herrschen Lockdown und Tristesse. Doch Euch kann geholfen werden: Holt Euch den Mainzer Weihnachtsmarkt-Feeling nach Hause! Mainz& hat nämlich auch in diesem Jahr einfach einen Mainz&-Glühweintest gemacht – natürlich völlig Corona-konform. Denn die Weihnachtsmarkt-Winzer haben keine Mühen gescheut – und Glühweine in Flaschen abgefüllt. Mainz& hat probiert: wie schmecken die Tropfen aus der Flasche?

Winzer-Glühwein fix und fertig in Flaschen - das ist Weihnachtsmarkt-Feeling für Zuhause! - Foto: gik
Winzer-Glühwein fix und fertig in Flaschen – das ist Weihnachtsmarkt-Feeling für Zuhause! – Foto: gik

Seit sieben Jahren macht die Internetzeitung Mainz& nun schon den großen Mainz&-Glühweintest auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt – als der wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde, saßen wir zunächst etwas bedröppelt da. Kein Weihnachtsmarkt, kein Glühweintest – oder? Der Trend im Coronajahr lautet: Drink@home – bei vielen Winzern boomt 2020 notgedrungen der Verkauf in die heimischen Stuben, was lag da näher, als auch den begehrten Glühwein in Flaschen zu füllen? Gesagt, getan: Sechs Weingüter mit Winzern vom Mainzer Weihnachtsmarkt haben wir gefunden, die im Coronajahr 2020 den Gang zur Flasche gewagt haben oder schon lange Glühweine in Flaschenform anbieten. Die Weingüter Kissel, Huf und Geisinger stehen jedes Jahr mit eigenen Buden auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt, das Weingut Fleischer mit Helga auf dem Schillerplatz.

Die Hechtsheimer Weingüter Stenner und Lemb-Becker wiederum fertigen die Glühweine für die Mainzer Winzer, die an der Spieluhr ausgeschenkt werden – Stenners den roten, Lemb-Beckers den weißen. „Wir machen bestimmt schon 25 Jahre lang Glühwein und füllen ihn in Flaschen ab“, sagt Sigrid Lemb-Becker, Vorsitzende der Mainzer Winzer: „Das war eigentlich mal ein Gag, da gab’s so was noch nicht.“

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Vier rote Glühweine von vier verschiedenen rheinhessischen Winzern - Vorbereitung für die erste Runde auf dem Herd. - Foto: gik
Vier rote Glühweine von vier verschiedenen rheinhessischen Winzern – Vorbereitung für die erste Runde auf dem Herd. – Foto: gik

Ein Gag ist der Glühwein in Flaschen schon lange nicht mehr: Das Geschäft mit fertig gewürzten Glühweinen in der Flasche boomt, 50 Millionen Liter Glühwein trinken die Deutschen pro Jahr, so eine Schätzung aus dem Jahr 2018. Und es ist beileibe nicht nur der Absatz von Billigglühweinen aus den Supermärkten, der da zu Buche schlägt: „Der Umsatz mit Winzer-Glühweinen wächst bei den darauf spezialisierten Betrieben“, sagt Frank Schulz vom Deutschen Weininstitut (DWI). 160 Winzerbetriebe finden sich aktuell in einer Datenbank beim DWI, die Glühwein erzeugen und abfüllen – die Liste dürfte nur ein Ausschnitt sein.

Wie sehr der Absatz mit Winzerglühweinen in Flaschen boome, zeige auch ein Beispiel aus Rheinhessen, berichtet Schulz weiter: Ein Produzent habe vor fünf Jahren noch 30.000 Liter Glühwein verkauft, inzwischen seien es 100.000 Liter. Auch im Lebensmitteleinzelhandel und in den Discountern gebe es mittlerweile große Werbeaktionen mit Winzer-Glühweinen, sagte Schulz, auch der Fachhandel habe verstärkt Interesse an Winzer-Glühwein in Flaschen – möglich wird das, weil eben inzwischen deutlich größere Mengen in den Weingütern abgefüllt werden.

Vorbereitung für den Mainz&-Glühweintest @home: Ernst Büscher schürt das Feuer. - Foto: gik
Vorbereitung für den Mainz&-Glühweintest @home: Ernst Büscher schürt das Feuer. – Foto: gik

Aber gibt es einen Unterschied zwischen frischem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und dem Glühwein in Flaschen? Mainz& wollte genau das erforschen – die sechs oben genannten Weingüter haben uns dafür jeweils eine Flasche ihrer Glühweine kostenlos zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür! Von den Flaschen haben wir jeweils eine Verkostungsmenge auf dem Herd erwärmt, zur Seite stand uns beim Erwärmen und Verkosten ein Experte: Ernst Büscher, Pressesprecher des Deutschen Weininstituts, und schon 2017 Mitglied der Mainz&-Glühweinjury.

„Der Glühwein darf nicht zu heiß erwärmt werden“, erklärt Büscher, während er eifrig in den Töpfen auf dem Herd rührt. 70 Grad gilt als ideale Temperatur für den heißen Würzwein, wird er heißer, verpuffen Alkohol und Aroma, es können sich unangenehme Bitterstoffe entwickeln. In drei Verkostungsrunden haben wir insgesamt elf Glühweine und einen heißen Traubensaft des Weinguts Geisinger getestet, jeder Glühwein wurde erst vorsichtig auf dem Herd erhitzt und dann in eine Thermoskanne abgefüllt. Die Verkostung nämlich fand nicht im geheizten Raum statt, sondern vor der Tür, an einem kleinen Lagerfeuer – wir wollten wenigstens ein bisschen Weihnachtsmarktfeeling simulieren, und zudem die Geschmacksknospen der richtigen Kälte aussetzen.

Los geht's: Verkostungsrunde eins steht bereit! - Foto: gik
Los geht’s: Verkostungsrunde eins steht bereit! – Foto: gik

Beim Verkosten wurde dann schnell klar: Glühwein aus der Flasche ist toll – aber anders. Der frische Duft des Weihnachtsmarktes fehlt, natürlich auch die Atmosphäre, und frisch zubereitete Glühweine in Marktatmosphäre – das ist schlicht unschlagbar. Und doch schmecken auch die Kreationen aus der Flasche richtig gut, wenn auch ein Trend generell auffällt: Die Gewürzaromen sind in den Flaschen-Glühweinen oft dezenter als auf dem Weihnachtsmarkt, und das hat nicht nur etwas mit der Atmosphäre zu tun: Viele der Weihnachtsmarkt-Winzer bereiten ihre Glühweine quasi täglich frisch für den Weihnachtsmarkt zu, dabei können sie ganz gezielt auf die Wünsche ihrer Kunden eingehen, mit Süße und Gewürzen spielen, die Glühweine nachjustieren – das geht beim Glühwein in Flaschen natürlich nicht.

So  kommen denn auch zwei der roten Glühweine eher herb daher und im Geschmack mit eher weniger Weihnachts-Gewürzen: Beim Weingut Geisinger haben wir eine Cuvee aus Dornfelder des Jahrgangs 2018 und eines Spätburgunders aus 2019 im Glase, bei den Gewürzen seien Zimt, Nelke, Kardamon und Muskat dabei, verrät uns Thomas Geisinger. Das mit dem Muskat muss man mögen, stellen wir fest: Der Geschmack überlagert ein wenig die anderen Gewürze, dazu hat der Glühwein ganze 40 Gramm Restzucker – für einen Glühwein ist das sehr trocken, der Wein damit etwas für Liebhaber von eher herben Glühweinen.

Winzer Rüdiger Huf mit seinen Glühweinen. - Foto: gik
Winzer Rüdiger Huf mit seinen Glühweinen. – Foto: gik

Ähnlich geht es uns mit dem roten Glühwein von Malenka Stenner: Der „Happy Glühwein“ setzt auch eher eine fruchtig-herbe Komponente, das Cuvee aus Spätburgunder, Dornfelder und Portugieser kommt ausgesprochen kräftig daher und schmeckt uns am besten, wenn er so richtig heiß ist. Kühlt der Glühwein ab, schmeckt man stark den Holunder heraus. Deutlich süßer und fruchtig-leichter kommt da der Rote vom Weingut Lemb-Becker daher: Zimt, Nelke, Orange schmecken wir hier heraus, das Cuvee aus Spätburgunder, Sankt Laurent und Dornfelder ist definitiv etwas für Freunde des fruchtig-süßeren-weihnachtlichen Glühweins, wobei die Süße nicht dominant ist. „Easy drinking“, bringt Ernst Büscher es auf den Punkt.

Unsere ganz persönlichen Favoriten sind aber mal wieder die beiden Weingüter, die sich regelmäßig auf den Plätzen eins und zwei beim Mainz&-Glühweintest die Becher in die Hand geben: Den Weingütern Huf aus Ingelheim und Kissel aus Saulheim gelingen auch auf der Flasche außergewöhnliche Glühweine. Favorit von Ernst Büscher ist der Rote aus dem Hause Huf: „Super weihnachtlich!“ schwärmt Ernst. Das Cuvee aus Spätburgunder und Portugieser des Jahrgangs 2019 kommt mit einer tollen Balance aus hellen roten Früchten und leichten Rotweintaninen daher, der frische Rotwein mischt sich wunderschön mit Gewürzen von Nelke, und einem Hauch Mandel – so jedenfalls schmecken wir es.

Familie Kissel mit Olaf, Lisa, und Rudi - den Glühweinen in weiß, rosé und rot. - Foto: gik
Familie Kissel mit Olaf, Lisa, und Rudi – den Glühweinen in weiß, rosé und rot. – Foto: gik

Der Favorit von Mainz&-Chefredakteurin Gisela Kirschstein heißt hingegen „Rudi“, der rote Glühwein von Kissels ist kräftig-dunkel, schmeckt sowohl intensiv nach Rotwein als auch nach Weihnachtsgewürzen wie Zimt, Nelken und Orangenschalen, ein Hauch von Sternanis bringt eine Würze mit sich, die sogar ein bisschen pfeffrig wirkt – „Weihnachten pur“, findet Gisela: „Ein intensiver Glühwein, bei dem sich Wein und Würze gegenseitig zu einem tollen Flair ergänzen.“

Natürlich ist Glühwein immer Geschmackssache, die Glühweintests der vergangenen Jahre zeigten ja schon: Die Geschmäcker der Glühweintrinker sind so unterschiedlich, wie es Weine gibt – gut, dass die Glühweine eine vergleichbare Varianz in die Flasche bringen. Dazu gehören auch die Rosés, deren Mischungen mit Weihnachtsgewürzen nicht Glühwein heißen dürfen, die aber aus genauso hochwertigen Weinen hergestellt werden wie weiße oder rote Glühweine – warum das alles so ist, haben wir 2019 hier erklärt.

Gemischte Glühwein-Verkostungsrunde mit rot, weiß und rosé. - Foto: gik
Gemischte Glühwein-Verkostungsrunde mit rot, weiß und rosé. – Foto: gik

Beim Weinhaus Kissel kommt „Lisa“, die Glühweinvariante aus Rosé, in diesem Jahr sehr süß daher, der Rosé aus Spätburgundertrauben bringt uns Aromen von Orange und Sternanis ins Glas, ein bisschen fehlen uns Nelken und Zimtaromen im Geschmack. „Das ist ein sehr fein ausbalancierter Glühwein“, findet Ernst, „ein super ‚Young People‘-Getränk“. In jedem Fall ist die „Lisa“ etwas für Liebhaber der süßen Glühweinvariante.

Eine gute Alternative für alle, die alkoholfrei unterwegs sein wollen oder müssen: Winzer-Traubensaft, heiß gemacht und mit Gewürzen versetzt. Wir hatten mit dem Bio-Traubensaft vom Weingut Geisinger einen sehr intensiv-süßen Saft im Glas, den wir noch mit Glühweingewürzen hätten süßen müssen, um das richtige Feeling zu bekommen (wir hatten leider keine Gewürze da…).

Verkostung daheim statt auf dem Weihnachtsmarkt: Der Mainz&-Glühweintest 2020 unter Corona-Bedingungen mit Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein. - Foto: Mainz&
Verkostung daheim statt auf dem Weihnachtsmarkt: Der Mainz&-Glühweintest 2020 unter Corona-Bedingungen mit Mainz&-Chefin Gisela Kirschstein. – Foto: Mainz&

Weiße Glühweine sind ja schon seit Jahren eine etablierte und ausgesprochen beliebte Variante, kein Glühweinstand auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt, der nicht auch weiße Glühweine anbietet. Ausgesprochen frisch, ja sogar zitronig kommt der Weiße vom Weingut Lemb-Becker daher, der Silvaner, den etwas Scheurebe begleitet, hält sich mit den Glühweingewürzen im Geschmack sehr zurück, Zimt und Sternanis lugen nur ein bisschen um die Ecke, wir hätten da gerne mehr von gesehen. Überraschend dezent verhalten sich auch die Gewürze beim Weinhaus Kissel: „Olaf“ heißt der weiße Glühwein, der wie jedes Jahr aus Morio-Muskat gemacht ist, und auf dem Weihnachtsmarkt regelmäßig für große Begeisterung und Zuspruch sorgt.

Der „Olaf“ in der Flasche ist weniger würzig, dafür aber mit einem intensiven Orange- und  Honiggeschmack versehen, auch ein Hauch von Zimt und Nelke spielen mit. Für Honigweine ist eigentlich das Weingut Huf zuständig: Die Ingelheimer sorgten vor sieben Jahren mit ihrem Römischen Würzwein auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt für Furore, den heißen Weißwein aus den spannenden Rezepten gibt es leider nicht per Flasche zu kaufen. Dafür haben Hufs einen kräftigen Silvaner im Angebot, der sehr weinig und mit tollen Aromen von Apfel und Anis daherkommt und dazu eine super Balance aus Süße und Weingeschmack hält. Doch hier zeigt sich der Unterschied bei der Flaschen-Variante: Die Weihnachts-Gewürze halten sich vergleichsweise dezent zurück.

Stefan Fleischer mit seinen beiden Glühweinen weiß und rot. - Foto: gik
Stefan Fleischer mit seinen beiden Glühweinen weiß und rot. – Foto: gik

Unser Favorit bei den Weißen ist deshalb ein anderer: Der weiße Glühwein vom Weingut Fleischer ist schlicht eine Wucht. Das Cuvee von Müller-Thurgau und Weißburgunder des Jahrgangs 2019 hält einfach perfekt die Balance zwischen einer tollen Frische und der Süße der Weihnachtsgewürze von Nelke, Zimt, Orange und etwas Anis – das ist zumindest das, was wir schmecken. „Die Säure des Weins unterstützt perfekt die Weihnachtsgewürze“, schwärmt Ernst. Damit zeigt sich wieder einmal: Die Qualität der Winzer-Glühweine ist hoch, die Bandbreite enorm. Das Glühwein-Feeling aber stellte sich in jedem Fall ein, „per Flasche“ kommt so ein klitzekleines Stückchen Weihnachtsmarkt ins Haus.

Info& auf Mainz&: Die von uns verkosteten Glühweine stellen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt im großen Glühweinuniversum dar, und wie immer gilt: Durchprobieren und Euren persönlichen Favoriten finden, müsst Ihr schon selbst 😉 Und wer jetzt diverse Weihnachtsmarkt-Glühweine vermisst hat, etwa vom großen Glühweinstand vor den Markthäusern, von Sascha Barth an der Heunensäule oder von den Schaustellerfamilien Wingender und Barth: Ja, wir haben die auch vermisst. Die bei den Schaustellern ausgeschenkten Winzer-Glühweine machen einen Gutteil der Vielfalt auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt aus – doch sie kommen leider nicht in Flaschen abgefüllt daher. Da müssen wir dann doch auf Nach-Corona-Zeiten warten…

Informationen rund um Geschichte und Machart von Glühweinen samt Tipps zur Zubereitung und Online-Winzerdatenbank findet Ihr hier beim Deutschen Weininstitut.

Alle von uns verkosteten Glühweine sind per Flasche bei diesen Weingütern zu haben:

  • Weingut Fleischer, Mainz-Hechtsheim: Der rote wie der weiße Glühwein kommen in der Literflasche daher und kosten jeweils 4,- Euro die Flasche, zu haben direkt im Weingut oder bestellen über die Internetseite des Weinguts genau hier.
  • Weingut Thomas Geisinger, Ober-Olm: Der Glühwein in der Literflasche kostet hier 4,90 Euro, aber 12 Flaschen wird kostenlos versandt. Bestellen kann man per Email, zu finden alles hier über die Homepage des Weinguts.
  • Weingut Huf, Ingelheim: der rote und der weiße Glühwein kosten 6,90 Euro pro 0,75-Liter-Flasche, zu haben über die Homepage hier im Internet.
  • Weinhaus Kissel, Saulheim: „Rudi“, „Olaf“ und „Lisa“ kosten 5,90 Euro pro Literflasche Glühwein, bestellen kann man die drei Rentiere über die Internetseite des Saulheimer Weinhauses, ab 12 Flaschen zahlt man auch hier kein Porto.
  • Weingut Lemb-Becker, Mainz-Hechtsheim: Der rote wie der weiße Glühwein kosten hier 4,- Euro die Literflasche, zu haben direkt im Weingut oder per Bestellung über die Internetseite, genau hier.
  • Weingut Stenner, Mainz-Hechtsheim: Der „Happy Glühwein“ kostet 7,90 Euro die Literflasche und ist natürlich im Weingut selbst zu haben, aber auch beim Laden „Kollektiv“ in der Neubrunnenstraße – und natürlich auch per Online-Bestellung.

 

 

 

 

 

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