In dieser Woche ist es wieder so weit: Von Donnerstagabend an verwandelt das Lichterspektakel „Mainz leuchtet“ die Gebäude in der Mainzer Innenstadt erneut in eine Welt voller Lichtkunst und Klanginstallationen. Zum vierten Mal werden wichtige Mainzer Denkmäler vom Osteiner Hof am Schillerplatz über den Mainzer Dom bis hin zur Bastion von Schönborn in Kastel in magisches Licht getaucht und durch Projektionen verwandelt. Vergangenes Jahr kamen aber deutlich weniger Besucher, auch wurde Kritik laut – wie gut zieht das Festival noch?

"Mainz leuchtet" 2025 am Osteiner Hof. - Foto: gik
„Mainz leuchtet“ 2025 am Osteiner Hof. – Foto: gik

2023 rief die Mainzer Citymarketing-Gesellschaft Mainzplus gemeinsam mit der Hochschule Mainz das Lichterfestival „Mainz leuchtet“ ins Leben, die ersten beiden Ausgaben stießen auf große Begeisterung: Rund 90.000 Besucher kamen gleich beim ersten Mal, um das Spiel mit Farben, Formen und Fassaden zu erleben, auch 2024 war der Zuspruch groß – im vergangenen Jahr aber gab es einen Einbruch: Mit rund 75.000 Besuchern nach Veranstalterangaben kamen deutlich weniger Menschen zum Lichterfestival in die City.

Das lag zum einen sicherlich am schlechten Wetter, doch gleichzeitig wurde aber auch viel Kritik und Enttäuschung laut: „Leider deutlich weniger beeindruckend als im letzten Jahr, im direkten Vergleich enttäuschend“, so reagierte eine ganze Reihe von Mainz&-Lesern. An vielen Stellen seien die Fassaden der Gebäude gar nicht einbezogen gewesen, so weitere Kritiker, andere Städte bekämen solche Festivals deutlich besser hin – und in der Mainzer Innenstadt gebe es nicht einmal Getränkestände.

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Waschbär mit Sprühdosen am Osteiner Hof

Nun steht die vierte Ausgabe des „Late Light Festivals“ an: Am Donnerstagabend startet die vierte Ausgabe von „Mainz leuchtet“. An drei Abenden, vom 24. bis 26. September 2026, werden dann jeweils von 20.00 bis 23.00 Uhr markante Gebäude, Fassaden und Plätze in der Mainzer Innenstadt durch Projektionen, Animationen, Licht, Klang und interaktive Installationen neu inszeniert. Für die Umsetzung sorgen erneut Studierende des Studiengangs „zeitbasierte Medien“ der Hochschule Mainz, versprochen werden „2D- und 3D-Animationen, Filmcollagen, Projektionen und Klangkompositionen.“

2024 begeisterten die Lichtinstallationen am Osteiner Hof deutlich mehr. - Foto: gik
2024 begeisterten die Lichtinstallationen am Osteiner Hof deutlich mehr. – Foto: gik

Der Rundgang führt dabei vom Schillerplatz über die Ludwigsstraße zum Dom, und weiter zum Jockel-Fuchs-Platz mit der Rheingoldhalle – wer will, kann auch noch über den Rhein zur Bastion Schönborn in Mainz-Kastel wandern. Am Schillerplatz sollen gleich mehrere Projektionen die Fassade des Barockbaus verwandeln: In einer 3D-/2D-Animation von Maja Knaub, musikalisch begleitet von Mihail Scheiermann, entdeckt ein Waschbär an einer Hauswand eine Kiste voller Sprühdosen – daraus werden natürlich fantastische Welten.

„Die Verbindung aus 3D-Elementen und handgezeichneten 2D-Passagen macht dabei den kreativen Prozess selbst zum Thema – von der ersten Idee bis zu jenem Moment, in dem eine Arbeit ihren eigenen Sog entwickelt“, heißt es in der Ankündigung. Eine zweite Animation von Isabell Čamaj mit Musik von Jurij Espenschied stellt die Frage, was passieren würde, wenn Kinderzeichnungen plötzlich lebendig würden – so erobern Kritzeleien den Osteiner Hof, treffen aufeinander und sorgen für ein ebenso fantasievolles wie turbulentes Zusammenspiel.

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Fassaden zerfließen, mit eigenem Avatar spazieren gehen

Von dort wandert man weiter über die Ludwigsstraße, wo an der Fassade der Deutschen Bank Toni Strauß eine sphärische 2D-Animation zeigt, begleitet von der Musik von Willi Bücking. „Unterschiedlichste Fassaden und architektonische Strukturen gehen ineinander über, lösen sich auf und setzen sich immer wieder neu zusammen“, heißt es: „Architektur wird hier zu einem beweglichen System, das seine vermeintlich festen Grenzen immer wieder verändert.“

Installation an der Deutschen Bank 2025: Spiel mit Farben und Architektur. - Foto: gik
Installation an der Deutschen Bank 2025: Spiel mit Farben und Architektur. – Foto: gik

Beim Juwelier Leo Link lässt Jocy Merk das Gebäude selbst zur Hauptfigur werden: „In einer auf-wendigen 2D-Frame-by-Frame-Animation entstehen zunächst einzelne Gesichtszüge, aus denen sich nach und nach eine eigenwillige Persönlichkeit entwickelt“ – daraus werde „eine verspielte, immer verrückter werdende Verwandlung“, bei der Architektur und Animation miteinander verschmelzen, und die Fassade selbst scheinbar Mimik, Charakter und Bewegung entwickelt.

Wenige Schritte weiter, am Mainzer Staatstheater, geht es in diesem Jahr um die Themen Individuen und Gemeinschaft hier sind zwei Arbeiten zu sehen: In der 2D-/3D-Animation von Malte Kropp, musikalisch begleitet von Mihail Scheiermann, verwandelt sich das Theater in eine abstrakte Spielfläche aus unterschiedliche Formen, Bewegungen und Kräften. Bei Raban Löffler wiederum, ebenfalls mit Musik von Mihail Scheiermann, werden in einer filmischen Collage Hände zu Schauspielern, erscheinen als Tänzer, Wächter, Krieger, Träumer oder Rebellen und begeben sich auf die Suche nach ihrem Platz.

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Fassade am Mainzer Dom: Spiel mit Licht, Schatten, Geometrie

Highlight waren in jedem Jahr neben dem Osteiner Hof bisher die Lichterspiele am Mainzer Dom, der wird auch in diesem Jahr zu einem der wichtigsten Orte: Am Ostchor wird erneut in einer 3D-Animation von Jonas Abdelmonem (Musik: Mihail Scheiermann“ die Architektur des Doms abstrahiert, zerlegt und anschließend neu zusammengesetzt. Flächen zerfließen, Kanten geraten in Bewegung und feste Grenzen lösen sich auf – aus der statischen Fassade entsteht ein dynamisches Zusammenspiel aus Licht, Schatten und Geometrie.

Die Ostfassade des Mainzer Doms bei "Mainz leuchtet" 2024. - Foto: gik
Die Ostfassade des Mainzer Doms bei „Mainz leuchtet“ 2024. – Foto: gik

Die Gotthardkappelle auf dem Markt wird zudem in einer Filmcollage (Nico Michel, Musik Willi Bücking) zum Laufsteg für zahlreiche Mainzer, die ihren ganz eigenen Lebenswegen folgen. Steffen Philippi zerlegt in seiner 3D-Animation gleich die ganze Fassade, löst die Architektur Schicht für Schicht auf, lässt Mauern zerfließen und Steine, und öffnet durch vermeintlich feste Räume den Blick auf unbekannte Weiten.

Gegenüber am Mainz Store können die Besucher selbst kreativ werden: Bei der Installation „Guestlings“ kann man über einen QR-Code einen eigenen digitalen Avatar erstellen, der anschließend direkt auf der Fassade erscheint. Dort begegnen sich die Figuren unterschiedlicher Besucher, erkunden gemeinsam die digitale Umgebung und reagieren aufeinander – so entsteht eine gemeinsame digitale Welt, die von den Besuchern selbst bevölkert und mitgestaltet wird. Gestaltung und Programmierung stammen von Tom Braunschedel, Animationen und Modelling von Tom Braunschedel, Nick Pajunk und Selim Kilinc, die Musik von Joe Cahill.

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Spiel mit Wasser und Wald an der Rheingoldhalle

Weiter geht’s dann zum Brückenturm, wo eine interaktive Videoinstallation von Arlo Klein und Linus Nitschke sich mit Träumen, Wünschen und der Verbindung von Vergangenheit und Zukunft beschäftigt. Auch hier können die Besucher über einen QR-Code ihren persönlichen Wunsch übermitteln und damit Teil der Installation werden: Auf der Fassade verbinden sich vergangene Träume und gegenwärtige Wünsche zu einer sich kontinuierlich verändernden Projektion.

Einen magischen Wald gab es bereits 2023 bei "Mainz leuchtet" in der Rheingoldhalle. - Foto: gik
Einen magischen Wald gab es bereits 2023 bei „Mainz leuchtet“ in der Rheingoldhalle. – Foto: gik

Ein besonders umfangreicher Festivalbereich soll zudem in diesem Jahr rund um den Jockel-Fuchs-Platz und die Rheingoldhalle entstehen: „Licht, Video, Klang und Installationen bespielen den Jockel-Fuchs-Platz und seine architektonischen Strukturen“, so die Ankündigung. Eine audiovisuelle Komposition interpretiert die Formen und Atmosphären eines Waldes neu, der dabei immer wieder seinen Zustand verändert: Mal lädt er zum Verweilen und Durchatmen ein, mal wird er abstrakter und bewegter, experimentelle Musikstücke mit Licht- und Videoinstallationen.

Auch das Element Wasser spielt hier eine Rolle: „Die Wasserspiele greifen den Rhein, seine Bewegung und die ständig wechselnden Spuren des Wassers auf.“ Für Licht, Video und Installationen zeichnen Annamaria Ciuffreda, Robert Franz, Arlo Klein, Linus Nitschke, Dennis Pfeif und Stina Theißinger verantwortlich, die Musik stammt von Sebastian Frey und Beyza Gül Yüksel.

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„Langen Nacht der Lichter“ am Samstagabend mit offenen Geschäften

Auch die Mobile Projection Unit („Mainz leuchtet“-Bus) macht 2026 Station auf dem Jockel-Fuchs-Platz– und bringt ein aus dem vergangenen Festival bekanntes Motiv zurück: die Flamingos. Die Animation von Tom Braunschedel greift deren Reise auf und verbindet sie mit Themen wie Freiheit, Migration, Umwelt, Grenzen und gesellschaftlichem Wandel. Der Flamingo soll dabei „zum spielerischen Symbol für Bewegung und Veränderung“ werden – tatsächlich hatte die Mainzer Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) 2024 die traditionsreichen Flamingos im Mainzer Stadtpark radikal abgeschafft.

"Mainz leuchtet" 2025: Viel Regen, weniger Besucher und Kritik an den Lichtinstallationen. - Foto: gik
„Mainz leuchtet“ 2025: Viel Regen, weniger Besucher und Kritik an den Lichtinstallationen. – Foto: gik

Entscheidend für die Begeisterung der Zuschauer wird indes die Umsetzung der Installationen sein: Gibt es neue Elemente, oder werden die bisherigen Ansätze quasi „recycelt“? Wie kreativ, bunt und mitreißend werden die Projektionen? Nicht dabei sind übrigens in diesem Jahr der Alte Dom St. Johannis, dessen Illumination 2025 wenig Begeisterung auslöste, oder der Kirschgarten in der Mainzer Altstadt – hierher verirrten sich nur wenige Besucher.

So konzentriert sich die vierte Ausgabe von „Mainz leuchtet“ wieder ganz auf die Meile vom Schillerplatz zum Rhein – Getränkestände wird es allerdings auch in diesem Jahr nicht geben. Am Samstag, den 26. September 2026, laden viele Geschäfte und Restaurants in der Innenstadt erneut zur „Langen Nacht der Lichter“, die Geschäfte öffnen dann bis 22.00 Uhr. Dazu gibt es zwei besondere Stadtführungen, an denen immer um 20.30 Uhr spannende Geschichten rund um „Mainz leuchtet“ erzählt werden, sowie zwei urbane Führungen von LVNG MNZ zu den geheimnisvollen „verlorenen Marien“ – Infos und Buchung dazu hier im Internet.

Wegen des Festivals kommt es zudem zu Straßensperrungen und Änderungen im Öffentlichen Nahverkehr die Veranstaltungsfläche wird ab von 19.30 Uhr gesperrt und endet um 23.45 Uhr. Die Anreise mit Bus und Bahn wird dringend empfohlen. Die offizielle Eröffnung findet am Donnerstag, den 24. September 2026, um 19.45 Uhr auf dem Schillerplatz statt – die Besucher werden dann vom Balkon des Osteiner Hofs begrüßt.

Info& auf Mainz&: Alle Infos zum Late Light Festival „Mainz leuchtet“ 2026 findet Ihr hier im Internet. Unseren ausführlichen Bericht zum Festival 2025 könnt Ihr noch einmal hier auf Mainz& nachlesen:

Weniger Besucher bei „Mainz leuchtet“: Zirka 75.000 beim Late Light Festival – Kritik an Lightshows, Getränkestände erneut vermisst