Die Mainzer Johannisnacht steht in den Startlöchern: Am Freitag geht es los, vier Tage lang feiert dann Mainz sein großes Stadtfest zu Ehren von Buchdruck-Erfinder Johannes Gutenberg – es werden vier Tage Hochsommer und sehr viel Party. Die gesamte Innenstadt wird dafür zur Sperrzone, die Highlights sind natürlich das große Buchdrucker-Gautschen, die Musikacts, der Künstlermarkt, das Rheinvergnügen und das Weindorf der Winzer. Besonders in diesem Jahr: Der Johannis-Büchermarkt feiert sein 40-jähriges Jubiläum.

Er gilt als größter antiquarischer Büchermarkt seiner Art in ganz Deutschland: Der antiquarische Büchermarkt gehört zur Mainzer Johannisnacht, wie der Sommer und die Schorle. Rund um den kleinen Ballplatz reiht sich Buchstand an Buchstand, dort gibt es alles, was das Herz begehrt: Klassische Literatur und Kinderbücher, Originalgrafiken und Drucksachen aller Art, aber auch Schallplatten, Postkarten oder Literatur über Mainz – und manch einer hat hier schon alte Schätze oder nostalgische Erinnerungen zwischen Buchdeckeln wiedergefunden.
Seit 1986 gehört der Büchermarkt zu den stillen Höhepunkten der Johannisnacht, er sei „ein Ort der Begegnung – zwischen Leserinnen und Lesern, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Papier, Klang und Erinnerung“, sagt Organisator Jürgen Kipp: „Wer sich treiben lässt, findet nicht nur Bücher, sondern Momente der Entschleunigung und kleine Wunder zwischen zwei Buchdeckeln.“ Leider wollten das in den vergangenen Jahren immer weniger Besucher, viele Buchhändler klagten über geringe Besuche und Umsätze.
Gautschen, Tanzen, Feiern, Flanieren: Mainz feiert Gutenberg
In diesem Jahr soll es aber zum 40. Jubiläum noch einmal einen Schub geben, mehrere Antiquariate locken mit Raritäten, dazu sind die Stände immer gut dafür, sich mit Ferienschmökern einzudecken. Denn eines ist klar: Mit der Mainzer Johannisnacht verneigt sich die Mainz jedes Jahr vor seinem berühmtesten Sohn der Stadt: Johannes Gutenberg, Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern – und Auslöser einer Medienrevolution, die bis heute anhält.

„Auch in diesem Jahr gautscht, tanzt und flaniert Mainz wieder zu Ehren Johannes Gutenbergs in den Sommer“, verspricht Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos), der das große Stadtfest am Freitagabend um 18.00 Ur auf der Johannisnacht-Bühne am Schillerplatz eröffnen wird. Ihm zur Seite steht dabei erstmals der neue Bau- und Festdezernent Ludwig Holle (CDU), gemeinsam mit Gautschmeister Jürgen Schunk wollen die beiden Politiker in einem Talk „spannende Einblicke in Tradition, Organisation und die Bedeutung des Festes für Mainz“ geben.
Im Anschluss geht es gleich weiter mit „Wilden Worten“: Die Internationale Gutenberg-Gesellschaft feiert in diesem Jahr ebenfalls Jubiläum, und erlöfnet deshalb das Festprogramm auf der Bühne mit einem Poetry Slam. Unter dem Motto „Gutenberg für Demokratie“ wollen junge Wortkünstler die Kunst des poetischen Ergusses feiern, und damit Tradition und 21. Jahrhundert fest miteinander im Festgeschehen verankern – moderiert wird das Ganze von den Poetry-Slam-Experten „Wilde Worte“.
Fünf Bühnen, Kabarett & Kleinkunst, Weindorf der Winzer
Fünf Bühnen gibt es insgesamt in der Mainzer Innenstadt während der Johannisnacht, neben dem Schillerplatz ist die Rockland-Bühne auf dem Liebfrauenplatz im Schatten des Doms die Größte. Hier geben sich Coverbands in Serie die Ehre, darunter die Metallica Tribute Band „Metakilla“ am Freitagabend, Die Red Hot Chilli Peppers Band „The Red Hot“ oder die „Groundville Bastards“ am Samstag. Sonntag gibt’s „rockige Neuinterpretationen von Klassikern aus Rock, Pop, Soul“ mit „Lauder!“, Montag Pfälzer Party-Power.

Auf dem Schillerplatz wiederum könnt Ihr am Freitagabend die Deutsch-Pop Newcomerin Nina Jacob sowie Flo & Chris erleben, Samstag gibt’s Classics aus Pop, Rock, Soul, Funk, bis hin zu aktueller Clubmusik mit „Glow“ und Sonntag erst das deutsche Popschlager-Gesangsduo „Neonlicht“ (20.00 Uhr) und danach „Fredy und die Schlaghosen – Die große 70er Jahre Kult-Schlagershow.“ Zum Abschluss am Montag spielt traditionsgemäß die Meenzer Kultband „Jammin‘ Cool“.
Nebenan auf dem Ballplatz dürfen sich die Besucher wieder auf Kabarett und Kleinkunst freuen, ein Highlight ist etwa der Auftritt des Girlsband „Die Katzen“ am Samstag um 16.30 Uhr und der Auftritt von Fastnachtsstar Christian Schier (Samstag, 21.30 Uhr9, gefolgt von Indie-Pop und Chansons mit Marie Diot. Sonntag gibt’s Kabarett mit Nikita Miller und poetische Songs von und mit Denise Herwig, der Montagabend gehört Singer-Songwriter Jay Schreiber und den Salsa-Rhythmen.
Kirmes mit Riesen-Propeller, Dschungelcamp-Chaos und Octopussy
Aber die Mainzer Johannisnacht ist ja so viel mehr, als „nur“ Musik und Bühnenprogramm: Vom Schillerplatz bis zum Rheinufer zieht sich die Festmeile, in der gesamten Innenstadt wird flaniert und gefeiert. Auf dem Markt und auf dem Leichhof hinter dem Dom finden sich die beiden Weindörfer der Mainzer Winzer, auf dem Markt gibt es noch ein kleine Bühne – hier könnt Ihr unter anderem Laura Müller erleben (Sonntag, 18.00 Uhr), und vor allem die tollen Weine der Mainzer Winzer genießen.

Vor dem Theater und auf dem Fischtorplatz finden sich dann die ersten Stände der Mainzer Schausteller, vor dem Theater findet Ihr natürlich das Kinderkarussell, dazu ein großes Laufgeschäft mit dem Motto „Happy Family“. Zu Füßen des Fischtorplatzes beginnt dann auch der große Künstlermarkt, rund 140 Künstler, Kunsthandwerker und Händler bieten erneut eine Vielzahl von kreativen Ideen in den Bereichen Schmuck, Kleidung, Dekoration und Geschenke auf der Strecke bis zur Theodor-Heuss-Brücke.
Dahinter beginnt das Reich der bunten Lichter, der Zuckerwatte und der Adrenalin-Kicks: Die große Kirmes der Mainzer Schausteller zur Johannisnacht hat natürlich alle Klassiker dabei, wie Autoscooter und Kettenkarussell, ein „Dschungelcamp-Chaos“ und eine Familien-Achterbahn. Für Nervenkitzel auf dem „Rheinvergnügen“ sorgen in diesem Jahr der „Space X“, ein Propeller in 45 Metern Höhe, neue Attraktionen sind außerdem eine große Losbude sowie das „Octopussy“, eines der größten transportablen Flugkarussells, das genau wie ein Krake mit fünf Armen aussieht.
„Einfach Heiraten“ auf dem Riesenrad: Pfarrer und Segenssprüche
13 Fahr- und Laufgeschäfte sind insgesamt auf dem „Rheinvergnügen vertreten“, dazu kommen 106 Imbiss- und Ausschankbetriebe – von Bratwurst über Pizza und Reibekuchen bis Flammlachs -, 20 Süßwarenverkaufsstände, 20 Spielgeschäfte und 6 allgemeine Verkaufsstände. Besonderes Highlight in diesem Jahr: Auf dem Riesenrad „Grand Soleil“ können Paare bei der Aktion „Einfach heiraten“ ihre kirchliche Hochzeit direkt in einer Gondel in luftiger Höhe feiern.

Die Aktion „Einfach Heiraten“ wird vom Evangelischen Dekanat Mainz organisiert und findet am 19. Juni um 12.00 Uhr am Riesenrad statt. „Ob Eheversprechen erneuern oder spontan die Liebe segnen lassen – alles ist möglich“, heißt es dazu im Programm: „Egal ob gleichgeschlechtlich, hetero oder queer, egal welche Religion – jede*r ist willkommen.“ Verschiedene Pfarrer stehen am Riesenrad bereit, ein Segens- oder Trauspruch kann vor Ort ausgewählt werden – man kann zwischen einer Segnungsfeier (ohne Papiere und Formalitäten) oder einer offiziellen Trauung wählen, für Letzteres braucht Ihr die standesamtliche Trauurkunde und Eure Personalausweise.
Apropos Genuss: zwischen Fischtorplatz und Hyatt findet Ihr auch in diesem Jahr wieder die Kulinarik-Meile mit insgesamt 19 Ständen und Foodtrucks, organisiert vom Favorite Parkhotel und Gaul’s Catering. Hier gibt es exklusive Gourmetküche oder klassisches Streetfood für jeden Geschmack, allerdings auch zu üppigen Preisen, dazu gibt’s entspannte Sounds von international bekannten DJs – etwa aus St. Tropez mit Verstärkung von Saxophonisten und Sängerinnen.
Segelregatta, Drei-Brücken-Lauf und Buchdrucker-Gautschen
Wer es lieber sportlich mag, kommt ebenfalls auf seine Kosten: Am Samstag kann man am Rheinufer wieder die große Segelregatta live miterleben, am Sonntag startet um 09.30 Uhr an der Rheingoldhalle der Mainzer Drei-Brücken-Lauf – er ist mal wieder restlos ausgebucht. Ein sportliches Event der etwas anderen Sorte gehört ohnehin zu den großen Highlights der Mainzer Johannisnacht: Am Samstagnachmittag findet traditionell auf der Bühne am Liebfrauenplatz das große Buchdruckergautschen (16.00 Uhr) statt.

Mit dem alten Zunftbrauch werden den Absolventen symbolisch die Sünden der Lehrjahre und der Bleistaub abgewaschen, früher waren das die Lehrlinge der Buchdruckerzunft, heute sind es meist junge Mediengestalter. Sie werden im großen Waschzuber auf offener Bühne getunkt und getaucht, im Bottich landet auch jedes Jahr ein Prominenter – wer, wird vorher nicht verraten. 2025 landete Fastnachtsstar Thomas Neger im Bottich, in früheren Jahren waren es Größen wie Margit Sponheimer, Oberbürgermeister oder Stadtschreiber.
Fürs Staunen und Träumen mischen sich auch in diesem Jahr erneut zahlreiche Straßenkünstler unters Festvolk: „Dieses Jahr erwarten die Besuchenden so viele Künstler wie noch nie“, kündigte Programmplaner Oliver Valentin im Vorfeld an. Da werde „Flying Street Art“ mit mobiler Akrobatik und Musik begeistern, „Mademoiselle Prrrr“ schwebt erneut als Tuba spielende Wolke durch die Stadt und Simon Höneß rollt mit seinem Klavier durch die Mainzer Straßen. Für musikalische Unterhaltung sorgen ferner die Dudelsackspieler von „Moguntia Pipes & Drums“ und die „Sunshine Coconuts“ mit karibischen Klängen.
Erneut dabei ist auch der Zuschauer-Liebling „NoSoundExperience“, eine Streetdance-Gruppe aus Freiburg – und selbst Gutenberg kommt vorbei: Jörn Kölling wird mit seinem Theater-Fahrrad unterwegs sein, und Geschichten über das Leben des berühmten Mainzer Buchdruckers erzählen. Auch optisch wird der Buchdruck in Szene gesetzt: durch das Zebra Stelzentheater mit passenden Kostümen. Also: Sich treiben lassen, Genießen und Freunde treffen – so geht Mainzer Johannisnacht. Das Wetter soll fantastisch werden, es gilt allerdings eine Hitzewarnung – erwartet werden rund 500.000 Besucher an vier Tagen.
Erneut Drohnenshow statt Feuerwerk, dieses Mal mit Sportmotiven
Auf ein Highlight müssen die Mainzer allerdings auch in diesem Jahr verzichten: Das traditionelle Großfeuerwerk am Montagabend zum Abschluss des Festes wird erneut durch eine Drohnenshow ersetzt. Die hatte 2025 erstmals Premiere – und wurde zu einem veritablen Reinfall: Keine zehn Minuten dauerte das Event, 200 Drohnen zeichneten 12 eher blasse Bilder in den Nachthimmel – das war’s. Die große Mehrheit der Besucher zeigte sich tief enttäuscht, die Reaktionen reichten von „emotionslos“ bis hin zu „blamabel“ und „lächerlich“.

Und obwohl Oberbürgermeister Nino Hasse (parteilos) 2025 versprochen hatte, die Drohnenshow sei ein Test, damit sei „keine Vorentscheidung getroffen, das Feuerwerk dauerhaft zu ersetzen“ – soll nun genau das geschehen: Trotz der massiven Kritik an dem Event soll es auch in diesem Jahr erneut eine Drohnen-Licht-Show über dem Rhein geben. Die werde „doppelt so groß, mit ausgeweiteter musikalischer Verstärkung und zudem hell und hoch“ über dem Rhein in Richtung dunklen Nachthimmel stattfinden, verspricht Haase nun.
Thematisch soll es anlässlich der Fußball-WM 2026 sportlich zugehen, sagte Haase weiter: „Wir bieten in diesem Jahr als Motivbilder Highlights aus der Sportstadt Mainz mit passender musikalischer Untermalung für das sportlich-meenzerische ‚Wir-Gefühl‘ und sorgen damit für den perfekten Gänsehautmoment.“ Mainz wolle damit unterstreichen, dass die Stadt „umweltfreundlich, tierfreundlich – und spektakulär“ kann. Die Skepsis unter den Mainzer ist indes groß: Viele Zuschauer kündigten an, für eine Neuauflage einer Drohnenshow gar nicht mehr nach Mainz kommen zu wollen.
Info& auf Mainz&: Das ganze Programm der Mainzer Johannisnacht 2026 findet Ihr hier im Internet. Einen ausführlichen Bericht über die Drohnenshow bei de Mainzer Johannisnacht 2025 und die Reaktionen der Mainzer könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:







