Wie kann man die antiken Denkmäler des Römischen Mainz besser präsentieren? Am Sonntag ist Römertag in Rheinhessen, und der Verein „Rettet das Römische Mainz“ bietet dafür etwas ganz Besonderes: Auf einer Plattform im Internet kann man virtuell durch das römische Mogontiacum schlendern, Händler und Legionäre treffen und tief in die Antike eintauchen. Am Sonntag öffnen zudem antike Denkmäler in ganz Rheinhessen ihre Türen – vom Sironabad in Nierstein bis zur Villa Rustica bei Bingen.

Virtueller Rundgang durchs Römische Mainz: Im antiken Römischen Theater begrüßt Schauspielerin Livia. - Screenshot: gik
Virtueller Rundgang durchs Römische Mainz: Im antiken Römischen Theater begrüßt Schauspielerin Livia. – Screenshot: gik

Den Römertag gibt es bereits seit 1994, in diesem Jahr findet er am Sonntag, den 26. April statt, der Tag soll die für die Region so prägende Antike zu einem lebendigen Erlebnis machen. Den Auftakt macht das Museum der Stadt Alzey bereits am heutigen Samstag: Ab 16.00 Uhr lädt man hier zu einem „Römer-Flashmob“, um 18.00 Uhr folgt der Eröffnungsvortrag von Prof. Dr. Michael Sommer zum Thema „Debile Despoten? Caligula, Nero und andere Scheusale“.

Der Römertag selbst erstreckt sich über ganz Rheinhessen, unter anderem in Bingen, Ingelheim, Worms und Nierstein gibt es archäologische Führungen, lebendige Darstellungen römischer Militärstrategien und Mitmachaktionen. So könnt Ihr etwa die Villa Rustica im Binger Wald besuchen, im Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim in Antike eintauchen oder das Sironabad in Nierstein erleben oder die antike Palastvilla bei Mauchenheim.

- Werbung -
Werben auf Mainz&

In Mainz gibt es eine Premiere: Der Verein „Rettet das Römische Mainz“ lädt zu einer besonderen Rundtour durch das Römische Mainz. Auf einer speziell entwickelten Internetplattform könnt Ihr die antiken römischen Stätten des Landeshauptstadt virtuell erkunden. Das Besondere dabei: Die bislang fünf Stationen der Präsentation enthalten nicht nur ausführliche Informationen zu dem jeweiligen Denkmal, der Besucher wird dort auch von virtuellen römischen Charakteren begrüßt.

Werbung

 

Händler, Legionär, Schauspielerin führen durchs Römische Mainz

„Ich habe Männer sterben sehen – und Legenden entstehen“, berichtet da etwa Gaius Valerius Crispus, Veteran der Römischen Legion am Drususstein auf der Zitadelle. „Man sagt, der Turm sei für Drusus errichtet worden, das erzählen sie den Rekruten und den Besuchern – aber hör mir zu: Drusus liegt nicht hier“, sagt Crispus: „Sein Leichnam ging nach Rom, dort, wo Kaiser ruhen, nicht hierher. Was hier steht, ist kein Grab – es ist ein Kenotaph.“

Diese Gruppe von Studierenden entwickelte die virtuelle Römer-Präsentation als Semesterprojekt im Studiengang von Professor Christopher Dahm (ganz links). - Foto: gik
Diese Gruppe von Studierenden entwickelte die virtuelle Römer-Präsentation als Semesterprojekt im Studiengang von Professor Christopher Dahm (ganz links). – Foto: gik

Fünf Charaktere entstanden mit Hilfe von KI-Technologie, entwickelt wurden sie von Studierenden der Hochschule Rhein-Main im Studiengang Digitale Technologien von Professor Christopher Dahm. Es sei ein Semesterprojekt gewesen, aber es habe sich „zum Herzensprojekt entwickelt“, berichteten die Studierenden bei der Vorstellung im März: „Unser Ziel ist es, das Römische Mainz wiederzubeleben, und die Sehenswürdigkeiten sowie wichtige Stätten aus dem römischen Mogontiacum vorzustellen“, betonten die Studierenden – bei vielen Mainzer Bürgern seien die nämlich gar nicht bekannt.

Tatsächlich finden sich im Mainzer Stadtbild viele herausragende Zeugnisse von vor rund 2.000 Jahren, als das antike Mogontiacum Provinzhauptstadt, Legionslager und römische Handelsmetropole am Rhein war. „Viele Mainzer gehen wahrscheinlich an den Sehenswürdigkeiten vorbei, ohne sie wirklich zu beachten“, meinten die Studierenden. Diese Sehenswürdigkeiten wieder ins Zentrum des Bewusstseins zu rücken, sei Ziel des Projektes.

Werbung

Römisches Mainz wird durch Alltagsfiguren lebendig

Dafür tauchten die Studierenden tief in die Geschichte des römischen Mainz ein, führten Interviews mit Experten wie dem früheren Landesarchäologen Gerd Rupprecht, entwickelten Geschichten und setzten 360-Grad-Präsentationen des jeweiligen Denkmals um. Für fünf Stationen – den Drususstein, das Römische Theater, die Römersteine in Zahlbach das antike Stadttor auf dem Kästrich sowie dem Standort der Jupitersäule and er Großen Bleiche – entstanden so umfassende Panoramas und Geschichten.

Händler Marcus Julius Primus begrüßt die Besucher in den Resten des antiken römischen Stadttors auf dem Kästrich. - Screenshot: gik
Händler Marcus Julius Primus begrüßt die Besucher in den Resten des antiken römischen Stadttors auf dem Kästrich. – Screenshot: gik

So begrüßt an den Resten des antiken Stadttors der Händler Marcus Julius Primus die Besucher: „Jede Meile zwischen Mogontiacum und der Wetterau ist mir vertraut“, berichtet er: „Ich bringe Getreide, Öl, manchmal Wein. Zurück nehme ich Metall, Stoffe, Münzen. Das Militär zahlt gut, die Zivilisten pünktlich. Solange dieses Tor offen steht, fließt der Handel, und solange der Handel fließt, lebt die Stadt.“

Und so wird mit Primus‘ Schilderung nicht nur die Bedeutung der antiken Mauerreste lebendig, er macht auch ihre Bedeutung klar: „Kein Tor – kein Markt, kein Markt – keine Stadt“, sagt Primus: „Dieses Tor steht nicht für Macht, es steht für: Bewegung.“ Im antiken Römischen Theater begrüßt Schauspielerin Livia die Besucher, obwohl bei den Römern Schauspielerinnen gar nicht zugelassen waren – aber wer weiß? Miminnen gab es damals schon, und Livia thematisiert auch die Rolle der Frauen in der Römerzeit.

Werbung

Kernidee: Alltag des Römischen Mainz wieder erlebbar zu machen

Die Plattform sei ein Ergebnis des Tourismuskonzeptes, das der Verein im vergangenen Dezember vorstellte, saget Vereinsvorsitzender Christian Vahl gegenüber Mainz&: „Ziel ist es, eine Plattform zur Verfügung zu haben, mit der der Bürger einen virtuellen Besuch im antiken Mogontiacum machen kann“, erklärt Vahl. Der Verein „Rettet das Römische Mainz“ hat sich zum Ziel gesetzt, die antiken Denkmäler im Stadtbild besser zu präsentieren, gerade setzt er sich für die Rückkehr der Großen Mainzer Jupitersäule an ihren angestammten Platz vor dem Mainzer Landtag ein.

Zwei Vorstandsmitglieder des Vereins "Rettet das Römische Mainz", Hartmut Fischer und Christian Vahl (rechts) mit den Einzelteilen der Mainzer Jupitersäule beim Steinmetzbetrieb Sauer. - Foto: gik
Zwei Vorstandsmitglieder des Vereins „Rettet das Römische Mainz“, Hartmut Fischer und Christian Vahl (rechts) mit den Einzelteilen der Mainzer Jupitersäule beim Steinmetzbetrieb Sauer. – Foto: gik

Die Kernidee sei weiter, den Alltag des Römischen Mainz auch für heutige Besucher wieder sichtbar und lebendig zu machen, sagte Vahl – die Präsentation entstand in Zusammenarbeit mit der Hochschule. „Man kann an den Orten virtuell herumlaufen, von rechts nach links verschiedene Ansichten sehen, das ist spannend, attraktiv, anziehend, und bietet für alle Alltagsgruppen einen Zugang“, schwärmte Vahl über die Umsetzung durch die Hochschule. Es seien vor allem die Alltagsfiguren, die das Leben in der Antike „mit den Figuren so lebendig machen, dass man das Alltagsleben spürt.“

Die Präsentation soll nun der Stadt Mainz zur Vermarktung angeboten werden zur Nutzung, man werde sich nun auf Fördermittel bewerben, verriet Professor Dahm gegenüber Mainz&. Denn das Material gebe noch viel mehr her: einen Social Media-Kanal, ein Wissensquizz – womöglich alles zusammen integriert in eine App zum Römischen Mainz. „Die Stadt wäre schlecht beraten, wenn sie das nicht aufgreifen würde“, sagte Vahl.

Ansehen kann man das Ganze aber jetzt schon: Unter https://tour.roemischesmainz.de/ geht es ins antike Mogontiacum – ruft man es auf dem Handy auf, kann man auch an den Denkmälern vor Ort ein Stück römische Geschichte erleben. Und alle Infos zum Römertag 2026 findet ihr hier im Internet.

Info& auf Mainz&: Ausführliche Infos zum Römischen Mainz findet Ihr auch auf Mainz& – in unserem Römischen Adventskalender haben wir 24 Türchen nach Mogontiacum geöffnet, es sind 24 Streifzüge ins römische Mainz – schaut mal vorbei! Ausführliche Infos zum Tourismuskonzept des Vereins „Rettet das Römische Mainz“ könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:

Tourismuskonzept für das Römische Mainz: Verein schlägt Römischen Hafen und Gärten, Inszenierungen und Archäologie in Leerständen vor