Das Wochenende steht natürlich ganz im Zeichen von Halloween, hoffentlich habt Ihr auch schon Eure Kürbisse geschnitzt 😉 Gegen das aus Amerika rübergeschwappte Fest laufen zwar immer noch vorwiegend Konservative Sturm, aber seien wir mal ehrlich: Halloween ist längst auch in Deutschland angekommen. Halloween-Parties boomen, das Dommuseum hält mit einer „Langen Nacht der Heiligen“ dagegen. Trotzdem ist am Wochenende noch einiges mehr los: Die Gewerkschaft ver.di zitiert miese Jobs der Paketbranche vor Gericht, und es gibt jede Menge Führungen: eine zeigt die Geschichte der Uni Mainz, eine andere führt durch die alte Synagoge in Weisenau. Und es ist Allerheiligen – Zeit für den Tag des Friedhofs.

Samstag, 31. Oktober, 10.00 Uhr: Miese Jobs im Unterhaus vor Gericht, mit Günter Wallraff

Günter Wallraff auf dem RTL-Spendenmarathon 2014 in Hürth bei Köln.
Enthüllungsjournalist Günter Wallraff 2014 in Hürth bei Köln – Foto Miachel Schilling/WikimediaCommons

Das gibt ein ganz besonderes Tribunal am Samstag: Ab 10.00 Uhr stehen im Mainzer Unterhaus „Miese Jobs vor Gericht“. Das Ganze ist eine Aktion der Dienstleistungsgesellschaft ver.di, konkret geht es um die Branche der Paketzusteller. Die arbeiten eigentlich in einer boomenden Branche, dem Internethandel sei Dank. Doch bei den Zustellern kommen „in erster Linie prekäre Arbeitsbedingungen, Arbeitshetze und Hungerlöhne an“, kritisiert die Gewerkschaft. Die Player der Branche gäben die Verantwortung für die miesen Arbeitsbedingungen einfach an die Sub- und Sub-Sub-Unternehmer ab.

Beim „Tribunal Arbeit“ wird ver.di von prominenten Zeugen und Sachverständigen unterstützt: Niemand Geringeres als der Enthüllungs-Journalist Günter Wallraff ist zu Gast und berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen in der Branche. Der Koblenzer Arbeitsprofessor Stefan Sell wiederum steuert seine Einschätzung aus wissenschaftlicher und arbeitsrechtlicher Sicht bei. Dazu sollen direkt Betroffene aussagen und „ein erschütterndes Bild der unhaltbaren Situation von Arbeitnehmern in einer boomenden Branche“ zeichnen, wie ver.di ankündigt. Gerichtspräsidentin und Moderatorin ist die frühere SWR-Journalistin Margarete Ruschmann.

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Samstag, 31. Oktober, „Miese Jobs vor Gericht: Tribunal Arbeit in der Paketzustellung“ ab 10.00 Uhr im Mainzer Unterhaus. Wir nehmen mal an, dass der Eintritt frei ist. Infos hier noch mal im Internet.

Samstag, 31. Oktober, 13.30 Uhr: Herbstpflanzaktion an der Grünen Brücke

Die Grüne Brücke in der Mainzer Neustadt ist ja ein ganz besonderer Ort: Die begrünte Brücke über die Rheinallee ist eine seit 1981 bestehende kleine Kunst- und Naturlandschaft in der Mainzer Neustadt, die von dem Umweltkünstler Dieter Magnus in den 70er Jahren entworfen wurde. Es war die Zeit des Betons und der „Autostadt“, Magnus setzte dem eine Betonbrücke entgegen, die ein wahrer Naturgarten ist. Seit 2011 veranstaltet der Naturschutzbund NABU eine herbstliche Pflanzaktion auf der Grünen Brücke – am Samstag ist es mal wieder so weit.

Mehr Grün in der Stadt - die Grüne Brücke in der Neustadt macht's - Foto: gik
Mehr Grün in der Stadt – die Grüne Brücke in der Neustadt macht’s – Foto: gik

Auf der Grünen Brücke summen Bienen einer Imkerei und wachsen unter anderem Ginster und der Blaurote Steinsame, die Blume des Jahres 2000, Alpen-Heckenrose, Moschusmalve, Windöschen und Glockenblume. „Wir vom NABU sind schon ein wenig stolz darauf, dass wir die Kosten für die Grünpflege vollständig aus privaten Eigenmitteln finanzieren können“, heißt es in der Ankündigung zudem. Dazu findet das Projekt immer größeren Anklang – gerade hat sogar eine Delegation japanischer Naturschützer bei ihrer Deutschlandreise das Projekt besichtigt.

Samstag, 31. Oktober ab 13.30 Uhr Herbstliche Pflanzaktion des NABU zur naturnahen Gestaltung der Grünen Brücke, Grüne Brücke über die Rheinallee in der Mainzer Neustadt.

Samstag, 31. 10., 14.00 Uhr: Führung über den Campus der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

Erstsemester aufgepasst: Euer Start in das Studileben ist ja hoffentlich geglückt, aber wisst Ihr eigentlich auch, wo genau Ihr da gerade studiert? Die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz hat nämlich ein lange und eine kurze Geschichte – sie wurde 1477 zum ersten Mal gegründet und 1946 zum zweiten Mal. 2016 feiert die Uni deshalb ein wenig irreführend ihr 70-jähriges Bestehen. Heute ist die Mainzer Uni mit rund 33.000 Studierenden die größte Uni in Rheinland-Pfalz und vereinigt 150 Institute, die meisten auf dem Uni-Campus zwischen Bretzenheim und der Innenstadt.

Eingang Uni Mainz
Ehemalige Flak-Kaserne, heute Uni: der Campus in Mainz – Foto: gik

Am Samstag gibt es dazu eine spannende Führung (nicht nur für Erstsemester) über genau dieses Uni-Campus vom Verein Geographie für Alle – die stehen für Qualität. „Campus zwischen Exzellenz und ‚Best Practice'“ heißt der Rundgang, er präsentiert die Entwicklung der Universität von ihren Anfängen in der ehemaligen Flak-Kaserne bis hin zu einem akademischen „Global-Player“ und führt an faszinierenden Schwerpunkten der internationalen Spitzenforschung vorbei. Oder wusstet Ihr, dass am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie ein veritabler Nobelpreisträger lehrt(e)? Paul Crutzen bekam für seine Forschungen in der Atmosphärenchemie 1995 den Nobelpreis für Chemie.

Samstag, 31. Oktober, Rundgang „Campus zwischen Exzellenz und ‚Best Practice'“ des Vereins Geographie für Alle. Treffpunkt: 14:30 Uhr, Campus, Johann-Joachim-Becherweg 21, neben der „Muschel“. Im Internet steht dazu ein Preis von 7,- Euro, das Geographische Institut teilte aber ausdrücklich mit, die Teilnahme sei kostenlos. Wisst Ihr Bescheid 😉 Dauer: ca. 2 Stunden. Infos im Internet hier.

Sonntag, 1. November: Führung Mainzer Stadtgeschichte(n) auf dem Mainzer Hauptfriedhof

An Allerheiligen wird traditionell der Verstorbenen mit einem Besuch auf dem Friedhof gedacht. Die Mainzer würdigen seit einigen Jahren an diesem Tag aber auch der Geschichte ihrer Stadt, schließlich ist der Mainzer Hauptfriedhof ein sehenswerter Ort an sich: Gegründet vom französischen Präfekten Jeanbon de St. André im Jahr 1803 wurde der Mainzer Hauptfriedhof über die Jahrhunderte zu einem aufgeschlagenen Geschichtsbuch der Stadt: Hier liegen Größen wie der legendäre Mainzer OB Jockel Fuchs, der erste Präsident der Weimarer Nationalversammlung, Erfinder, Luftfahrtpioniere, Schriftsteller und der Dichterkomponist Peter Cornelius.

Foto Hauptfriedhof Grab St. André - Mainzer Wirtschaftsbetriebe Christian Schulze
Grab des Gründers des Mainzer Hauptfriedhofs, des französischen Präfekten Jeanbon St. André – Foto: Wirtschaftsbetrieb Mainz

Eine Führung zu all den Gräbern von Persönlichkeiten auf dem Mainzer Hauptfriedhof gibt es auch dieses Jahr an Allerheiligen wieder vom Verein Geographie für Alle. Schauspieler schlüpfen dabei in die Rollen der historischen Persönlichkeiten. Da kommt eine Vorkämpferin für Frauenrechte im 19. Jahrhundert zu Wort und wird an einem Familiengrab mit Lehrern aus vier Generationen die Entwicklung des Bildungswesens nachvollzogen. Und ein genialer, aber wirtschaftlich wenig erfolgreicher Architekt berichtet, wie er zu einem angesehenen Schriftsteller avancierte…

Sonntag, 1. November, „Persönlichkeiten auf dem Mainzer Hauptfriedhof“, Rundgang zu den Gräbern berühmter Mainzer. Start alle 15 Minuten zwischen 10.30 Uhr und 12.00 Uhr sowie zwischen 13.30 Uhr und 15.00 Uhr. Dauer: ca. eine Stunde. Treffpunkt ist der Haupteingang des Hauptfriedhofs an der „Unteren Zahlbacher Straße“. Anmeldung nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos. Es werden aber Spenden für das „Human Help Network“ zugunsten von Flüchtlingskindern und unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen gesammelt. Der „Tag des Friedhofs“ macht dagegen in diesem Jahr Pause. Mehr zum Mainzer Hauptfreidhof findet Ihr in diesem Mainz&-Artikel.

Mainz& wünscht allen da draußen Happy Halloween! Oder besinnliche Allerheiligen. Je nachdem, was Ihr feiert 😉

Mainz& feiert jedenfalls Halloween. Warum? Nun, das hat eine Menge Gründe. Einer davon: Mainz&-Gründerin Gisela Kirschstein hat nicht nur Amerikanistik studiert, sondern auch insgesamt 1,5 Jahre in den USA gelebt. Und dort ganz persönlich für sich Halloween entdeckt. Als Fest, das den Einschnitt zwischen Herbst und Winter markiert. Als uraltes keltisches Fest, das der Toten in einer sehr urtümlichen Form gedenkt – mit Lichtern, Speisen für die Verstorbenen und sehr alten Symbolen. Happy Halloween Vector Grafik

Der ausgehöhlte Kürbis hat schließlich seinen Ursprung im Jack O’Lantern, einer Kürbislaterne irischer Einwanderer in den USA. Die brachten alte keltische Traditionen mit in die neue Heimat – vor allem auch das Samhain-Fest in der Nacht zum 1. November. Nach keltischem Glauben stehen an Samhain, dem alten Wendefest zum Winter, die Tore zur anderen Welt der Toten offen. Die Toten können an jenem Tag noch einmal mit den Lebenden speisen, an Samhain starben nach keltischer Mythologie Helden und Götter. Bis heute wird Samhain in Irland begangen – Halloween ist also ein ur-europäisches Fest.

Für uns ist Halloween damit ein Tag des Gedenkens an die Toten, ein Fest des Resumees und der Rückschau – und die Nacht des Abschieds vom Sommer und der Einstimmung auf den Winter. In diesem Sinne: Happy Halloween!

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