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Jahresarchive: 2019

Gretel, Rastaman und Amor – GCV rettet beim veganen Marktfrühstück das Klima, die Erde und den Wein

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Die Schnorreswackler zelebrierten Klima-Flashmob... - Foto: gik

Der Metzger versteht die Welt nicht mehr. „Der Marktstand ist zu kurz, Sie liegen exakt 11 Zentimeter unter der Norm“, reklamiert Frau Pegel von der Marktordnung, und verhängt eine saftige Geldbuße. Ein Strafzettel, weil die Worscht zu warm, und der Stand zu kurz? Das kann nur das närrische Marktfrühstück des Gonsenheimer Carnevals Vereins (GCV) sein. Gut dreieinhalb Stunden brennt der GCV bei seinen Kammerspielen 2019 ein hochkarätiges närrisches Feuerwerk vom Feinsten ab, bei dem Veganer, Klimaschützer und natürlich die Stadtpolitik ihr Fett weg bekommen. Am Ende wird ein Großer verabschiedet, retten die Ökos das Klima und die Ratten den Wein – ein närrischer Marktbummel der Extraklasse.

Marktduell mit Sebastian und Christina Grom bei den GCV Kammerspielen 2019. - Foto: gik
Marktduell mit Sebastian und Christina Grom bei den GCV Kammerspielen 2019. – Foto: gik

Zum Jahresende 2019 zeigt sich: Die Nachwuchsförderung des GCV trägt reife Früchte. Die Gebrüder Werum sind mit ihrem Einstiegslied schon zu einer festen Größe geworden, natürlich besingen sie dieses Mal das Marktfrühstück. Das erste Highlight setzt dann gleich Christophe Hinz als närrischer Bundeswehr-Flieger, der rasant-spritzig den Saal aufmischt – klasse! „Haste Worscht in der Tasche, haste immer was zum Nasche“, singen die Fleischworschtathleten, und stemmen sich damit gegen den um sich greifenden Veganertrend, den der Narrenmarkt genüsslich glossiert: „Vegane Metzgerei – wir nennen das Blumenladen“, lästert der Metzger.

Die Ode an die Worscht erfreut ihn sichtlich, denn ansonsten hat er schwer zu kämpfen: An seinem Stand ist tote Hose, während nebenan am Weinstand die Schlange nicht abreißt. „Sie müssen sich neu erfinden, sonst gehen Sie mit der Zeit“, rät die Frau vom Weinstand: „Die Würstchen müssen winzig klein sein, die Preise aber riesengroß.“ Und setzt mal eben den Schoppen auf einen Euro runter mit der Ansage: „Wer mehr säuft, fährt weniger Auto, dadurch sparste jede Menge CO2“, sagt die Weinfrau, und intoniert zur Gaudi des Publikums: „Fahr net fort, sauf‘ im Ort!“

Christina Grom als Marktfrau und Sebastian Grom als Metzger liefern sich ein herrliches Marktduell und damit eine nonchalante Sitzungsmoderation in feinster moderner Spielform ab – fleißig unterstützt von Lea Heymann als herrlich nervig und entlarvend-korrupte Marktchefin… Das Top-Thema der Kampagne 2020 aber bricht sich an diesem Abend schon mal mit Macht Bahn: Greta Thunberg und die neuen Klimaschützer werden die Bühnen bevölkern – bei den Kammerspielen des GCV lassen sie sich gleich mehrfach blicken. Da kalauert sich es „Gredl aus Ober-Olm“ durch Transportwege und Gemüse, geht „Shoppe for Future“, und seufzt: „Man muss immer so schlinge, sonst wird’s welk…“ Nachwuchsliebling Luca Lautenschläger liefert erneut ein närrisches Kammerstückchen ab, kurz, knackig und närrisch.

Klasse Auftakt der GCV Kammerspiele: Christophe Hinz als Bundeswehrflieger. - Foto: gik
Klasse Auftakt der GCV Kammerspiele: Christophe Hinz als Bundeswehrflieger. – Foto: gik

Überhaupt drückt der GCV an diesem Abend gewaltig aufs Tempo: Die Nummern sind ausgesprochen kurz, das macht die Sitzung extrem kurzweilig und bekommt vielen Programmpunkten gut. Und immer wieder streuen die Programmchefs Thomas Becker und Severin Geisler kleine Musiknummern dazwischen wie die „Vegane Fleischworscht“ des stimmgewaltigen Thomas Feller oder die nette neue Mainz-Hymne „Meenz, Du bist Heimat“ von Laura Heinz.

Und so laufen die Akteure in diesem schwungvollen Reigen auch selbst zu Hochform auf – ein erstes großes Highlight: Der Coffeeshop von Torsten Schäfer als höchst skurriler Rastaman, der an seinem Stand Muckefuck (Sex zu guter Musik) verkauft, oder doch – Tüten? „Sie werden doch nicht im hochanständigen Gonsenheim Kondome verkaufen?“, entsetzt sich da der herrlich steife Snob Thorsten Spengler, und verkündet: „Ich brauche eine Tüte mit Niveau!“ Gibt es – denn der Rastaman verkauft subversiv-verdeckt tatsächlich illegale alte Plastiktüten. „Voll Vintage“, staunt Snob „Karl-Heinz“ angesichts der alten Schätzchen von Aldi-Tüte oder gar Schlecker-Beutel – eine großartige närrische Persiflage auf aktuelle Umweltdebatten.

Grandiose Coffeeshop-Show mit Torsten Schäfer und Thorsten Spengler. - Foto: gik
Grandiose Coffeeshop-Show mit Torsten Schäfer und Thorsten Spengler. – Foto: gik

Abfuhren, und zwar jede Menge, verteilen danach Jens Ohler und Andreas Müller als extrem gechillte Gassekehrer mit großer Schauspielkunst, trotzdem finden die Meenzer „Ratten“ Johannes Bersch und Thomas Becker danach allerlei Krümel auf dem Markt der internationalen Diktatoreneitelkeiten von Donald Trump über King Jon Un bis hin zum Briten Boris Johnson und der „Rattenplage AfD“. Die Nagetiere mit Kanalisationshintergrund brennen ein herrliches Gagfeuerwerk ab, und trollen sich schließlich frei nach dem Motto: „Katzen würden Whiskas kaufen, Ratten würden Riesling saufen.“

„Die Trauben hängen das ganze Jahr doof rum, mache nix, sind dann besoffen und werden gekauft wie doof“, seufzt da das Gemüse vom Marktstand nebenan – die „Vier Alten“ Benno Hellmold, Michael Emrich, Martin Heininger und Christian Schier liefern ein närrisches Allerlei auf höchstem Niveau ab, wieder einmal. Das kongeniale Quartett verteilt Spitzen gegen Superfood und Supp-Unternehmer, legt die SPD schon mal in die Kiste – und landet am Ende doch selbst verwelkt im Wildpark Gonsenheim. Die Vier Alten kommen später noch einmal auf ihre Parkbank zurück und liefern Durchblick zu E-Scootern, OB-Wahl und natürlich dem Klimaproblem.

Verrücktes Gemüse beim närrischen Marktfrühstück. - Foto: gik
Verrücktes Gemüse beim närrischen Marktfrühstück. – Foto: gik

Auf dem Markt geht’s derweil turbulent zu: Ein Junggesellinnenabschied mischt die Szene auf, das Ballett der Füsiliergarde macht mit Jeansjacken, Tütüts und einer Braut gute Stimmung. Da darf Amor natürlich nicht fehlen: Marius Hohmann nimmt als göttlicher Liebesbote mit rasantem Wortwitz Dating-Apps und Lebenspartnerabschnitts-Zustände aufs Korn und zelebriert mit seiner Shoppepartner24.de-App, wie es im wahren Leben auch mit dem unwahrscheinlichsten Nachbarn klappt: „Alkohol ist keine Lösung, sondern ein Destillat“, doziert Amor, „spätestens nach elf Schoppe verliebt sich jeder Single bei mir.“ Was umgehend Peter Büttner als Finther Landwirt und Jessica Hochhaus als Akademikerin mit einer großartigen Performance beweisen…

Sorgen für die richtigen närrischen Abfuhren: Andreas Müller und Jens Ohler als Straßenkehrer. - Foto: gik
Sorgen für die richtigen närrischen Abfuhren: Andreas Müller und Jens Ohler als Straßenkehrer. – Foto: gik

Es kann nur noch närrischer werden – und das zelebrieren de‘ Karl alias Rudi Hube und die Elsbeth alias Michael Emrich, die ein französisches Galadiner gewinnen, und natürlich Kellner Achim Hube in den Wahnsinn treiben und am Ende mit Koch Johannes Emrich in die Küche entschwinden – Michael Emrich frönt mal wieder seiner Leidenschaft zur närrischen hohen Kunst in Frauenkleidern, während die Söhne Hube und Emrich ihren alten Herren französisch-gewitzt durchaus das Wasser reichen können – groß.

„Schön wird die Welt bald nicht mehr sein“, singen Greta und

Die Schnorreswackler sangen vom Frieden. - Foto: gik
Die Schnorreswackler sangen vom Frieden. – Foto: gik

ihre Klimaaktivisten – na klar: Die Brüder Bockius kommen natürlich am Phänomen des Jahres 2019 auch nicht vorbei. Richtig gut aber sind sie mal wieder mit einer neuen Mainz-Hymne samt furioser Rap-Einlage – die Meenzer Antwort auf die Kölner Musikszene. Altmeister Erhard Grom schaut als Finther Gockel noch schnell Politiker, Fußball und dem neuen MCV-Präsidenten auf die Flügel, bevor schon die nächste Gemüsetruppe über die Bühne wirbelt: Das GCV-Ballett mit wunderschönen Kostümen.

Klar, dass man danach mal austreten muss, und weil die Schlange am Busch zu lang ist, verschlägt es den ein oder anderen Besucher dann doch zu „Josef Stratzinger & Söhne – läuft bei uns.“ Die spülen mit Felswasser und bauen gerade das Erweiterungsset mit Musik ein – eine herrlich schlüpfrig-närrische Einlage der Herpes House Band.

Sagte leise Adios: Werner Renkes schließt seine Cantina del Popolo. - Foto: gik
Sagte leise Adios: Werner Renkes schließt seine Cantina del Popolo. – Foto: gik

„Rettet unsere Erde hier, sie ist die einzige mit Schnaps und Bier“, skandiert da der Flashmob auf dem Marktfrühstück – die Schnorreswackler schlurfen als Ökos und Klimaretter daher und singen „aus Angst vor dem Wandel mein Lied, und hoffen dass nichts geschieht“. Das bisschen Klima wird sich doch noch retten lassen, wenn nur die Schnorreswackler die Welt regieren (Achtung, Ohrwurm!). Die Gesangstruppe liefert schon wieder hitverdächtige neue Hymnen ab, groovende Rhythmen auf Parkbänken und Weinfässern inklusive…

Bleibt am Ende nur noch die Verneigung vor einem, der nach 15 Jahren seine Cantina del Populo schließt: Werner Renkes serviert als Kantinenwirt Antonio vom Bundestag seinen letzten Grappa mit deftigen Polit-Spitzen gegen die Irrenhäuser der hohen Politik, und sagt am Ende „Finito, Basta, Aus.“ Wieder ein Großer des politischen Vortrags, der sich von der Bühne verabschiedet – der Saal dankt ihm mit minutenlangen stehenden Ovationen.

Info& auf Mainz&: Mehr zu den neuen Ohrwürmern der kommenden Kampagne findet Ihr in unserem Mainz&-Videokanal auf Youtube, genau hier entlang bitte. Unsere Fotogalerie ist leider dieses Mal aus technischen Gründe etwas eingeschränkt, sorry an alle Akteure, die wir deshalb nicht abbilden konnten.

 

 

 

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Ökologische Weihnachtsbäume in Mainz weiter rar – Bio-Bäume vereinzelt an Baumärkten oder in Hessen

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Weihnachtsbäume sind Pestizidschleudern, davor warnen jedes Jahr wieder Umweltverbände und Verbraucherschützer: Die Lieblingsdeko der Deutschen zum Christfest wird zumeist in Weihnachtsbaumkulturen unter hohem Chemieeinsatz produziert. In den warmen Stuben können diese Chemikalien dann besonders gut ausdünsten – wer das vermeiden will, greift lieber zum Bio-Weihnachtsbaum. Doch im Gegensatz zu Hessen sind Öko-Weihnachtsbäume weiter Mangelware – Mainz& sagt, wo es sie gibt.

Öko-Weihnachtsbaum mit FSC-Siegel - Foto: Umweltministerium RLP
Öko-Weihnachtsbaum mit FSC-Siegel – Foto: Umweltministerium RLP

Weihnachten ohne Weihnachtsbaum ist für viele undenkbar, in den kommenden drei Wochen werden in Deutschland nach Angaben des Naturschutzbundes (NABU)  Hessen über 30 Millionen junge Fichten und Tannen in die Stuben der Deutschen wechseln. „Leider sind viele Weihnachtsbäume alles andere als nachhaltig, die meisten Weihnachtsbäume stammen leider aus Plantagen, in denen kräftig gespritzt und gedüngt wird“, warnt NABU-Landeschef Gerhard Eppler. Insektizide gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbizide gegen konkurrierendes Gewächs und Mineraldünger für einen gleichmäßigen Wuchs und für eine intensive Grün- und Blaufärbung der Nadeln – der Cocktail könne die Raumluft während der Feiertage mit Pestizid-Ausdünstungen belasten.

Der NABU empfehlt deshalb den Kauf von Fichten, Kiefern oder Tannen aus Durchforstung oder aus Weihnachtsbaum-Kulturen, die nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet werden. „Mit dem Kauf eines Baumes mit Siegel von Naturland, Bioland, Demeter oder Forest Stewardship Council (FSC) setzen Verbraucher ein Zeichen für den giftfreien Anbau von Weihnachtsbäumen“, rät Eppler. Denn das garantiere, dass die zur Neupflanzung vorgesehenen Flächen für Weihnachtsbaum-Kulturen nicht mit Herbiziden kahlgespritzt, sondern mechanisch von Aufwuchs befreit würden. Auch später würden Wildkräuter im Ökoanbau nicht durch Pestizide vernichtet.

In Mainz sind aber auch im Jahr 2019 Öko-Weihnachtsbäume noch rar gesät. Nach Angaben der Umweltorganisation Robin Wood bietet sogar die Baumarktkette Bauhaus in Mainz-Mombach und Mainz-Weisenau BIO-zertifizierte Nordmann-Tannen an (Größe 1,50-2,00 Meter, zu 39,95 Euro), jedoch nur 25 Stück pro Filiale – da heißt es schnell sein. Für alle anderen sicheren Bezugsquellen muss man indes nach Wiesbaden: Dort gibt es Robin Wood zufolge Bio-Bäume bei Pflanzen Kölle sowie bei Blumen Bleker – sogar bei IKEA in Wallau sind die angebotenen Weihnachtsbäume aus biologischer Produktion. Auch der Landesbetrieb Hessen-Forst produziert seine Weihnachtsbäume ohne Einsatz von Pestiziden und Mineraldüngung und bietet an 33 Plätzen Weihnachtsbäume an.

Oh Tannenbaum, wie grün bist Du wirklich? - Aktion Robin Wood 2017
Oh Tannenbaum, wie grün bist Du wirklich? – Aktion Robin Wood 2017

In Rheinland-Pfalz sind zwar die Weihnachtsbäume aus dem Staatswald großflächig öko, bereits 2016 habe man als erstes Bundesland die sogenannte FSC-Zertifizierung der Weihnachtsbäume eingeführt, teilte das Umweltministerium mit. Das garantiere, dass die Bäume ohne Pestizide und ohne Kunstdünger aufwachsen. Trotzdem sind noch immer nicht an allen Forstämtern Öko-Weihnachtsbäume zu haben, die FSC-zertifizierten Bäume seien  aktuell an den Forstämtern Kaiserslautern, Soonwald, Trier, Rheinhessen, Donnersberg, Johanniskreuz, Otterberg und Kusel zu haben, teilte das Ministerium mit. Es könnten eben nicht alle Forstämter auf einmal zertifiziert werden, weitere würden in den kommenden Jahren folgen.

Damit gibt es nach den offiziellen Angaben zwar Öko-Weihnachtsbäume im Forstamt Alzey, aber offenbar weiter nicht in den Forstämtern Ober-Olmer Wald oder Lennebergwald – ob die dort bei den beliebten Weihnachtsbaumverkaufsevents feil gebotenen Bäume nun öko sind oder nicht, war auch dieses Jahr wieder nicht zu erfahren. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss nach Hessen ausweichen.

In Rheinland-Pfalz betont man derweil, die Bäume trügen in diesem Jahr erstmalig auch das Fair-Trees-Siegel. Fair-Trees-Bäume werden unter Beachtung guter Arbeitsbedingungen produziert, das gelte vor allem bei der Saatgutgewinnung: Denn der beliebteste Weihnachtsbaum in deutschen Wohnzimmern, die Nordmanntanne, habe „oft einen traurigen Ursprung“, betont das Ministerium: Die Samen würden oft unter menschenunwürdigen Bedingungen im Kaukasus, der Ursprungsregion der Baumart, gewonnen. Von hier stammten rund 90 Prozent der Samen, die in schwindelerregenden Höhen von 40 bis 60 Metern von Zapfenpflückern geerntet werden müssten. Für jeden verkauften Fair-Trees-Weihnachtsbaum werde ein fester Betrag in die Verbesserung der Verhältnisse der Zapfenpflücker gespendet.

Info& auf Mainz&: Eine Liste von Verkaufsstellen von Öko-Weihnachtsbäumen gibt es bei Robin Wood, Infos warum das sinnvoll ist gibt es hier, die Liste zum Download genau hier. Informationen zum Weihnachtsbaum aus rheinland-pfälzischen Wäldern samt Verkaufsstellen gibt es hier im Internet.

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Verwaltungsgericht Mainz lehnt Vollstreckung von Dieselfahrverboten ab – DUH widerspricht

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Demo vor der IAA 2017

Das Verwaltungsgericht Mainz hat die sofortige Vollstreckung von Dieselfahrverboten in Mainz vorerst abgelehnt. Der Antrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf sofortige Umsetzung von Dieselfahrverboten sei unbegründet, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Die Stadt Mainz sei im Oktober 2018 nämlich nur dazu verurteilt worden, ihren Luftreinhalteplan unter Aufnahme von Verkehrsverboten fortzuschreiben. Was die Umsetzung der Maßnahmen des Plans angehe, entfalte das Urteil aber keine Bindewirkung. Im Klartext: Einklagen könne die DUH auf der Grundlage des Urteils nur die Buchstaben des Luftreinhalteplans, nicht aber die Umsetzung der Fahrverbote selbst. Die Umwelthilfe widerspricht.

Stau auf der Mainzer Rheinallee - genau hier steigen die Stickoxidwerte wieder. - Foto: gik
Stau auf der Mainzer Rheinallee – genau hier steigen die Stickoxidwerte wieder. Konsequenzen hat das vorerst trotzdem nicht. – Foto: gik

Das Verwaltungsgericht Mainz hatte am 26. Oktober 2018 geurteilt, die Stadt Mainz müsse Dieselfahrverbote als effektive und schnell wirksame Maßnahme in ihren Luftreinhalteplan aufnehmen, zugleich aber auch geurteilt: Falls eine Senkung der als giftig geltenden Stickoxidwerte auf den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht anders zu erreichen sei, müssten solche Verbote zum 1. September 2019 einbezogen werden. Richterin Stefanie Lang hatte damals sowohl in der mündlichen Verhandlung als auch in ihrer schriftlichen Urteilsbegründung wiederholt betont, die Stadt Mainz müsse den Grenzwert von 40 Mikrogramm „schnellstmöglich“ einhalten – und nicht erst ab dem Jahr 2020 oder später.

Ein Luftreinhalteplan, dessen Maßnahmen dazu führten, dass „die Grenzwerte für Stickstoffdioxid erst ab den Jahren 2020 oder später eingehalten werden“, sei nicht geeignet, der Rechtssprechung zu genügen, heißt es in der Urteilsbegründung von 2018 explizit. Lang hatte deshalb auch keine Zweifel daran gelassen: Wenn es der Stadt Mainz nicht gelinge, den Stickoxidgrenzwert von 40 Mikrogramm im ersten Halbjahr 2019 einzuhalten, müssten Dieselfahrverbote ab dem, 1. September 2019 eingeführt werden.

Der Stadt gelang es zwar, die Stickoxidwerte in der Mainzer Parcusstraße auf 42 Mikrogramm im Schnitt der ersten Jahreshälfte 2019 zu drücken, doch damit wird der Grenzwert weiter nicht eingehalten. Mehr noch: Weil die Stickoxidwerte in der Rheinallee im ersten Halbjahr auf 47 bis 49 Mikrogramm stiegen, hatte die Deutsche Umwelthilfe Anfang November beim Verwaltungsgericht Mainz einen Zwangsvollstreckungsantrag auf Umsetzung eines Dieselfahrverbots eingereicht.  „Wir fordern die Umsetzung von zonalen Diesel-Fahrverboten spätestens zum 1. Januar 2020, um die Menschen in Mainz und ihre Gesundheit zu schützen“, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch dazu.

Protestaktion der Deutschen Umwelthilfe vor der IAA in Frankfurt: Dieselabgase töten. - Foto: Maximilian Urschl, DUH
Protestaktion der Deutschen Umwelthilfe vor der IAA in Frankfurt: Dieselabgase töten. – Foto: Maximilian Urschl, DUH

Das Gericht lehnte den Vollstreckungsantrag nun aber mit der Begründung ab, ein Sofortvollzug des Fahrverbots sei aufgrund des Urteils vom Oktober 2018 nicht einklagbar: Die Umsetzung der Maßnahmen gehöre nicht zu den nicht tragenden und damit Rechtskraft entwickelnden Bestandteilen des Urteils vom Oktober 2018, erläuterte Gerichtssprecher Jens Milker auf Mainz&-Anfrage. Laut Verwaltungsgerichtsordnung sei nur die Fortschreibung des Luftreinhalteplans an sich vollstreckungsfähig – nicht die Umsetzung der Maßnahmen. Die Stadt habe ihren Luftreinhalteplan zum 1. April 2019 fortgeschrieben und sei somit dem Gerichtsurteil nachgekommen, die Umsetzung der Maßnahmen könne jetzt nicht auf dieser Grundlage vollstreckungsfähig eingeklagt werden.

Bei der Deutschen Umwelthilfe zeigte man sich irritiert von dieser Rechtsaufassung: Aus dem Urteil vom Oktober 2018 folge doch „nicht, dass die Umwelthilfe nur Anspruch auf ein Blatt Papier hat“, sagte DUH-Anwalt Remo Klinger auf Mainz&-Anfrage. Der Tenor des damaligen Urteils sei eindeutig gewesen, dass die Stadt Maßnahmen ergreifen müsse, die Stickoxidwerte einzuhalten – und diese Maßnahmen müssten so verbindlich und so unzweifelhaft sein, dass die Grenzwerte eingehalten würden. „Wenn das nur Eventuell-Maßnahmen sind, sind die ungeeignet, dann verstößt der Luftreinhalteplan aber gegen das Urteil aus 2018“, sagte Klinger: „Wir halten die heutige Entscheidung des Verwaltungsgerichts für falsch.“

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch im Oktober 2018 vor dem Mainzer Verwaltungsgericht. - Foto: gik
DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch im Oktober 2018 vor dem Mainzer Verwaltungsgericht. – Foto: gik

Die Umwelthilfe werde deshalb Beschwerde gegen das heutige Urteil einlegen – und zusätzlich eine Planvollzugsklage einreichen. „Die Planvollzugsklage wird ab heute vorbereitet und noch vor Weihnachten eingereicht“, sagte Klinger Mainz&. Auch die dritte Klage der DUH vor dem Oberverwaltungsgericht Koblenz auf eine noch weiter gehende Fortschreibung des Luftreinhalteplans werde weiter verfolgt. Damit gebe es quasi drei Hütchen von Gerichtsverfahren, „es wird sich zeigen, unter welchem Hütchen das Fahrverbot drunter ist“, sagte Klinger weiter – sicher sei aber: „Unter einem der Hütchen steckt das Fahrverbot drunter.“

Gestützt wird die Haltung der DUH durch einen Satz aus der Urteilsbegründung vom Oktober 2018. Dort heißt es explizit: Ein „etwaiger teilweise rückläufiger Trend bei der Immissionsbelastung“ genüge nicht, wenn dieser Trend dazu führe, dass der Grenzwert weiter nicht eingehalten werde. „Erst mit Wahrung des Grenzwerts erfüllt der Luftreinhalteplan die gesetzlichen Anforderungen“, heißt es im Urteil. Eine Luftreinhalteplanung, die solche Maßnahmen enthalte, dass der Grenzwert „erst ab den Jahren 2020 oder später eingehalten“ werde, verstoße gegen die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – es seien Maßnahmen im Luftreinhalteplan vorzusehen, „die eine frühere Einhaltung der Grenzwerte herbeiführen.“

Kommentar& auf Mainz&: Ein Gericht, das sich nicht traut 

Man könnte das heutige Urteil des Mainzer Verwaltungsgerichts auch so interpretieren: Schreibt doch in Euren Luftreinhalteplan rein, was ihr wollt – umsetzen müsst Ihr es nicht. Ja, das Verwaltungsgericht widerspricht dem, und argumentiert: Nein, die Umsetzung sei nur nicht einklagbar durch einen Sofortvollzug, das sei das einzige, was man heute gesagt habe. Doch damit begibt sich das Gericht auf eine gefährliche spitzfindige Argumentation: Das Urteil beziehe sich nur auf den Luftreinhalteplan – nicht aber auf dessen Umsetzung.

Titelblatt des Luftreinhalteplans Mainz 2019. - Foto: gik
Titelblatt des Luftreinhalteplans Mainz 2019: Egal, was auf dem Papier steht? – Foto: gik

Ah ja. Und was ist mit der Urteilsbegründung, ist die auf einmal nicht mehr Teil des Kernurteils? Warum schreibt das Gericht dann explizit einen Satz, der Luftreinhalteplan sei nur gültig, wenn er auch zur Einhaltung der Grenzwerte führe – und zwar noch im Jahr 2019? Die Grenzwerte für Stickoxide werden in Mainz weiter nicht eingehalten, das ist Fakt. Das Gericht zuckt aber die Schultern und erklärt sich nur zuständig für die Buchstaben auf dem Papier – die Umsetzung, nö, das sei ja nicht Kern des Urteils gewesen.

Das aber heißt nichts anderes als: Papier ist geduldig – und der Luftreinhalteplan das Papier nicht Wert, auf dem er geschrieben wurde. Das aber ist fatal in einem Rechtsstaat, denn es macht beliebig, was Verwaltungen an Verordnungen aufstellen. Muss man sich also nicht dran halten, gell? Oder künftig jedes Komma einzeln einklagen? Wie verbindlich sind dann noch Rechtsverordnungen und auch Gerichtsentscheidungen selbst – ist die Umsetzung dessen, was da steht, zweitrangig, ja: obsolet? Hauptsache, es steht auf Papier?

Es drängt sich der Eindruck auf: Hier will jemand bloß nicht Schuld an einem Urteil sein, das ein Dieselfahrverbot für Mainz vorschreibt. Fakt ist: Das Gericht widerspricht seinem eigenen Urteil vom Oktober 2018 – und Richterin Stefanie Lang all dem, was sie in der mündlichen Verhandlung so explizit betont hat. Ein Gericht, das sich nicht traut, und für Entscheidungen nicht zuständig sein will, ist fatal für einen Rechtsstaat und verstärkt den Eindruck: Recht bekommen Bürger und Gesundheit ja ohnehin nie.

Info& auf Mainz&: Den Bericht zum Urteil 2018 findet Ihr hier auf Mainz&, den Artikel zu den Vollzugsklagen der DUH gibt es hier. Wer mehr lesen will, gebe bitte in die Suchmaske „Dieselfahrverbot“ ein, dann findet Ihr unser gesamtes Dossier samt aller Entwicklungen. Der Gerichtsbeschluss vom 3.12.2019 zum Sofortvollzug kann hier im Internet abgerufen werden.

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Ultrafeinstaubmessungen in Mainz: BI erhebt Untätigkeitsbeschwerde gegen Umweltministerin Höfken

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Paukenschlag in Sachen Ultrafeinstaubmessungen in Mainz: Die Mainzer Fluglärm-Initiative IKUL hat eine Untätigkeitsbeschwerde gegen die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) erhoben. Die Fluglärmgegner werfen der Ministerin darin nichts weniger als die Verletzung ihrer Vorsorgepflicht zum Nachteil der Gesundheit der Bürger vor. Der Grund: Höfkens Weigerung, auch in Mainz Messungen zu Ultrafeinstaubemissionen aus dem Flugverkehr durchzuführen. Damit verstoße die Ministerin gegen ihre gesetzliche Vorsorgeverpflichtung und ignoriere bewusst und wider besseres Wissen das bestehende Umweltrisiko durch die ultrafeinen Partikel aus der Luft – und das, obwohl die IKUL bereits seit 2012 das Ministerium und die Ministerin vor diesen Gefahren warne.

Ein Messgerät für Ultrafeinstaub in Frankfurt. - Foto: Alt
Ein Messgerät für Ultrafeinstaub in Frankfurt. – Foto: Alt

Höfken hatte noch im August dieses Jahres erneut eigene Messungen in Mainz zu Ultrafeinstaub aus dem Luftverkehr abgelehnt – obwohl ihre eigene Parteifreundin, die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) genau solche Messungen gefordert hatte. Anlass war der jüngste Bericht des hessischen Landesamtes für Umwelt (HLNUG), nach dem die hohen Ultrafeinstaubkonzentrationen am Frankfurter Flughafen ihre Ursache in den Triebwerken der Flugzeuge selbst haben. Auf einer Expertenanhörung Ende August kündigte das Land Hessen daraufhin an, seine Messungen rund um den Frankfurter Flughafen deutlich auszuweiten.

Es müsse umgehend erforscht werden, wie sich An- und Abflüge auf die Bodenkonzentration der Partikel auswirkten, bis zu welcher Entfernung die Partikel streuten und welche Gemeinden betroffen seien, betonte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), man müsse wissen: „Wie weit reicht die Wolke vom Flughafen aus in die Umgebung?“ Die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder hatte daraufhin eigene Messungen auch für Mainz gefordert: „Wir müssen wissen, inwieweit die Landeshauptstadt betroffen ist“, sagte Eder damals gegenüber Mainz&: „Ich will als Mainzer Umweltdezernentin wissen: was kommt nach Rheinland-Pfalz?“

Eders Forderung beruhte auch darauf, dass die Mainzer Initiative gegen Fluglärm bereits 2015 hohe Ultrafeinstaubkonzentrationen von 16.000 Partikeln auch im Mainzer Stadtgebiet maß – das Vierfache der normalen Konzentration. Auch bei Studien an anderen Flughäfen wurden bereits hohe UFP-Konzentrationen in einer Entfernung von bis zu 16 Kilometern und mehr von Flughäfen entfernt gemessen, die Mainzer Ingenieure Joachim Alt und Wolfgang Schwämmlein gehen bereits seit 2015 davon aus, dass auch in Mainz UFP-Partikel in erheblichen Konzentrationen aus dem Luftverkehr die Wohngebiete erreichen.

Landendes Flugzeug über den Häusern von Raunheim. - Foto: gik
Wie gefährlich ist Ultrafeinstaub von Flugzeugen, wie viel kommt davon in Wohngebieten an? Die Mainzer BI IKUL fordert Messungen auch in Mainz. – Foto: gik

Ultrafeine Partikel (UFP) gelten als hochgradig gesundheitsgefährdend, die winzigen Rußpartikel in Nanobereichsgröße entstehen bei Verbrennungsvorgängen in Motoren oder Öfen. Neueste wissenschaftliche Studien rechnen den winzigen Rußpartikeln, die rund 1.000 mal kleiner als der gut erforschte Feinstaub sind, ein hohes Gesundheitsrisiko für Atemwegserkrankungen und Herzinfarkte zu. Trotzdem lehnte Ministerin Höfken im August erneut eigene UFP-Messungen des Landes ab – und den Fluglärmexperten riss nun der Geduldsfaden: Die inzwischen in Initiative Klima-, Umwelt- und Lärmschutz im Luftverkehr e.V. („IKUL“) umbenannte BI habe am 27. November 2019 eine Untätigkeitsbeschwerde gegen die Ministerin erhoben, teilte die IKUL am späten Dienstagabend mit.

Man werfe der Ministerin vor, „pflichtwidrig Messungen von gesundheitsgefährdenden Ultrafeinstäuben, die vom Flugverkehr des Frankfurter Flughafens ausgehen, unter Verletzung des Vorsorgeprinzips zu verweigern.“ Höfken unterlasse Ermittlungen über das Ausmaß der Immissionsbelastung durch UFP zudem wider besseres Wissen, kritisiert die Bürgerinitiative: Die Besorgnis erregenden Erkenntnisse über die UFP-Immissionen durch die An- und Abflugrouten des Frankfurter Flughafens sowie die ernsthaften Hinweise auf negative Gesundheitsauswirkungen „sind Ihrem Ministerium seit 2012 und Ihnen persönlich seit spätestens 2015 bekannt“, heißt es in dem Schreiben. Trotzdem entziehe sich die Ministerin ihrer gesetzlichen Pflicht zur Vorsorge im Sinne der Bürger und lehne seit mindestens zwei Jahren Forderungen nach Messungen ab.

Wolfgang Schwämmlein (links) und Joachim Alt im April 2018 mit Ergebnissen von Ultrafeinstaubmessungen aus Raunheim. - Foto: gik
Wolfgang Schwämmlein (links) und Joachim Alt im April 2018 mit Ergebnissen von Ultrafeinstaubmessungen aus Raunheim. – Foto: gik

Das Vorsorgeprinzip im Umweltrecht schreibe aber vor, dass denkbare Belastungen für die Umwelt oder die menschliche Gesundheit im Voraus vermieden werden sollten, und zwar auch bei einer möglicherweise unvollständigen Wissensbasis, argumentieren die Fluglärmaktivisten weiter. Staatliches Handeln werde daher nicht erst beim tatsächlichen Nachweis einer Gefährdung ausgelöst, „es genügen plausible oder ernsthafte Anhaltspunkte für ein Umweltrisiko“, betonen sie – und die lägen bereits seit Jahren vor: Seit 2012 hätten die Experten der BI dem Umweltministerium und der Ministerin persönlich genau solche plausiblen und ernsthaften Anhaltspunkte immer wieder genannt.

Die Experten Alt und Schwämmlein verwiesen dabei auch auf ihre Messungen von 2015, mit denen erstmals hohe UFP-Konzentrationen auch in Mainz nachgewiesen wurden. Alt und Schwämmlein hatten seither immer wieder umfassende Untersuchungen gefordert, 2016 sicherte ihnen das Ministerium ihren Angaben zufolge zu, Gelder für eine eigene Messstation in Mainz bereitstellen zu wollen. 2017 habe das Umweltministerium dann erklärt, die Gelder seien genehmigt, es könne „unmittelbar in den Beschaffungsprozess eingetreten werden.“

Im April 2018 schlugen Alt und Schwämmlein erneut Alarm: Offizielle Messungen des Landesumweltamtes in Hessen ergaben UFP-Konzentrationen von bis zu 100.000, ja sogar 500.000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft, und zwar in Raunheim, rund zehn Kilometer vom Flughafen entfernt. Die Werte seien exorbitant hoch, hier sei „Gefahr im Verzug“ – Bevölkerung und Mediziner müssten dringend gewarnt werden, forderten Schwämmlein und Alt. Trotzdem rückte Ministerin Höfken 2018 von der Beschaffung eines Messgeräts wieder ab – und verwies auf das Forschungsprojekt Ufoplan des Umweltbundesamtes, das die Ausbreitung von UFP-Partikeln rund um Flughäfen ermitteln sollte.

Flieger über dem Mainzer Dom. - Foto: gik
Welche Auswirkungen haben die Flieger über Mainz? Die IKUL will, dass das endlich gemessen wird. – Foto: gik

Schon im April 2018 hatten die Verfasser der Studie jedoch selbst eingeräumt, das Projekt sei ein reines Rechenmodell – konkrete Messergebnisse würden dabei gar nicht einbezogen. Auf der Expertenanhörung im August 2019 mussten die Studienmacher sogar zugeben, ihr Ausbreitungsmodell habe noch erhebliche Unsicherheiten und passe mit den realen Messungen gar nicht richtig zusammen – man habe es bislang nicht geschafft, reale Belastungen oder Tagesvariationen abzubilden. Ufoplan bilde keine real gemessenen Belastungswerte ab, betont nun auch die IKUL, trotzdem berufe sich die Ministerin weiter darauf.

„Die Bürger in Rheinhessen und in Mainz werden bei Ostwind von landenden Flugzeugen überflogen“, mehr als 110.000 Landeanflüge habe es 2018 in dieser Region gegeben, heißt es in dem Beschwerdeschreiben der IKUL. In der Umgebung des Flughafens seien bereits Spitzenwerte von einer Million UFP-Partikel gemessen worden, „die Besorgnis von Gesundheitsgefahren durch die Einwirkung von UFP ist groß“. Im Januar 2019 habe zudem eine Vorstudie am Düsseldorfer Flughafen gezeigt, dass die UFP-Konzentrationen aus Flugzeugtriebwerken noch in einer Entfernung von 40 Kilometern nachweisbar sei. Nach dem Scheitern des Ufoplan-Rechenmodells sei klar: Nur mit Messungen könne Klarheit über die Belastung der Bürger in Mainz und Rheinhessen geschaffen werden – und diese Messungen zu beauftragen, dazu die Ministerin nun verpflichtet. „Nachdem die Ministerin zunächst Messungen in RLP zusagte, verweigert sie diese jetzt mit falschen und fadenscheinigen Begründungen“, erklärten Alt, Schwämmlein sowie ihr Mitstreiter Gerd Schmidt: „Wir fühlen uns von der Ministerin hingehalten und getäuscht.“

Erst kürzlich hatten zudem auch SPD-Landtagsabgeordnete aus Mainz und Rheinhessen eigene Mainzer Messungen zur UFP-Belastung durch den Flugverkehr gefordert: „Diese Stationen sind wichtig, sie geben uns wichtige Daten, die die Forschung, die in diesem Bereich noch an vielen offenen Fragen arbeitet, so dringend braucht“, sagten die Abgeordneten Nina Klinkel und Johannes Klomann (beide SPD) – und das Land Hessen habe natürlich kein Interesse an Messungen in Mainz.

Im Oktober hatte sich dann auch die IKUL in einem Brief an Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) gewandt und sie gebeten, bis Mitte November 2019 mitzuteilen, ob das Land Rheinland-Pfalz eigene Messungen in Mainz und Rheinhessen durchführen werde – der Ministerpräsidentin obliege die Gesamtverantwortung für die Gesundheit der Menschen in Rheinhessen. Offenbar bleib Dreyer die Antwort schuldig – die Untätigkeitsbeschwerde gegen ihre Ministerin Höfken ging nun auch an die Ministerpräsidentin.

Dreyer habe sich erst kürzlich beim Thema Fluglärm „weit aus dem Fenster gelehnt“ und sogar eine Ausweitung des Nachtflugverbots auf 6.00 Uhr morgens gefordert, betonte IKUL-Vorstand Lars Nevian: „An diesen Forderungen müssen sich Malu Dreyer und die SPD-Landtagsfraktion jetzt messen lassen.“ Dreyer müsse nun über die Untätigkeitsbeschwerde entscheiden, davon hängt ab, ob die Umweltministerin UFP-Messungen durchführen müsse. „Wir sind gespannt, ob Malu Dreyer und die SPD ihren Worten auch Taten folgen lassen“, fügte Nevian hinzu.

Info& auf Mainz&: Die wichtigsten Mainz&-Artikel zum Thema Ultrafeinstaub haben wir bereits im oben stehenden Artikel verlinkt. Die Untätigkeitsbeschwerde der IKUL könnt Ihr samt Pressemitteilung in vollem Wortlaut hier im Internet nachlesen.

 

 

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Architektenwettbewerb zur LU angelaufen: Gemünden setzt auf Begrünung von Dächern und Fassaden

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Die Umgestaltung der Mainzer Ludwigsstraße ist angelaufen, Mitte November fiel der Startschuss für den Architektenwettbewerb für das neue Einkaufszentrum Boulevard LU. Auftraggeber ist die Boulevard LU GmbH des Ingelheimer Investors Dirk Gemünden – und die betont in einer neuesten Veröffentlichung, man setze umfangreich auf Nachhaltigkeit: Alle Flachdächer des neuen Zentrums sollen extensiv begrünt werden, die Innenhöfe ebenso, und auch an den Fassaden soll Begrünung stattfinden. Damit würden Weichen für ein verbessertes Stadtklima gestellt – die Bürgerinitiative Ludwigsstraße hatte just am Dienstagabend zu einer Veranstaltung unter dem Motto geladen: „Klimanotstand – Keine Nachverdichtung an der LU“.

Visualisierung neues Einkaufszentrum Boulevard LU - Video: Boulevard LU GmbH, Screenshot: gik
Visualisierung des neuen Einkaufszentrums Boulevard LU in einem Video der Boulevard LU GmbH mit Blick auf den Dom. – Screenshot: gik

Der Mainzer Stadtrat habe den Notstand erklärt, Studien wie Klimprax zeigten schon jetzt „nachdrücklich und mahnend, wie wenig Schutz unsere dicht bebaute Innenstadt gegen Extremwetterereignisse wie Hitze oder Starkregen jetzt schon zu bieten hat“, heißt es in der Ankündigung der BI Ludwigsstraße für eine Veranstaltung am Dienstagabend. Mit dem fortschreitenden Klimawandel drohten sich die Probleme zu verschärfen „und künftig zur Bedrohung für die Gesundheit der Bewohner als auch für die Infrastruktur zu werden, es ist überfällig gegenzusteuern“, warnte die BI, und lud zu einer Veranstaltung ein: „Ludwigsstraße – dichter, höher, heißer?“

Angesichts der drohenden Klimaveränderungen müsse dringend über Flächenverbrauch, Nachverdichtung und einer weiteren Verriegelung von Frisch- und Kaltluftzufuhr gesprochen werden, und diese Gefahren die Diskussion und die Planungen besonders in den Innenstadtbereichen von Mainz bestimmen, fordert die BI. Die Stadt Mainz habe sich aber „praktisch fast vollständig aus dem Planungsverfahren zurückgezogen“ und überlasse dem Investor das Feld – eine dringend erforderliche mikroklimatische Simulation habe man abgelehnt. „Also kann drauflosgeplant und -gebaut werden: höher, dichter, massiger und zu Lasten öffentlichen Raums“, kritisiert die BI.

Am Dienstagabend, kurz vor der Veranstaltung, teilte die Boulevard LU GmbH neueste Details zum Planungsverfahren auf ihrer Homepage mit. Anfang November war hier der Startschuss für den Umbau des Deutsche Bank-Gebäudes gefallen, die Deutsche Bank habe „in eigener Regie mit den Vorbereitungsmaßnahmen für ihren internen Umzug begonnen“, teilt die Boulevard LU mit. Zeitgleich wurde der städtebauliche Architektenwettbewerb gestartet, die teilnehmenden Büros am 15. November zu einem „Rückfragekolloquium“ eingeladen.

Plan der Boulevard LU GmbH für das neue Einkaufszentrum an der Mainzer Ludwigsstraße. - Grafik: Boulevard LU GmbH
Plan der Boulevard LU GmbH für das neue Einkaufszentrum an der Mainzer Ludwigsstraße. – Grafik: Boulevard LU GmbH

Inzwischen arbeiteten die Architekten an den Entwürfen – und da fordere man ein besonderes Augenmerk auf die Nachhaltigkeit, heißt es weiter: „Die Umgestaltung an der Mainzer Ludwigsstraße soll durch Begrünungen und ein nachhaltiges Energiekonzept zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen“, man wolle umfassende Maßnahmen dafür umsetzen. Man wolle positive klimatische Effekte durch umfangreiche Begrünungen auf dem bislang nahezu vollversiegelten Areal erreichen, so die Boulevard LU weiter: Sämtliche Flachdächer sollten extensiv begrünt werden, also zum Beispiel mit Gräsern und Stauden versehen werden.

Die Innenhöfe der Deutschen Bank sowie des neu geplanten Hotels sollten sogenannte intensive Begrünungen bekommen, unter anderem mit Bäumen und Sträuchern, das sei den Teilnehmern des Wettbewerbes als Aufgabenstellung mitgegeben worden. „Auch an den Fassaden sollen wo möglich und sinnvoll Begrünungen entstehen“, heißt es weiter. Eine zentrale Aufgabe der teilnehmenden Architektenteams im laufenden Realisierungswettbewerbs sei es, genau dafür konkrete Ideen und Konzepte zu entwickeln. „Mit Blick auf öffentliches Grün auf den Plätzen sind zudem die Stadtplaner involviert“, heißt es weiter, die Bäume entlang der LU blieben auf jeden Fall erhalten.

Das Karstadt-Warenhaus mit den vorgelagerten Pavillons an der Mainzer LU heute. - Foto: gik
Das Karstadt-Warenhaus mit den vorgelagerten Pavillons an der Mainzer LU heute. – Foto: gik

In einer Antwort auf einen öffentlichen Brief der BI Ludwigsstraße vom August betonen die Investoren erneut, man wolle die öffentlichen Flächen an der Ludwigsstraße „so schonend wie möglich“ in Anspruch nehmen. Der Mainzer Stadtrat hatte 2017 mit einem Beschluss eine Vergabe der heutigen Plätze zwischen den Pavillons an den Investor möglich gemacht, die Boulevard LU GmbH geht heute selbstverständlich von dieser Vergabe durch die Stadt an sie aus – die Stadtspitze hatte wiederholt betont, der Beschluss von 2017 bedeute keineswegs automatisch die Veräußerung der Plätze an den Investor. Der sieht das anders – und plant eine neue Raumkante entlang der Ludwigsstraße.

„Auch wir sind der Ansicht, dass Plätze an der LU wichtig sind“, betont das Unternehmen zugleich in seiner Antwort auf den Offenen Brief, deshalb habe man die Inanspruchnahme von öffentlichen Flächen auf rund 300 Quadratmeter begrenzt – 100 Quadratmeter an der Fuststraße sowie rund 200 Quadratmeter an der Ludwigsstraße. Den Plänen zufolge soll demnach der mittlere Karstadt-Pavillon weitgehend zurückgebaut und Teil eines neuen Platzes werden, dafür der bisherige Platz vor der Deutschen Bank zur Hälfte zugebaut werden. Insgesamt sollen nach Angaben der Boulevard LU rund 15.000 Quadratmeter Einkaufsfläche in einem neu gestalteten Zentrum entstehen, das auch den bisherigen Ankermieter Karstadt beheimatet sowie eine neue Dachterrasse sowie eine große Eingangshalle mit Popup-Stores enthält.

Erste, rudimentäre Visualisierung des Eingangsbereichs des neuen Zentrums Boulevard LU. - Video: Boulevard LU GmbH, Screenshot: gik
Erste, rudimentäre Visualisierung des Eingangsbereichs des neuen Zentrums Boulevard LU. – Video: Boulevard LU GmbH, Screenshot: gik

Klimafreundlich und nachhaltig wolle man zudem auch bei der Energieversorgung werden, betont das Unternehmen weiter, es würden innovative Maßnahmen für einen klimafreundlichen Gebäudebetrieb geplant. Die Energiegewinnung soll so zum Teil über Bohrpfähle laufen: In die Betonsäulen für das Gebäude, die aus statischen Gründen erforderlich seien, würden wasserführende Leitungen eingelegt. „Durch diese geothermische Aktivierung der Bohrpfähle wird im Sommer Wärme in den Untergrund geführt, saisonal gespeichert, und im Winter zur Wärmeversorgung in Verbindung mit Wärmepumpen genutzt“, heißt es auf der Homepage. Umgekehrt könne man die im Winter gespeicherte Kälte im Sommer zum Kühlen verwenden.

Dazu soll die Mainzer Fernwärme zur Warmwasserbereitung und zum Heizen zu Spitzenzeiten genutzt werden sowie Photovoltaik herangezogen werden, insbesondere für die Stromversorgung unter Berücksichtigung eines Konzeptes zur E-Mobilität. Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs sollen im April 2020 vorgestellt werden, den Sieger werde ein Preisgericht bestimmen.

Info& auf Mainz&: Das Konzept des Investors Gemünden zum neuen „Boulevard LU“ stellen wir ausführlich in diesem Mainz&-Artikel vor, weitere Informationen des Investors gibt es auf dieser Internetseite, dort findet Ihr auch das Video, aus dem die Screenshots in unserem Artikel stammen. Die BI Ludwigsstraße und ihre Argumentationen findet Ihr hier im Internet.

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Mainzer Sicherheitsumfrage: Mainzer fühlen sich generell sicher – Angst vor Einbrüchen, Gewalt und Terror

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Wie sicher fühlen sich die Mainzer in ihrer Stadt, fragte im Juni eine große Sicherheitsumfrage im Auftrag der Stadt Mainz. Nun liegt das Ergebnis vor, und es ist wenig überraschend: „In Mainz fühlt man sich sicher, und man ist es auch“, lautete die Bilanz der Umfrage, die vergangene Woche vorgestellt wurde. Mainzer werden generell selten Opfer eines Überfalls, auf offener Straße verletzt oder auch Opfer eines Betrugs. Fast 90 Prozent fühlen sich zumindest tagsüber in ihrer Wohngegend sicher – unsicher fühlen sich am Mainzer am meisten am Hauptbahnhof, entlang der Kaiserstraße oder in der Mainzer Neustadt. Neu sind diese Erkenntnisse nicht, die Mainzer Polizei will aber die Ergebnisse intensiv für ihre Arbeit auswerten.

Der Mainzer Hauptbahnhof ist der Ort, wo sich die Mainzer am unsichersten fühlen. - Foto: gik
Der Mainzer Hauptbahnhof ist der Ort, wo sich die Mainzer am unsichersten fühlen. – Foto: gik

Mitte Juni hatte die Stadt gemeinsam mit dem Mainzer Institut für Publizistik die Umfrage erstellt und dabei vor allem online nach dem Sicherheitsempfinden der Mainzer, aber auch nach persönlichen Kriminalitätserfahrungen und der eigenen Risikowahrnehmung gefragt. Zusätzlich wurden Fragebögen in den Ortsverwaltungen ausgelegt und Aushänge dort und im Stadthaus gemacht – die Fragebögen lagen in gleich fünf Sprachen vor. Insgesamt machten 4.329 Teilnehmer mit, davon füllten fast 90 Prozent den Fragebogen online aus. Verwertbar waren davon am Ende 2.192 Fälle, die Übrigen schieden zumeist deshalb aus, weil sie persönliche Angaben verweigerten oder weniger als 50 Prozent der inhaltlichen Fragen beantwortet hatten.

Ausgesprochen gering war die Beteiligung der ausländischen Mitbürger, nur 23 Teilnehmer hatten keinen deutschen Pass, nur 49 Teilnehmer waren nicht-deutscher Muttersprache. Das sei bei Umfragen dieser Art nicht selten, sagte Universitätsprofessor Gregor Daschmann, damit seien die Ergebnisse der Umfrage aber nur aussagekräftig für die deutsche Wohnbevölkerung der Stadt Mainz ab 15 Jahren – was rund 154.000 Mainzern entspreche. Zusätzlich zur Online-Umfrage wurden zudem 450 Interviews von Studierenden telefonisch oder persönlich unter Mainzer durchgeführt.

Die Befragten, deren Daten in die Studie einflossen, wohnten im Schnitt seit 27 Jahren in Mainz und seit 17 Jahren in ihrer derzeitigen Wohngegend. Und dort wohnen 78,5 Prozent der Teilnehmer gerne – und fühlen sich zu 89,6 Prozent tagsüber sicher. Im Dunkeln sinkt diese Quote auf ein Sicherheitsgefühl von 61,6 Prozent, das sei aber nicht ungewöhnlich, heißt es bei der Mainzer Polizei: Dunkelheit befördert generell das Gefühl von Unsicherheit. Dass sich 90 Prozent der Mainzer in ihrem Wohnumfeld sicher fühlten, sei aber „ein gigantischer Wert“, sagte Polizeisprecher Rinaldo Roberto gegenüber Mainz&.

Auch die Kaiserstraße gehört zu den Regionen, an denen sich viele Mainzer tendenziell nicht so ganz sicher fühlen. - Foto: gik
Auch die Kaiserstraße gehört zu den Regionen, an denen sich viele Mainzer tendenziell nicht so ganz sicher fühlen. – Foto: gik

Allerdings gibt es auch in Mainz durchaus Orte, an denen sich viele Mainzer unsicher fühlen: 44 Prozent gaben dabei den Mainzer Hauptbahnhof und seine Umgebung an, gut ein Viertel die Innenstadt südlich der Kaiserstraße – also primär das Bleichenviertel – 17,4 Prozent nannten die Neustadt und/oder die Kaiserstraße. „Das Ergebnis bestätigt unsere eigene Wahrnehmung“, sagte Roberto dazu, „genau diese Gegenden haben wir voll auf dem Schirm.“ Gerade um den Hauptbahnhof habe es zuletzt über 1.700 Einsatzstunden gegeben, „wir kümmern uns um die richtigen Bereiche“, betonte der Polizeisprecher.

Eine untergeordnete Rolle spielen in Punkto Unsicherheit die Stadtteile, hier lagen Hartenberg-Münchfeld und der Mainzer Unicampus mit Bretzenheim und der Oberstadt mit einer Nennung von 7,1 Prozent knapp vor Mombach (6,1 Prozent) und den Außenbezirken von Gonsenheim bis Lerchenberg (5,4 Prozent). Am seltensten wurden mit 3,2 Prozent die Stadtteile Weisenau, Hechtsheim, Laubenheim und Ebersheim genannt. Trotzdem befürchten immerhin knapp zehn Prozent der Befragten, sexuell belästigt, überfallen und beraubt oder gar geschlagen oder verletzt (7,3 Prozent) zu werden. Immerhin 13,1 Prozent befürchten einen Einbruch in ihr Haus in den kommenden 12 Monaten – das waren deutlich mehr als bei bundesweiten Erhebungen im Jahr 2017. Auch bei den anderen Befürchtungen lagen die Mainzer zum Teil deutlich über dem Bundesschnitt – so sicher fühlen sich die Mainzer also offensichtlich doch nicht. Mehr Informationen zu Alarmanlagen und Sicherheitssystemen gegen Einbruch finden Sie auf https://www.sicherheits-angebote.com/

Menschenmengen wie hier auf der Mainzer Johannisnacht sind nicht jedem geheuer, generell sind Großveranstaltungen in Mainz aber sehr sicher. - Foto: gik
Menschenmengen wie hier auf der Mainzer Johannisnacht sind nicht jedem geheuer, generell sind Großveranstaltungen in Mainz aber sehr sicher. – Foto: gik

Tatsächlich berichteten 20 Prozent, sie seien schon mal in der Mainzer Innenstadt angepöbelt oder beleidigt worden, 11,8 Prozent berichteten das sogar aus ihrer Wohngegend – das entsprach immerhin 200 Fällen in 12 Monaten. 4,5 Prozent wurden schon einmal bestohlen (81 Fälle), 55 Menschen sexuell belästigt und immerhin 29 Menschen Opfer eines Hassdelikts. Und 25 Mainzer erlebten, dass in ihr Haus oder ihre Wohnung eingebrochen wurde – das waren immerhin 8,2 Prozent der Fälle. Nur 36,3 Prozent der Befragten meinten denn auch, die Polizei kontrolliere oft genug in der eigenen Wohngegend. Roberto sagte dazu, der Wunsch nach mehr Polizeistreifen sei sehr verständlich, gab aber auch zu bedenken, dass man gerade im Dunkeln die Kontrollen oft gar nicht sehe: „Wir kontrollieren nachts wirklich viel“, betont der Polizeisprecher, „unsere Streifen sind rund um die Uhr unterwegs.“

Einen besonderen Schwerpunkt enthielt die Umfrage zum Thema Großveranstaltungen, und da fühlen sich immerhin 74,2 Prozent im Großen und Ganzen sehr sicher. Fast 60 Prozent rechnen aber mit Taschendieben, fast 50 Prozent mit sexuellen Übergriffen oder Belästigungen, 44 Prozent sehen die Terrorgefahr als besonders hoch an bei Großveranstaltungen. Immerhin 26,4 Prozent gaben denn auch an, aus Sicherheitsgründen heute seltener zu Großveranstaltungen zu gehen als vor fünf Jahren – 86 Prozent gaben aber an, noch nie Opfer einer Straftat auf einer Großveranstaltung geworden zu sein.  Immerhin 70 Prozent haben zudem großes Vertrauen in die Mainzer Polizei, 54,8 Prozent wünschten sich aber auch, die Mainzer Polizei solle auf Großveranstaltungen häufiger informieren.

Polizeipräsenz an Fastnacht in der Mainzer Innenstadt. - Foto: gik
Polizeipräsenz an Fastnacht in der Mainzer Innenstadt stärkt durchaus das Sicherheitsgefühl – nur zu martialisch dürfen die Beamten nicht aussehen. – Foto: gik

Das Sicherheitsgefühl wird denn auch offenbar vor allem durch Polizeipräsenz vor Ort gestärkt: 57,1 Prozent gaben an, sie würden sich dann sicherer fühlen. Allerdings gaben zugleich nur 22,3 Prozent an, dass die sichtbare Platzierung von Polizeibeamten mit Maschinenpistolen hilfreich sei – zu hoch gerüstete Beamte schüren offenbar weniger das Sicherheitsgefühl, als dass sie verunsichern. Die Absperrung von Zufahrtswegen durch Betonblöcke oder Müllfahrzeuge fanden 42,9 Prozent als hilfreich in Punkto Sicherheitsgefühl, 40 Prozent sahen das auch durch regelmäßige Kontrollen auf dem Veranstaltungsgelände sowie durch das Durchsuchen von Kleidern und Taschen am Einlass gegeben. Eine Videoüberwachung stärkt hingegen nur bei knapp 36 Prozent das Sicherheitsgefühl, eher weniger hilfreich sind die Verhängung eines Alkoholverbots (22,4 Prozent) oder eine Absperrung mit Gittern (19,2 Prozent).

Bei der Mainzer Polizei heißt es dazu, man werde die Ergebnisse jetzt im Detail auswerten und auch die eigene Form der sichtbaren Präsenz hinterfragen – also etwa, ob die Polizei statt mit Maschinenpistolen aufzutreten nicht zurückhaltender agieren werde. Ausbaufähig ist noch die Bekanntheit der polizeilichen Beratungsstellen: Nur 42,8 Prozent wussten etwa, dass es im Polizeipräsidium am Valenciaplatz eine Beratungsstelle gibt, die etwa bei Einbruchssicherung und anderen Fragen der Prävention kostenlos berät. Nur 32,6 Prozent kannten die Seniorensicherheitsberater – und 70 Prozent hatten noch nie von der Online Polizeiwache Rheinland-Pfalz gehört.

Info& auf Mainz&: Den Ausgangsbericht zur Mainzer Sicherheitsumfrage findet Ihr hier bei Mainz&.

 

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Brandbrief von 880 Beschäftigten der Universität Mainz: 400 Beschäftigte bangen um Jobs ab Ende 2020

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Nach dem Ärger um die unterfinanzierte Mainzer Universitätsmedizin gehen nun auch Beschäftigte der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität (JGU) auf die Barrikaden: In einem Brandbrief fordern rund 880 Unterzeichner Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) auf, für eine klare Ansage in Sachen Hochschulfinanzierung zu sorgen. Das ist eine Breitseite gegen Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD), ihm werfen die Unterzeichner vor, sich seit Monaten um verbindliche Aussagen zur Kofinanzierung des Landes zu drücken. An der Mainzer Hochschule gehe es allein um 300 Stellen, 400 Beschäftigte aus dem akademischen Mittelbau fürchten um ihre Jobs.

Eingang der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. - Foto: gik
Eingang der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. – Foto: gik

880 Unterzeichner fand der Offene Brief an die Ministerpräsidentin, darunter sind auch 140 Hochschulprofessoren. „Uns geht es um Solidarität mit den Kollegen“, sagt Andreas Frings, einer der Initiatoren des Offenen Briefes, im Gespräch mit Mainz&. Frings ist selbst als Studienmanager im Historischen Seminar dauerhaft angestellt, doch die Not der befristet beschäftigten Kollegen treibt auch ihn um. „Es geht um 300 Vollzeitstellen, auf denen 400 Menschen sitzen“, erklärt Frings: „Für uns sieht es derzeit so aus, als würden diese Stellen wegbrechen.“

Der Grund: Im Juni wurde ein neuer Zukunftsvertrag „Studium und Lehre stärken“ zwischen Bund und Ländern unterzeichnet, der ab Ende 2020 den dann auslaufenden Hochschulpakt ablösen soll. Rheinland-Pfalz sollen dann 70 Millionen Euro für seine Hochschulen zufließen, das Land müsste die mit 70 Millionen Euro eigenen Mitteln gegenfinanzieren – doch genau dazu schweigt Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) bisher. „Es gab mehrfach Versuche, mit Herrn Wolf ins Gespräch zu kommen – aber er sagt nichts und lässt sich nicht auf Gespräche ein“, kritisiert Frings. Wolf müsse seine Angaben „bis Mitte Januar an den Bund übermitteln“, trotzdem habe der Minister bisher jede konkrete Aussage verweigert, gerade erst vergangene Woche wieder im Wissenschaftsausschuss des Landtags.

CDU-Hochschulexpertin Marion Schneid bestätigt das: „Im Ausschuss hörte es sich so an, als wolle Wolf nicht volle 70 Millionen Euro gegen finanzieren, sondern Stellen aus den vergangenen Jahren anrechnen“, sagte Schneid dieser Zeitung. Die Hochschulen im Land seien aber ohnehin „katastrophal unterfinanziert“, ihre Attraktivität schwinde, wie sinkende Studierendenzahlen zeigten. Mit dem neuen Vertrag sei aber „die Intention verbunden worden, dass befristete Stellen aus dem Hochschulpakt entfristet und in Dauerstellen überführt werden“, betonte Schneid.

Erstsemesterveranstaltung an der Universität Mainz, hier fürchten derzeit 400 Bedienstete um ihre Jobs. - Foto: gik
Lehre, Studibetreuung, Studienorganisation – an der Universität Mainz, hier fürchten derzeit 400 Bedienstete um ihre Jobs. – Foto: gik

Betroffen sind zumeist Stellen aus dem akademischen Mittelbau, die durch den Hochschulpakt zwischen Bund und Ländern befristet geschaffen wurden. Darunter seien hauptsächlich wissenschaftliche Mitarbeiter, auch einzelne Juniorprofessoren, sagt Frings: „Etwa 500 Lehrveranstaltungen wären von einem Wegfall betroffen.“ Vor allem sei aber auch der Bereich Studienberatung und Studienorganisation gestärkt worden, für die stark gewachsene Mainzer Universität sei das dringend notwendig gewesen. Vielfach wurden die Stellen genutzt, um die Fachdidaktik in den Fächern für die bessere Schulung von Lehramtsstudenten auszubauen, berichtet der Studienmanager weiter. Die Fachbereiche Soziologie, Politikwissenschaften und Publizistik seien davon sehr stark betroffen.

Und auch die psychotherapeutische Beratungsstelle der Hochschule bestreite die Hälfte ihrer Stellen aus den Mitteln des Qualitätspakts Lehre. Auch Frings befürchtet, der Minister wolle ein 200-Stellen-Programm aus den Vorjahren einrechnen, das aber würde den Verlust vieler befristeter Stellen aus dem Hochschulpakt Ende 2020 bedeuten.

Tatsächlich heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums, das Land habe im Vorgriff auf den neuen Pakt 41,5 Millionen Euro an Landesmitteln „verstetigt“, mit denen den Hochschulen bereits 200 zusätzliche Stellen dauerhaft bereitgestellt worden seien. Im Übrigen sei man „im intensiven Austausch mit den Hochschulen“ über die Frage der künftigen Mittelverteilung, diese Gespräche seien „aktuell auf der Zielgeraden“. Das Wissenschaftsministerium sei „zuversichtlich, bis Anfang Dezember eine gute Lösung mit den Hochschulen zu finden.“

Neue Gebäude für Politikwissenschaften der Uni Mainz, hier wären viele Beschäftigte von einem Stellenabbau im Mittelbau betroffen. - Foto: gik
Neue Gebäude für Politikwissenschaften der Uni Mainz, hier wären viele Beschäftigte von einem Stellenabbau im Mittelbau betroffen. – Foto: gik

An den Hochschulen teilt man diese Zuversicht nicht: „Für die betroffenen mehr als 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht ihre Zukunft auf dem Spiel“, heißt es in dem Offenen Brief. Die Kollegen seien zum Teil seit mehr als zehn Jahren mit wechselnden Befristungsgründen beschäftigt, hätten aber „mit großem Engagement entscheidend dazu beigetragen“, dass die JGU den Ansturm von Studierenden auf gutem Niveau bewältigt habe. Auf dem Spiel stünden wichtige Verbesserungen in der Lehre und bei der Betreuung der Studierenden in den vergangenen Jahren, ein Rückschritt werde sich „schnell und gravierend auf den gesamten Hochschulstandort Rheinland-Pfalz negativ auswirken“, befürchten die Verfasser, und kritisieren: „Kompetente und verantwortliche Hochschulpolitik „stellt sich nach unserem Verständnis anders dar.“

Auch die CDU-Opposition fordert, Rheinland-Pfalz müsse die vollen 70 Millionen Euro zuschießen. Sonst könnten landesweit sogar mehr als 1.000 Mitarbeiter an den Hochschulen auf der Strecke bleiben, befürchtet Schneid. Die Hochschulen würden derzeit allein gelassen, die Beschäftigten bangten um ihre Jobs, „so darf ein Wissenschaftsminister nicht mit Hochschulen und deren Bediensteten umgehen“, kritisiert Schneid.

Die Brandbreif-Verfasser fordern nun einen offenen, dialogischen und transparenten Entscheidungsprozess sowie den Erhalt der Stellen. „Den vielen erfahrenen und kompetenten, befristet beschäftigten Mitarbeitern“ müsse eine dauerhafte Perspektive in ihren Hochschulen eröffnet werden. Man habe sich in dem offenen Brief an die Ministerpräsidentin gewandt, weil Wolf mit seinen Aussagen dem Ziel widerspreche, qualitative Verbesserungen der Studienbedingungen zu erreichen. „Wir hatten das Gefühl“, sagt Frings, „wir müssen an die Instanz gehen, die den Zukunftsvertrag unterschrieben hat.“

Info& auf Mainz&: Denn gesamten Offenen Brief könnt Ihr hier im Internet einsehen und herunterladen.

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Staatstheater Mainz übernimmt bis Sommer 2020 Haus des Weins – Raskopf wird Theaterdirektor

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Spannende Entwicklungen am Mainzer Staatstheater: Das Theaterhaus greift immer mehr auch nach den Gebäuden in seiner Nachbarschaft. Zum 4. Januar 2020 übernimmt das Staatstheater die Gastronomie des Theaters selbst, baut Foyer und Kantine um – und wird bis Sommer 2020 auch das benachbarte Haus des Weins übernehmen. Geplant sei ein Gesamtkonzept „für eine kreative Weiterentwicklung von Gastronomie und Theater aus einer Hand“, teilte das Theater am Freitag mit, so solle der Theaterbesuch noch stärker zu einem Gesamterlebnis werden.

Das Mainzer Staatstheater, links daneben das Haus des Weins. - Foto: gik
Das Mainzer Staatstheater, links daneben das Haus des Weins. – Foto: gik

Das „Haus des Weins“ am Mainzer Gutenbergplatz steht seit Kurzem leer, die langjährige Gastronomie mit Schwerpunkt auf exzellenten Weinen wurde aufgegeben – was dem nachfolgen soll, war bislang unklar. Das Haus gehört der Mainzer Wohnbau, in den oberen Geschossen war bis vor ein paar Jahren das Deutsche Weininstitut zuhause, das „Haus des Weins“ im Erdgeschoss war eine Institution als Restaurant und Anlaufstelle für eine große Weinauswahl. Im OB-Wahlkampf gab es denn auch Stimmen, das „Haus des Weins“ könne eine Mainz-Vinothek werden, ein Schaufenster für die Great Wine Capital Mainz.

Nun wurde überraschend bekannt: Das Mainzer Staatstheater will das HDW für sich, um es als gastronomischen Anlaufpunkt, aber auch als Spielstätte für Lesungen und Performances zu nutzen. „Ein solcher Ort im Zentrum von Mainz wäre eine Bereicherung für die Stadt und die Region“, heißt es in der Pressemitteilung. Das Staatstheater Mainz habe sich in den vergangenen Jahren „immer mehr zum kommunikativen Treffpunkt der Stadt entwickelt“, Besucher- und Abonnentenzahlen stiegen, es gebe „das spürbare Bedürfnis der Theatergänger, sich auch rund um die Vorstellung zu begegnen und auseinanderzusetzen.“ Die Idee eines Theaters als öffentlicher Ort, wo die Bürger aus Stadt und Region zum lebhaften Gespräch zusammenkämen, sei „von größter Wichtigkeit.“

Und dafür biete das HDW in direkter Nachbarschaft die perfekten Voraussetzungen: Hier könnten Besucher und Sänger, Tänzer, Regisseure und Schauspieler einander begegnen, und das an dem Ort, an dem das Herz der Stadt schlage: auf dem Markt, am Gutenbergplatz. „Hier ist der Platz, an dem gestritten und geschwärmt, verhandelt und diskutiert wird – und das geht am besten bei gutem Essen und gutem Wein“, heißt es weiter. Das HDW gäbe einen wunderbaren Ort für Lesungen, Liederabende, Talkrunden, literarische Salons und vieles mehr, die Restaurantgäste kämen zwanglos und niedrigschwellig in Kontakt mit dem Theater.

Das Mainzer Staatstheater am Gutenbergplatz von oben gesehen. - Foto: gik
Das Mainzer Staatstheater am Gutenbergplatz von oben gesehen. – Foto: gik

Für das Staatstheater ließe sich mit dem HDW denn auch die gesamte Küche auslagern. Ab Januar 2020 übernimmt das Theater die Mitarbeiterkantine und die Foyerbewirtung selbst, das Foyer soll komplett umgebaut werden, um Garderoben- und Foyersituation zu verbessern und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Die Theaterkantine sei dringend sanierungsbedürftig, heißt es weiter, hier sei aber kein neuer Kantinenbetrieb geplant. Stattdessen könnte die Küche des HDW die Theaterkantine mitbetreuen, die Terrasse zwischen beiden Gebäuden aus einer Hand bespielen und auch gleich Räume für Besuchergruppen oder Firmenevents vorhalten. Für die neuen gastronomischen Aktivitäten wurde auch gleich der bekannte Mainzer Gastronom Martin Joham verpflichtet.

Ob das Staatstheater allerdings das HDW gleich langfristig pachten kann, ist noch nicht entschieden – es handelt sich vorerst um eine Zwischennutzung bis Sommer 2020. Man habe sich für das langfristige Betreiben des HDW beworben, heißt es beim Staatstheater, und hoffe sehr, „dass es so perspektivisch zukünftig zu einer langfristigen echten Bereicherung kommen kann.“ Man wolle die einmalige Chance nutzen, die Freude am Denken, die Lust am Genuss und den Spaß an der Begegnung miteinander vereinen zu können „und so das Mainzer Lebensgefühl feiern und fortschreiben.“

Erik Raskopf wird neuer Geschäftsführender Theaterdirektor des Mainzer Staatstheaters. - Foto: Andreas Etter
Erik Raskopf wird neuer Geschäftsführender Theaterdirektor des Mainzer Staatstheaters. – Foto: Andreas Etter

Zugleich gab das Staatstheater am Freitag auch noch eine neue Personalie bekannt: Erik
Raskopf wird zum 1. März Nachfolger von Volker Bierwirth als Geschäftsführender Theaterdirektor am Staatstheater Mainz. Raskopf ist bereits als Künstlerischer Betriebsdirektor, Prokurist und Stellvertreter des Intendanten in Mainz tätig, er habe sich „in einem anspruchsvollen, mehrstufigen Bewerbungsverfahren klar gegenüber zahlreichen anderen Kandidaten durchgesetzt“, betonte das Staatstheater. Raskopf vereine gleichermaßen künstlerisches und betriebswirtschaftliches Know-How und habe bereits jetzt großen Anteil am Erfolg des Mainzer Staatstheaters.

Raskopf studierte BWL und wurde unter anderem 2001 Gründungsdirektor des Museums der Augsburger Puppenkiste, dem inzwischen erfolgreichsten Puppentheatermuseum Europas mit weit über einer Million Besuchern. Von 2005 bis 2008 war er Betriebsdirektor des Tanztheaters am Staatstheater Nürnberg und dort später Chefdisponent, 2014 kam er mit Intendant Markus Müller nach Mainz und wurde hier künstlerischer Betriebsdirektor und Chefdisponent.

Info& auf Mainz&: Zur Webseite des Mainzer Staatstheaters mit allen aktuellen Terminen und Produktionen geht es hier entlang.

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„Statt einem Klimapäckchen kam nur ein Brief“ – 3000 Demonstranten fordern beim Klimastreik in Mainz #NeustartKlima

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Sie sind immer noch da, und sie sind weiter laut: Fast ein Jahr nach dem Beginn der Fridays for Future-Proteste in Mainz sind am Freitag noch einmal bis zu 3000 Protestierende für ein Umsteuern in der Klimapolitik auf die Straße gegangen. Und dabei zeigte sich: Der Klimastreik ist inzwischen ein breites Bündnis aus Scientistst, Parents, Students und sogar Omas for Futures. „Es ist nötig, dass wir weiter streiken, weil eben noch nichts passiert ist“, sagte Theresa Gemke von Fridays for Future gegenüber Mainz& und versicherte: „Wir hören nicht auf, bis etwas passiert.“

Klimakids beim Klimastreik in Mainz mit Plakaten. - Foto: gik
Klimakids beim Klimastreik in Mainz mit Plakaten. – Foto: gik

Vor gut zwei Monaten waren noch 10.000 Demonstranten in einem Sternmarsch durch Mainz gezogen, es war just der Tag, an dem in Berlin die Große Koalition ihr Klimapaket beriet. Fünf Wochen danach ist die Ernüchterung groß: „Wir sind angetreten mit großen Hoffnungen“, ruft Fabian Ehmann von Fridays for Future in die Menge. Doch statt einem Klimapaket sei nicht einmal ein Päckchen gekommen, „am Ende kam nur ein Brief“, ruft er: „Wir sind hier um zu sagen, das reicht uns bei weitem nicht.“

So sehen sie es alle hier: Erwachsene, Eltern, Jugendliche, Studierende, auch die Klimakids von der Leibniz-Grundschule aus Mainz-Bretzenheim sind wieder hier. „Geändert hat sich nichts“, sagt Johannes Schneider, der Physiker von der Mainzer Universität war auch im September schon beim Klimastreik mit von der Partie. Das sei einerseits schon frustrierend, schließlich warne die Wissenschaft schon seit 30 Jahren, und das ohne Ergebnis, sagt der Physiker aus der Atmosphärenforschung des Max-Planck-Instituts: „Eine Erderwärmung auf zwei Grad wäre eine Katastrophe.“

Andererseits, sagt Schneider, sei aber auch „motivierend, dass sich die jungen Leuten interessieren, dass das Thema so präsent ist.“ Die ganze Woche über organisierten die Studierenden an der Johannes Gutenberg-Universität eine öffentliche Klimastreikwoche mit Vorträgen und Workshops, Schneider ist begeistert von dem Engagement. „Noch besteht ja auch Hoffnung“, sagt er.

Studentin Luana Mertens (rechts) findet: Alle Macht nutzen, die man hat! - Foto: gik
Studentin Luana Mertens (rechts) findet: Alle Macht nutzen, die man hat! – Foto: gik

„Ich bin Verdi for Future“, sagt ein paar Schritte weiter ein Gewerkschafter, seine Nachbarin betont, ihr sei einfach „das Thema wichtig, es geht um mein Leben.“ Die Wiesbadenerin bemüht auf ihrem Plakat die berühmten Gallier Asterix und Obelix, „das gallische Dorf, das passt ja irgendwie“, sagt der Gewerkschafter. Tatsächlich siegen am Ende Asterix und sein Freund Obelix stets gegen eine Übermacht, und so wollen auch die Protestierenden hier überhaupt nicht aufgeben. „Man sollte sich schlecht fühlen, wenn man nicht aktiv ist“, sagte Studentin Luana Mertens aus Mainz: „Man sollte alle Macht nutzen, die man hat – in meinem Fall ist das Transparente malen.“

Plakat beim Klimastreik in Mainz: Vielleicht retten Asterix und Obelix ja das Klima... - Foto: gik
Plakat beim Klimastreik in Mainz: Vielleicht retten Asterix und Obelix ja das Klima… – Foto: gik

Gerade zerrt die Ignoranz an dem Politiker, der nachdenklich Greta betrachtet – eine Gruppe Studierender der Theaterwissenschaften hat sich überlegt, wie mand as Klimadrama szenisch umsetzen kann. „Wir spielen im Prinzip Topfschlagen“, sagt Maik Seitz: „Die Politiker sind blind für die Klimapolitik weil sie von der eigenen Ignoranz geführt werden.“ Die Ignoranz sei zu stark, sagt Greta, pessimistisch, die anderen widersprechen: „Vielleicht gibt es doch noch ein Happy End“, sagt einer.

„Es ist ein bisschen frustrierend, dass noch immer nichts passiert ist“, sagt Organisatorin Theresa Gemke, „das ist traurig, hält uns aber nicht ab, weiter für unser Ziel zu kämpfen.“ Das Klimapaket der GroKo sei doch nicht ernst zu nehmen, sagt sie, und fordert, die Regierung müsse „etwas Neues ausarbeiten, etwas mit wirksamen Maßnahmen.“ 2.500 Menschen haben sich da bereits auf dem Ernst-Ludwig-Platz versammelt und skandieren: „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut!“ Fridays for Future spricht am Ende von 3000 Protestierenden, die auch in einem Protestzug einmal kurz durch die Innenstadt ziehen.

Performance Klimakrise von Studierenden der Theaterwissenschaften in Mainz. - Foto: gik
Ignoranz zerrt an Politiker zerrt an Greta – Performance Klimakrise von Studierenden der Theaterwissenschaften in Mainz. – Foto: gik

Auch 2020 werden sie weiter protestieren, weiter streiken, weiter warnen vor einer Erderwärmung, die eine Katastrophe wäre. „Ich hoffe, dass die Schüler den Schwung weiter halten können im nächsten Jahr“, sagt Physiker Schneider noch: „Man braucht einfach den langen Atem, um in der Politik etwas zu bewegen.“ Klar, versichert Theresa Gemke noch, „wir hören nicht auf, bis etwas passiert. Es muss etwas passieren – deshalb können wir gar nicht aufhören.“

Info& auf Mainz&: Mehr zu den konkreten Forderungen der Klimaaktivisten von Fridays for Future haben wir zum Beispiel in diesem Mainz&-Artikel aufgeschrieben. Unseren Bericht von der großen Klimademo im September 2019 lest Ihr hier bei Mainz&.

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Neue Park & Go-Karte für Parkhäuser in Mainz ersetzt EC-Karten – Kein Rabatt mehr bei Kartenzahlung am Automat

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Große Änderung bei den Parkhäusern in Mainz: Ab dem 1. Januar 2020 kann an den Ein- und Ausfahrten der städtischen Parkhäuser nicht mehr mit EC-Karten oder Kreditkarten bezahlt werden. Der Grund sind neue Datenschutzregelungen, nach denen Abbuchungen künftig nicht mehr ohne die Eingabe einer Pin-Nummer erlaubt werden, das hat auch Auswirkungen auf das Zahlen mit Karte an den Parkautomaten: Hier entfällt in Zukunft der bisher geltende Rabatt von zehn Prozent. Die Lösung für die Kunden: Eine kostenlose Park & Go-Karte. Mit der kann künftig berührungslos an den Ein- und Ausfahrten bezahlt und auch weiter der Rabatt eingestrichen werden.

Neue Regeln zum Bezahlen in den Parkhäusern der pmg Mainz: Ab Januar gibt es eine neue Park & Go-Karte fürs bargeldlose bezahlen. - Foto: pmg
Neue Regeln zum Bezahlen in den Parkhäusern der pmg Mainz: Ab Januar gibt es eine neue Park & Go-Karte fürs bargeldlose bezahlen. – Foto: pmg

Bislang bot die Parken in Mainz GmbH (pmg), Betreiberin der Mainzer Parkhäuser, ihren Kunden die Möglichkeit, mit Kreditkarte oder EC-Karte in die Parkhäuser zu fahren und dort auch gleich zu bezahlen. Auch gab es bei Kartenzahlung an den Automaten im Parkhaus einen satten Rabatt von zehn Prozent auf die Kurzparkerpreise, ein Dankeschön fürs bargeldlose Bezahlen.

All das kippt nun durch die neuen und komplizierteren Sicherheits- und Datenschutzvorschriften beim bargeldlosen Zahlen: Der nach den geltenden Datenschutzbestimmungen geforderte Grad der Verschlüsselung bei der Übertragung der Daten durch das Automatensystem werde nicht ganz erreicht, deshalb müsse die PMG die Bezahlungsmöglichkeit für EC- und Kreditkarten an den Schranken beenden, teilte das Unternehmen nun mit.

Als Ersatz wird bereits seit Juni dieses Jahres die Park & Go-Karte angeboten: In der Parkkarte steckt ein passiver Transponder, der beim Ein- oder Ausfahren aus dem Parkhaus automatisch ausgelesen werden kann. „Damit ist echtes berührungsloses Ein- und Ausfahren möglich“, sagt PMG-Geschäftsführer Nils Teske. Für die Kunden heiße das künftig: Parken ohne Ticket, ohne Bargeld, ohne Stress und ohne Wartezeit. Der Gang zur Kasse erübrigt sich mit der Park & Go-Karte ebenso wie das lästige Sammeln von Parkbelegen für die Steuer: Der Kunde erhält mit der Karte eine monatliche Abrechnung seiner Parkvorgänge bequem online zum Download. Die Parkbeträge werden ebenfalls monatlich abgebucht.

Parkhaus am Mainzer Hauptbahnhof. - Foto: gik
Parkhaus am Mainzer Hauptbahnhof. – Foto: gik

Dazu gibt es die bisherigen Rabatte beim Parken nur noch mit der Park & Go-Karte, alle Kurzzeittarife kosten zehn Prozent weniger. Karte und Lesegeräte seien bereits im laufenden Betrieb erprobt, da sie bereits seit einigen Jahren für Dauerparker eingesetzt werden. „Wir haben bislang sehr gute Erfahrungen mit unseren Dauerparkern machen können und wissen, dass der Parkvorgang einwandfrei funktioniert“, betont PMG-Geschäftsführer Martin Dörnemann. Da die Transponder ohne Batterien auskämen, seien sie auch noch umweltfreundlich. Autofahrer können die Parkkarte sogar hinter der Windschutzscheibe befestigen, so sei berührungsloses Ein- und Ausfahren möglich.

EC- und Kreditkartenzahlungen dürfen hingegen künftig nur noch an Kartenleseterminals eingesetzt werden, an denen der Benutzer eine PIN eingeben kann. Hier könnten die notwendigen Bezahldaten „direkt und verschlüsselt nach dem PCI-Datensicherheitsstand an das Kreditinstitut übermittelt“ werden, heißt das im Beamtendeutsch. Die Kassenautomaten der PMG werden deshalb in den kommenden Wochen sukzessive umgerüstet.

Info& auf Mainz&: Die Park & Go-Karte kann online bei der Parken in Mainz GmbH bestellt werden und wird kostenlos ausgegeben – hier entlang zur Homepage mit dem Bestellungslink.

 

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